München - In Jena Fußball zu spielen, ist für Nils Petersen nichts Besonderes. Aber wenn der 22-Jährige am Donnerstag in Thüringen ankommt, wird alles anders sein. Erstmals wird die Sturmhoffnung den Rasen des Ernst-Abbe-Sportfelds im Trikot von Bayern München betreten.

Im Testspiel gegen seinen früheren Verein Carl Zeiss Jena will er sich beim Rekordmeister für einen Stammplatz empfehlen. Ein herzlicher Empfang im "Paradies", wie das Areal um das Stadion genannt wird, ist Petersen dabei sicher.

"Nils hat riesige Fähigkeiten"

"Für mich war es schon vergangene Saison ein besonderes Erlebnis, mit dem FC Energie Cottbus nach Jena zurückzukehren. Nun freue ich mich darauf, mit dem FC Bayern in mein zweites Zuhause zu kommen und Freunde zu treffen", sagte Petersen der "Ostthüringer Zeitung".

Zwischen 2005 und 2008 ging Petersen für Jena auf Torejagd. Sein außergewöhnlicher Riecher vor dem Gehäuse war schon damals sein Markenzeichen. Der Weg führte unausweichlich steil bergauf. Erst zu Zweitligist Cottbus, jetzt zu den Bayern. Und schon nach zwei Wochen schwärmt Trainer Jupp Heynckes vom Torschützenkönig der letzten Zweitligasaison (25 Treffer).

"Ich kann eins versichern: In zwei Jahren ist er - ich möchte jetzt nicht sagen das Zehnfache-, aber mit Sicherheit ein Vielfaches wert", sagte Heynckes der "Sport Bild": "Nils hat riesige Fähigkeiten vor dem Tor. Wenn wir Chancen herausspielen, wird das noch ein ganz wertvoller Spieler für uns. Ich muss ehrlich sagen: Ich hätte gern mit Miro Klose weitergemacht. Aber Petersen ist ein echter Knipser."

Rotation ist Petersens Chance

Trotz des Lobliedes auf seine Fähigkeiten bleibt der Ex-Cottbuser bescheiden. Er wolle keine Ansprüche stellen, müsse sich hinter Mario Gomez und Ivica Olic einreihen. Doch schon im Trainingslager in Italien traf er gegen eine Regionalauswahl und das Nationalteam Katars insgesamt vier Mal. "Diese Tore sind kein Zufall, er hat sich hervorragend integriert", sagte Heynckes.

Petersen will in der Bayern-Offensive zur ernsthaften Alternative werden. Das scheint schon jetzt gelungen. Bei allein 34 möglichen Pflichtspielen bis zur Winterpause wird Gomez, der bisher als einzige Spitze vorgesehen ist, sicher nicht immer von Anfang an zum Einsatz kommen. Heynckes muss rotieren - das ist Petersens Chance.

Mit Jena weiterhin verbunden

Die steile Karriere des gebürtigen Werningeroders freut auch die Jenaer. Trainer Heiko Weber lotste den Stürmer 2005 ans Sportgymnasium, an dem Petersen zwei Jahre später das Abitur ablegte. Schon als A-Junior trainierte er mit den Profis, feierte mit 18 Jahren sein Zweitligadebüt und schaffte es 2008 mit Carl Zeiss ins DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Dortmund (0:3). "Unvergessliche Erlebnisse", sagt Petersen.

Im Trikot mit der Rückennummer 9 wird er am Donnerstag (18 Uhr) den Platz betreten. Der Applaus der 12.641 Fans ist Petersen dabei gewiss, denn seine Wurzeln hat er nie vergessen. Auch nach seinem Weggang litt der 22-Jährige bei den Drittliga-Begegnungen von Carl Zeiss regelmäßig auf der Tribüne mit. Wenn es die Zeit zulässt, soll das auch weiterhin so bleiben.