Dortmund - Der Sieg gegen Eintracht Frankfurt war mit dem Abpfiff abgehakt, die Südtribüne hatte anderes im Sinn. "Zieht den Bayern die Lederhosen aus" dröhnte es lautstark durch das Stadion. Am Dienstag in München soll der Traum vom DFB-Pokalfinale für den BVB ausgerechnet gegen den FC Bayern Wirklichkeit werden. Dabei ist der DFB-Pokal nur eines der heißen Eisen, die die Borussia plötzlich im Kampf um Europa im Feuer hat.

Innerhalb einer Woche hat Borussia Dortmund jetzt quasi zwei Endspiele vor der Brust - und könnte auf der Zielgeraden dieser Saison tatsächlich noch etwa Großes aus der Spielzeit machen. Die Voraussetzungen dafür hat sich der BVB spätestens mit dem souveränen 2:0-Sieg über Eintracht Frankfurt selbst gesichert. Das Punktekonto in der Bundesliga stimmt wieder, der angstvolle Blick nach unten ist Vergangenheit. "Wir haben uns aus dem Abstiegskampf verabschiedet", stellte Jürgen Klopp ohne Wenn und Aber fest.

Zusatzmotivation: Schalke überholen

Damit ist der Kopf frei für Europa - und auch in der Bundesliga hält der BVB plötzlich alle Trümpfe wieder selbst in der Hand. Im Februar noch am Tabellenende, ist der Rückstand auf Rang fünf inzwischen auf drei Punkte zusammengeschrumpft. Eine Platzierung, die direkt in die Gruppenphase der Europa League führen würde. "Wenn es weniger Punkte Abstand sind als du Spieltage hast, ist das eine ganz gute Situation", meinte Klopp.

Die unmittelbar vor ihr platzierte TSG Hoffenheim kann die Borussia am nächsten Spieltag im direkten Duell überholen. "Da geht es fast schon um alles, ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel", hob der Trainer den Endspiel-Charakter dieser Partie hervor. Und Mats Hummels sprach aus, was nicht nur für die schwarz-gelben Anhänger, sondern wohl auch für die Spieler eine nicht unerhebliche Zusatzmotivation bedeutet: "Wir haben auf einmal sogar die Chance, wieder vor Schalke zu kommen. Und wir wissen alle, dass dies unseren Fans besonders viel bedeuten würde."

Vor dem "Endspiel" in Hoffenheim plant der BVB aber noch einen ganz besonderen Coup, den auch der scheidende Trainer nur allzu gern noch mitnehmen würde. Beim großen Erzrivalen der letzten Jahre, den man zeitweise vorführte, bis das Imperium dann zurückschlug, steigt am Dienstag das DFB-Pokal-Halbfinale (News: BVB muss auf Roman Weidenfeller verzichten). Blumen hatten die Münchner dem BVB-Trainer zum Abschied übereichen wollen, aber Klopp lehnte mit einem breiten Grinsen dankend ab: "Wir sind am Dienstag auf Krawall gebürstet, da wollen wir uns nicht mit Blumen weichkochen lassen."

"Wir haben keine Angst vor den Bayern"

Selbstbewusst treten Klopp und seine Dortmunder die Reise nach Bayern an. Schon sieben Bundesligasiege in der Rückrunde haben neue Sicherheit gegeben. Offensiv ist zumindest ein Teil der alten Spielfreude zurück. Und auch eine gewisse Lässigkeit, für die Pierre-Emerick Aubameyang steht - nicht nur mit seinem frechen Elfmeterlupfer gegen Frankfurt, seinem 14. Tor dieser Saison. Auch die Frage nach der Torjägerkanone beantwortete der Gabuner mit einem dicken Grinsen: "Die vorne sind zu weit weg. Aber man weiß ja nie, es sind noch ein paar Spiele und bei drei Toren pro Spiel..."

Offensiv hat der BVB für seinen Auftritt in München sogar noch einen Trumpf parat. Marco Reus feierte in der zweiten Hälfte gegen die Eintracht sein Comeback und ist für Klopp "natürlich jetzt ein Kandidat für die Startelf".

Aber nicht nur nach vorne, auch defensiv hat die Borussia Selbstvertrauen für den Endspurt getankt. "Wir haben jetzt das siebte Spiel ohne Gegentor und stehen hinten sicher" freute sich Erik Durm über die wieder gewonnene Stabilität, die allerdings sowohl von Paderborn als auch von Frankfurt kaum geprüft wurde. Mit den Bayern wartet da ein anderes Kaliber, aber auch das kann diesen BVB nicht mehr schrecken. "Wir haben keine Angst vor den Bayern und zuletzt gezeigt, dass wir mithalten können", demonstrierte Matthias Ginter eine breite Brust (Interview mit Shinji Kagawa: "Bayern kommt gerade richtig").

Den Respekt vor dem Rekordmeister schmälert das auf Dortmunder Seite aber keineswegs. "Wir spielen gegen die beste Mannschaft der Welt. Und da brauchen wir eine geschlossene Mannschaftsleistung voller Leidenschaft, sonst wird das nichts", mahnte Mats Hummels. Und auch Jürgen Klopp nimmt seine Jungs in die Pflicht, appellierte an ihren Willen und ihre Galligkeit: "Ich hoffe, man sieht uns am Dienstag an, dass wir unbedingt ins Finale wollen. Das wäre eine gute Eintrittskarte für das Spiel gegen eine Mannschaft, die in einer unfassbaren Verfassung ist."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte