Köln – Der FC Ingolstadt und Darmstadt 98 sorgen in der Bundesliga für Furore. Von den meisten Experten im Tabellenkeller erwartet, ist die Startbilanz der Aufsteiger absolut bundesligareif. Beeindruckend ist vor allem die Konstanz, mit der Ingolstadt und Darmstadt ihre Aufgaben bewältigen. An jedem der acht Spieltage belegten die Lilien einen der Plätze neun bis zwölf. Ingolstadt bewegte sich sogar immer zwischen Rang sechs und neun. Weit Weg von den Sorgen des Abstiegskampfes.

Während sich zahlreiche Fachleute beim Blick auf die Tabelle verwundert die Augen reiben, ist einer vom Erfolg seiner Mannschaft nicht überrascht: FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl strahlte vor seiner ersten Spielzeit als Bundesliga-Trainer fast grenzenlosen Optimismus aus. "Wir haben einen Top-Kader - klein und eingeschworen. Das soll unser Erfolgsgeheimnis sein", erklärte der Österreicher schon im Juli. Und er hat Recht behalten.

Hasenhüttl setzt auf konstante Stammelf

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Als einziger Trainer verzichtete er in der englischen Woche auf jegliche Rotation und vertraute drei Mal derselben Startelf. Insgesamt nominierte Hasenhüttl an den ersten acht Spieltagen erst 14 verschiedene Feldspieler für die Startelf. Nur Peter Stöger vom 1. FC Köln hielt den Kreis noch kleiner (13). Und das macht sich auf dem Feld bezahlt. Die Automatismen im Spiel gegen den Ball funktionieren bei Ingolstadt nahezu perfekt. Fünf Mal hielt der Aufsteiger bislang die Null. Da kann selbst der FC Bayern nicht mithalten.

Deshalb fällt es kaum ins Gewicht, dass die Schanzer die magerste Torquote der Bundesliga vorweisen. Mit sechs erzielten Treffern sicherte sich das Team von Ralph Hasenhüttl 14 Zähler. Effektiver geht es kaum. So brauchte Ingolstadt auch nicht lange, um sich den ersten Bundesliga-Rekord zu sichern: Drei Auswärtssiege zum Saisonstart waren zuvor noch keinem Aufsteiger gelungen. Damit hat sich der FCI in der Liga Respekt verschafft.

Mindestens genauso viel Anerkennung verdient die Leistung des zweiten Aufsteigers. Der FC Ingolstadt ging als Außenseiter in die Saison, aber Darmstadt 98 wurden ähnlich viele Chancen auf den Klassenerhalt eingeräumt, wie einem Schneemann in der Sahara. „"Wir sind der Außenseiter der Außenseiter", befand Trainer Dirk Schuster vor dem ersten Spieltag. Mittlerweile haben sich die Aussichten des Schneemanns deutlich verbessert.

Auswärts noch ungeschlagen

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Die Truppe von Dirk Schuster hat bewiesen, dass sie in der Bundesliga mithalten kann - sogar mit den Topteams. In den Auswärtspartien auf Schalke (1:1), in Leverkusen (1:0) und beim BVB (2:2) blieben die Lilien ungeschlagen und entführten fünf Zähler. Das Erfolgsrezept: Viele Spieler im reiferen Fußballeralter und eine große Qualität im Konterspiel. Vor allem über den schnellen Heller setzt Darmstadt immer wieder Nadelstiche.

Und in der Defensive werfen sich die Hessen leidenschaftlich in jeden Zweikampf. Diese Mischung aus absoluter Kampf- und Laufbereitschaft sowie überfallartigem Konterspiel macht die Lilien zu einem äußerst unangenehmen Gegner. Nur der FC Bayern München war bislang in der Lage, den Aufsteiger zu bezwingen. Nicht schlecht für einen Club, den "der eigene Erfolg ein bisschen rechts überholt hat", wie Präsident Rüdiger Fritsch offen eingesteht.

Trotz der Erfolge bleiben beide Aufsteiger geerdet und denken nur an den Klassenerhalt. Das Beispiel des SC Paderborn aus der vergangenen Saison dient als warnendes Beispiel. Die Ostwestfalen standen nach acht Spieltagen mit zwölf Punkten auf Rang sieben und stiegen dennoch ab. Das möchten der FCI und die Lilien verhindern. Mit starker Ingolstädter Abwehrarbeit und rasantem Darmstädter Konterspiel.

Florian Reinecke