München - Für ihn war es offenbar nur eine Randnotiz, doch die wartenden Journalisten bombardierten Thomas Müller mit der immer gleichen Frage. Wie erleichtert er sei, dass die Torflaute ein Ende habe, wie er sich fühle, jetzt, wo der Knoten doch endlich geplatzt sei?

Thomas Müller runzelte kurz die Stirn, setzte dann aber sein Lausbubenlachen auf, blickte schelmisch in die Kameras und sprach in die Mikrophone. "Es ist vielleicht nicht so gut für Euch, dass ihr nicht mehr die Minuten zählen könnt. Mich hatte das mit dem Toreschießen nicht so beschäftigt. Sonst müsste ich mich ja eingraben, weil ich in 21 Spielen nur drei Tore geschossen habe."

Hermann Gerlands Kopfballpendel

Seit knapp fünf Monaten war Müller, wohl gemerkt der WM-Torschützenkönig 2010, auf dem Trockenen - genau gesagt 1.163 Minuten. Eine halbe Stunde musste er auch beim Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern darauf warten, ehe er das vermisste Gefühl mal wieder auskosten durfte. Nach schöner Freistoßflanke von Toni Kroos stieg Müller in die Luft und wuchtete das Spielgerät per Kopf in die Maschen. Beim 2:0-Pokalsieg in Stuttgart hatte er auf dem rechten Flügel noch als Vorbereiter geglänzt,

"So hoch bin ich noch selten gestiegen. Da hat Hermann Gerlands Kopfballpendel doch etwas gebracht", schmunzelte der 22-Jährige über seine "unverhoffte" Sprungkraft. Abseits dieser Szene tat Müller das, was er in der gesamten Spielzeit tat: Er rackerte unermüdlich, war sich für keinen Laufweg zu schade und biss sogar auf die Zähne, als ihn Richard Sukuta-Pasu bei einem Zweikampf am Knöchel erwischte und er sich humpelnd in die Halbzeitpause schleppte.

"Haben unseren Aufwärtstrend bestätigt"

Jupp Heynckes zeigte sich indes nicht nur mit seinem Musterschüler zufrieden - der Auftritt insgesamt genügte seinen Erwartungen. "Wir haben unseren Aufwärtstrend bestätigt", kommentierte er seinen 100. Bundesliga-Sieg als Bayern-Trainer. Mario Gomez hatte bereits in der 6. Minute mit seinem 18. Saisontreffer dafür gesorgt, dass der Rekordmeister seinen Stiefel gekonnt herunterspielte, ohne dass sich die Pfälzer in irgendeiner Art als Spielverderber erwiesen.

"Wir sind top motiviert rausgegangen, haben sehr aggressiv begonnen und gut gearbeitet", analysierte . "Wir haben Lautern nicht ins Spiel kommen lassen, so dass sie nur lange Bälle spielen konnten." Dass die Bayern in der zweiten Hälfte nicht mehr nachlegen konnten, ficht den Nationalspieler nicht an. "Wenn man 2:0 führt, dann kann man es ruhig runterspielen. Das haben wir getan."

Robben mit großem Elan ins Spiel

Auch Karl-Heinz Rummenigge hakte den Arbeitstag des FC Bayern als zufriedenstellend ab. "Wir haben eine gute Woche erlebt, zwei Mal 2:0 gewonnen. Es war wichtig, dass wir nach dem etwas holprigen Start in der Bundesliga jetzt in eine stabilere Phase gekommen sind", freute sich der Bayern-Vorstandsvorsitzende.

Zum Wohlergehen der Münchner Startruppe gehörte auch, dass es trotz des erneuten Reservistendaseins von Arjen Robben keinerlei Dissonanzen gab - im Gegenteil. Der Niederländer, der schon in Stuttgart auf der Ersatzbank saß, präsentierte sich nach seiner Einwechslung wild entschlossen und scheiterte einige Mal nur knapp am 3:0. "Es wird Arjen nicht gefallen, wenn er auf der Bank sitzt", kommentierte Rummenigge die Situation des Sturmstars: "Aber er geht professionell damit um. Er ist reingekommen und hat gewirbelt. Ich hätte ihm ein Tor gewünscht."

Den Torjubel hatte Müller seinem Teamkameraden an diesem eiskalten Nachmittag voraus - und auch das Ende der medialen "Häme". "Wieviele Minuten ich nicht getroffen hatte, konnte ich ja immer in den Zeitungen lesen und musste nicht selbst rechnen. Jetzt können wir mit dem Minutenzählen wieder von vorne anfangen."

Aus der Allianz Arena berichtet Johannes Fischer