München - Wohl jeder kennt das behagliche Gefühl der Heimat. Alles ist vertraut - die Sprache, die Umgebung, die Familie. Auf den ersten Blick scheint es erstaunlich, dass der Ukrainer Andriy Voronin von "Heimkehr" spricht, doch der Wechsel in die Bundesliga zu Fortuna Düsseldorf ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln - in vielerlei Hinsicht.

Als A-Jugendspieler kickte der heute 33-Jährige für Borussia Mönchengladbach und traf dort auf seinen ersten großen Förderer und heutigen Fortuna-Coach. "Norbert Meier hat mich als A-Jugendspieler zu den Profis geholt", erzählt Voronin. "Unter ihm durfte ich mein Bundesligadebüt feiern."

Voronin von Düsseldorf überzeugt



Die vergangenen zwei Jahre verbrachte Voronin bei Dynamo Moskau, dort war er sogar Kapitän. Doch richtig glücklich war er nicht. "Ich wollte unbedingt aus Russland weg, habe wegen Differenzen mit dem Trainer zuletzt nicht mehr gespielt", gibt er zu. Erst am vergangenen Sonntag trat der Bundesliga-Aufsteiger an den Ukrainer heran, 48 Stunden später reiste Voronin schon ins Trainingslager der Düsseldorfer. "Ich habe das Gefühl, dass Trainer und Verein genau wissen, was sie tun", sagt der Neuzugang.

Trotz der ereignisreichen letzten Tage bleibt der ehemalige ukrainische Nationalspieler, der zuletzt die EM für sein Heimatland bestritt, gelassen. In den nächsten Wochen sei genug Zeit, die neuen Kollegen kennenzulernen. Eingewöhnungszeit an die Bundesliga braucht der erfahrene Angreifer sowieso nicht mehr. Die Fortuna ist nach Köln, Leverkusen, Berlin und Gladbach bereits seine fünfte Station im deutschen "Oberhaus". In 145 Partien erzielte er 48 Treffer, vor allem sein letztes Engagement bei der Hertha blieb in Erinnerung.

In der Saison 2008/09 harmonierte er als Leihspieler im Angriff prächtig mit Marco Pantelic und führte die Hauptstädter mit elf Toren gar in Reichweite der Deutschen Meisterschaft. "Die Bundesliga", meint Voronin, "ist eine der besten Ligen der Welt und Fortuna spielt mit. Das ist doch ein toller Anreiz."

Klassenerhalt eine "Herausforderung



Die Verantwortlichen der Fortuna sind froh, einen zusätzlichen Offensivmann in den eigenen Reihen zu haben. Schon die gesamte Vorbereitung waren Sport Vorstand Wolf Werner und Trainer Meier auf der Suche nach einem gestandenen Knipser. "Wir freuen uns, dass wir mit Andriy Voronin einen Stürmer verpflichten konnten, der in seiner Karriere schon viele sportliche Erfolge gefeiert hat", sagt Werner.

Den Klassenhalt sieht der für ein Jahr ausgeliehene Voronin als "Herausforderung". Doch der Gedanke, endlich wieder zuhause spielen, ist für ihn die wohl größte Erfüllung: "Ich habe die geile Atmosphäre, die Fans und die vollen Stadien in der Bundesliga vermisst."

Sebastian Schramm