München - Jerome Boateng steht im Zentrum und fühlt sich dort sichtlich wohl. Es ist nicht einmal die Aufmerksamkeit, das unaufhörliche Klicken der Fotoapparate, das den neuen Hoffnungsträger in der Abwehr von Bayern München derart zufrieden erscheinen lässt. Der Neuzugang von Manchester City ist beim deutschen Rekordmeister endlich dort angekommen, wo er sich bereits als Nachwuchsstar in der Bundesliga beim Hamburger SV gewähnt hatte: In der Innenverteidigung.

Zwei Jahre ist es her, da galt der jüngere der beiden Boateng-Brüder als der Prototyp des modernen Verteidigers. In zentraler Position beeindruckte der gebürtige Berliner bei der U21-EM in Schweden nicht nur Scouts, Trainer und Zuschauer, sondern führte die Elf von Horst Hrubesch mit Eleganz, Übersicht und Zweikampfhärte zum Titel. Kaum ein Kopfballduell verlor der 1, 92-Meter-Mann.

Zuletzt auf der Außenbahn

"Ich mag es einfach, zentral zu spielen. Da habe ich das Feld vor mir und den Ball oft am Fuß. Auch meiner Größe kommt die Position entgegen", sagte Boateng nach seinem ersten Training an der Säbener Straße. Sportdirektor Christian Nerlinger pflichtete bei: "Es war nicht schwer, Jerome zu überreden, da wir ihm erklärt haben, ihn auf seiner besten Position in der Innenverteidigung aufzustellen."

In den vergangen Jahren fristete der Hochgelobte sein Dasein am Rande der Viererkette. Beim HSV, später bei den neureichen Briten von Machester City und sogar in der deutschen Nationalmannschaft beackerte Boateng zumeist die rechte Außenbahn. Während der WM in Südafrika vertraute Bundestrainer Joachim Löw seinem talentierten Defensivallrounder sogar die vakante linke Stelle in der Viererkette an. Boateng nahm die ständigen Positionswechsel klaglos hin und verteidigte solide - immer in der Hoffnung, irgendwann zeigen zu dürfen, dass er zentral am besten aufgehoben ist.

Nur 16 Einsätze in der Premier League

"Eine feste Position zu haben ist natürlich auch für die Nationalmannschaft wichtig", sagte Boateng, dem Löw per SMS zu seinem Wechsel gratuliert hatte. Zum letzten Mal stand der Vater von Zwillingen Ende März im Spiel gegen Kasachstan (4:0) im Kader der DFB-Elf, zog sich allerdings beim Warmlaufen eine Knieverletzung zu. Nach der Meniskus-Operation war auch das Kapitel Manchester nach nur einem Jahr und 16 Einsätzen in der Premiere League beendet. "Sein Wechsel ist eine Win-Win-Situation. Wir haben die erhoffte Verstärkung, er kann innen spielen", sagte Nerlinger.

Der FC Bayern ist daher für Boateng ein Neuanfang. Als achter deutscher Nationalspieler läuft er in der kommenden Saison im Münchener Trikot auf. Am liebsten neben Nationalmannschaftskollege Holger Badstuber, mit dem er vor Torwart Manuel Neuer auch die Zukunft der Löw-Defensive sein könnte. Doch bis zum gemeinsamen Startelfdebüt des hoffnungsvollen Trios könnte es noch ein weiter Weg sein.

Van Buyten hat einen Vorsprung

Im ersten Training an der Säbener Straße ließ Coach Jupp Heynckes Boateng in der B-Mannschaft neben dem Ukrainer Anatoliy Tymoshchuk verteidigen. Die Kombination hatte noch sichtlich Abstimmungsschwierigkeiten und verlor im lockeren Trainingsspiel etliche Zweikämpfe gegen Mario Gomez, Thomas Müller und Arjen Robben. Bislang hat der belgische Routinier Daniel van Buyten noch einen Vorsprung im Kampf um den Stammplatz in der Innenverteidigung.

Die Hoffnungen der Bayern-Verantwortlichen, die löchrige Abwehr der vergangenen Saison vergessen zu lassen, ruhen dennoch auf dem 13-maligen Nationalspieler. Daher bemühten sie sich wochenlang um ihren Wunschverteidiger und ließen auch nicht locker, als Manchester City "Mondpreise" aufrief.

Letztlich griff der Bundesliga-Dritte der abgelaufenen Saison doch in die Tasche, um den 22 Jahre alten Boateng noch vor Beginn der anstehenden Champions-League-Qualifikationsspiele bis 2015 zu verpflichten. Da mit Rafinha ein Spezialist als rechter Verteidiger verpflichtet wurde und Kapitän Philipp Lahm endlich wieder auf seiner Top-Position links in der Viererkette spielen wird, muss Boateng vorerst nicht befürchten, wieder an den Rand versetzt zu werden.