Hoffenheim - Ein Hauch der Erfolgssaison 2008 wehte durch Sinsheim, als Hoffenheim den SV Werder Bremen mit 4:1 vom Platz fegte. "Wir wollen wieder den Fußball zeigen, der 1899 zu einer Marke gemacht hat", hatte Trainer Ralf Rangnick vor dem Spiel angekündigt - bundesliga.de zeigt, ob das geklappt hat.

Zurück zu den alten Tugenden wollte Rangnick, also mit aggressivem Spiel gegen den Ball und schnellem Umschalten von Abwehr auf Angriff begeistern. Vergessen sind die Nebenkriegsschauplätze der vergangenen Spielzeit. "Nur zusammen können wir auf dem Platz bestehen", sagt Kapitän Andreas Beck.

3:0 in Cottbus, 4:1 gegen Bremen

Am 16. August 2008/09 bestritt die Hoffenheimer Mannschaft ihr erstes Bundesliga-Spiel und siegte gleich glanzvoll mit 3:0 in Cottbus. Dabei hatten die Startspieler der Kraichgauer zusammen gerade mal die Erfahrung aus 98 Bundesliga-Spielen. Sechs Spieler hatten vorher gar nicht in der Bundesliga gespielt - Torhüter Ramazan Özcan, Verteidiger Per Nilsson, die Mittelfeldspieler Tobias Weis, Carlos Eduardo und Luiz Gustavo sowie Stürmer Demba Ba. Sieben Profis aus der Startaufstellung spielten nun auch beim 4:1 gegen Bremen. Der einzige in der Startelf ohne Bundesliga-Erfahrung war Neuzugang Peniel Kokou Mlapa.

Entscheidend für den Erfolg gegen Werder war vor allem die Präzision der 1899-Profis. Beide Mannschaften gaben zehn Schüsse ab - Hoffenheims schoss sieben Mal direkt aufs Tor, Bremen nur zwei Mal. Im Gegensatz zum 1. Spieltag 2008/09 war die Chancenverwertung von 1899 gegen Bremen herausragend. Die Hälfte aller Möglichkeiten nutzten die Kraichgauer zum Torerfolg! 2008/09 gegen Cottbus waren es nur 20 Prozent gewesen, über die gesamte Saison sogar nur 19 Prozent.

Verblüffene Parallelen: Zweikämpfe, Ballbesitz, Fouls

Ein Vergleich mit dem Start der so erfolgreichen Saison 2008/09 zeigt aber auch verblüffende Parallelen auf. So traf in Cottbus nicht nur Vedad Ibisevic, sondern auch Debütant Demba Ba - wie Bundesliga-Neuling Mlapa im Spiel gegen Werder. 1899 hatte in Cottbus nur 47,8 Prozent Ballbesitz (im Werder-Spiel 47 Prozent) und verlor 55 Prozent seiner Zweikämpfe - ähnlich viele wie nun gegen Bremen (54 Prozent). In beiden verglichenen Auftaktspielen war es für Hoffenheim also nicht nötig, mehr Zweikämpfe gewinnen. Teilweise kamen die Gegner nicht in die Duelle oder verloren die entscheidenden.

Außerdem scheint in beiden Spielen die entschlossene Gangart ein Schlüssel zum Erfolg gewesen zu sein. Bei den Fouls lag Hoffenheim ausgerechnet bei den kampfstarken Cottbussern mit 34:23 vorn, gegen Bremen mit 24:16. In beiden Fällen war die Anzahl der Fouls auf Hoffenheimer Seite also um rund 20 Prozent höher. Diese aggressive Spielweise hatte Coach Rangnick ja auch angekündigt. Die Passgenauigkeit dagegen war ordentlich, aber weder in den beiden Auftaktspielen noch in der Hinrunde 2008/09 spitze. Das gilt auch für die in der gegnerischen Hälfte. Hier kamen gegen Bremen 71 Prozent aller Bälle an, in Cottbus 66 Prozent.

Mehr Angriffe über rechts

Ohne Carlos Eduardo hat sich allerdings die Spielanlage der Hoffenheimer verändert, falls das Spiel gegen Bremen ein Maßstab ist. 2008/09 in Cottbus liefen 45 Prozent aller Angriffe durch die Mitte. Gegen Bremen dagegen spielte Hoffenheim in 45 Prozent aller Fälle über rechts nach vorne, in 32 Prozent über links - bleiben nur noch 23 Prozent für Angriffe durch die Mitte. Ein Tor wurde über die Flügel allerdings nicht direkt vorbereitet, lediglich das 1:1 fiel nach einem Angriff über rechts.

Die aktuelle Hoffenheimer Mannschaft ist also erfahrener als die von 2008, spielte am 1. Spieltag mehr über die Flügel und nutzte mehr Chancen. Gleich geblieben ist die Effizienz: 1899 benötigte keine hohen Quoten beim Ballbesitz, gewann die entscheidenden Zweikämpfe und setzte den Gegner aggressiv unter Druck. Gute Voraussetzungen für eine ähnlich erfolgreiche Vorrunde wie 2008. Es scheint, als ginge es für Hoffenheim zurück in die Zukunft.

Peter Seiffert