Franz Beckenbauer ist ein fußballerischer Schöngeist und insofern sind seine Aussagen zur Spielanlage des FC Bayern immer ein ganz guter Seismograph für die aktuelle Lage.

Zu Beginn der Saison grantelte der Bayern-Präsident noch oft, nun findet auch er langsam Gefallen am Spiel der Münchner.

"Die Mannschaft zeigt jetzt ein anderes Gesicht. Klinsmanns Handschrift ist langsam sichtbar", lobte Beckenbauer nach dem eindrucksvollen 3:0 der Bayern gegen Steaua Bukarest in der Champions League.

Vorzeitig im Achtelfinale

In der Tat hatten die Münchner einiges zu bieten am Dienstagabend. Flüssige Kombinationen, Ideen, Tempo, Spielwitz - Bukarest war letztlich überfordert und mit nur drei Gegentoren gut bedient. Der Lohn für den FC Bayern: der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale der "Königsklasse" und damit die endgültige Rückkehr in Europas Elite nach einjähriger Champions-League-Abstinenz.

"Die Automatismen greifen immer mehr. Ich freue mich riesig, dass wir vorzeitig das Achtelfinale erreicht haben. Vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, war imponierend. Es macht Spaß, ihr zuzusehen. Mit so einer Leistung kann man die kommenden Aufgaben mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen angehen", sagte Trainer Jürgen Klinsmann.

Mindestens 1:1 in Lyon vonnöten

"Die ganze Mannschaft hat sich so langsam gefunden", bestätigte Philipp Lahm im Interview mit bundesliga.de. Und auch Uli Hoeneß war zufrieden. "Die Mannschaft wächst langsam zusammen, der Rhythmus ist da, das Selbstvertrauen kommt zurück", sagte der Manager und forderte: "Jetzt müssen wir unbedingt schauen, dass wir Gruppenerster werden, damit wir zunächst ein Auswärtsspiel haben und dann vielleicht einen nicht so starken Gruppenzweiten bekommen."

Am 10. Dezember fliegen die Bayern zum Endspiel um den Gruppensieg zu Olympique Lyon und müssen dort aufgrund des direkten Vergleichs mindestens 1:1 spielen, um vor den punktgleichen Franzosen ins Achtelfinale einzuziehen.

"Warum sollen wir vor anderen Angst haben?"

Klinsmann sieht die Münchner jedenfalls wieder auf Augenhöhe mit Europas Top-Teams. Jetzt wolle man sich mit den Besten in Europa messen, "und ich bin eigentlich guter Dinge, dass wir mit denen gut mithalten können", befand der Coach.

Man habe sich in "der zweitschwersten Champions-League-Gruppe absolut souverän präsentiert". Daraus zieht Klinsmann Selbstvertrauen. "Warum sollen wir vor anderen Mannschaften Angst haben?", fragte er in die Journalistenrunde, "wir trauen uns sehr viel zu. Wir wollen auf allen drei Hochzeiten weiter fleißig tanzen."

Kampfansage an Leverkusen und Hoffenheim

Im Pokal und in der Champions League werden die Bayern überwintern, das steht bereits fest. Und auch für die Bundesliga ist das nächste Ziel längst definiert: Man will sich als Tabellenführer in die Weihnachtsfeiertage verabschieden.

"Wir wollen langsam dahin, wo wir hingehören - auf Platz 1 der Bundesliga", sagte Klinsmann selbstbewusst. Die beiden kommenden Spieltage werden zeigen, ob die Bayern sich auch diesen letzten Wunsch für dieses Jahr erfüllen können. Die Gegner heißen Leverkusen und Hoffenheim. Beide Teams stehen in der Tabelle vor den Münchnern.

Michael Gerhäußer