Köln - Im Mönchengladbacher Borussia-Park ist die Schweizerfahne momentan nicht mehr wegzudenken. Damit würdigen viele Borussen-Fans die Arbeit von Cheftrainer Lucien Favre, gebürtig in Saint-Barthélemy im Kanton Waadt. Doch "erfunden" wurde die Nationalflagge der Schweiz mit der großen Borussia-Raute im Kreuz schon Ende der achtziger Jahre: Von Andi Schröder, der auch später zu den Gründungsmitgliedern vom Borussia Fanclub Schweiz 93 gehörte.

In den goldenen siebziger Jahren der "Fohlenelf" mit den vielen Idolen von Berti Vogts bis Günter Netzer begeisterten sich auch Kinder in der Schweiz für die Borussen. Torhüter Wolfgang Kleff war schnell das Idol des kleinen Andi Schröder in Wattwil, den das Gladbach-Fieber von nun an gepackt hatte. 1978 mit 14 Jahren das erste Heimspiel mit der Mutter auf dem Bökelberg, dank Führerschein wurden vier Jahre später die 650 Kilometer nach Mönchengladbach zur lieb gewonnen Gewohnheit.

Regelmäßige Unterstützung für die Borussia aus der Schweiz



"Andi und ich sind Allesfahrer. Unser Schweizer Fanclub-Mitglied Urs Mendler kommt auf gut 30 Spiele; zwei, drei andere Schweizer schauen etwa zehn Spiele in der Saison. Die meisten der übrigen Schweizer versuchen zumindest "unsere Heimspiele" in München, Freiburg und Stuttgart zu schauen", zählt Brigitte "Biggi" Schröder auf.

Wie es manches Fan-Leben so schreibt, führte der Fußball die beiden Schröders zusammen. 1995 lernten sich der Schweizer und die Mönchengladbacherin (!) in Berlin beim DFB-Pokalfinale kennen. Der Pokalsieg der Borussia war sicher ein gutes Omen für die Beziehung: Heute wohnen beide in Wattwil, in Mönchengladbach haben sie unweit des Stadions eine kleine Wohnung gemietet - praktischer als ein Hotelzimmer bei so vielen regelmäßigen Fahrten an den Niederrhein.

"Wichtigste Gebote sind: Absolute Friedfertigkeit!"



Mit dem Fanclub war Andi Schröder aber noch etwas früher dran als mit der Ehe. Nach dem verlorenen Pokalfinale 1992 hatte der heutige Fachlehrer am 1. Juni 1993 beschlossen, mit sieben anderen Borussen aus der Schweiz einen Fanclub zu gründen. Fast zwanzig Jahre später wächst und gedeiht der Borussia Fanclub Schweiz 93 noch immer prächtig. "Wir haben 30 Schweizer Mitglieder zwischen 16 und 72 Jahren sowie 14 Deutsche zwischen 25 und 65. Außerdem noch fünf Kinder, der Jüngste ist gerade am 1. September zur Welt gekommen", sagt "Biggi" Schröder.

Auf ihrer Homepage macht der Borussia Fanclub Schweiz 93 klar, worum es diesen Deutsch-Schweizer-Fußballfans vor allem geht: "Wichtigste Gebote sind: Absolute Friedfertigkeit! Hinter der Borussia zu stehen auch in schlechten Zeiten, guten Kontakt zu Freunden unserer Borussia zu pflegen, das Singen im Block nicht zu vergessen und - sooft es geht - die Borussia live zu erleben."

Vorbereitungen für 20-jähriges Fanclub-Jubiläum laufen



In Wattwil hat sich mit der Zeit herumgesprochen, dass ihr Ort die vielleicht größten Borussen-Fans der Schweiz beherbergt. Die Borussen-Raute auf dem Auto der Schröders ist ebenso nicht zu übersehen wie die marmorne Raute vor dem Eigenheim. "Momentan wächst das Interesse wieder an unserem Fanclub. Und durch den einen oder anderen Zeitungsbericht in den letzten Jahren wissen jetzt viel mehr Einheimische, wer oder was wir sind", meint die Wahlschweizerin.

Eine besondere Herausforderung stellt für diesen Fanclub ein gemeinsames Treffen dar – schließlich kommen die Mitglieder auch aus Basel, Bern und Egerkingen sowie aus Rodgau, Pforzheim und Potsdam. "Einmal im Jahr gibt es den "Wir-kommen-alle-mal-zusammen-Tag", sagt "Biggi" Schröder, die heute schon an das große Jubiläum denkt. Am 1. Juni 2013 wird der Borussia Fanclub Schweiz 93 schließlich 20 Jahre alt. Dann gibt es viel zu erzählen: über Wolfgang Kleff und Lucien Favre, von alten und neuen Glanzzeiten. Und ganz sicher auch von einem Pokalfinale 1995 in Berlin.