Gelsenkirchen - Die Hoffnung stirbt zuletzt – auch auf Schalke. Nach der Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen fordert Horst Heldt von der Mannschaft jetzt eine Siegesserie, um doch noch die erneute Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Doch spätestens nach diesem Spiel müssen Zweifel erlaubt sein, ob der FC Schalke 04 dafür den nötigen Biss hat.

Horst Heldt zögerte, suchte erkennbar nach den richtigen Worten. Ob er denn auch den Eindruck gehabt habe, dass Gegner Leverkusen irgendwie frischer und spritziger gewirkt hätte, und das trotz der anstrengenden 120 Minuten nur vier Tage zuvor in Madrid, wurde der Sportvorstand nach der 0:1-Niederlage seiner Schalker gefragt.

"Nicht auf der Höhe"

Die Antwort fiel schließlich ehrlich aus: "Die Leverkusener waren sehr frisch. Nicht mal unbedingt körperlich, aber sie hatten die Leichtigkeit im Kopf, die Konzentration. Da wirkten sie gefestigter als wir. Sie waren auf der Höhe, wenn sie auf der Höhe sein mussten. Und wir nicht." Heldt bezog das vor allem auf zwei Szenen der Partie, als Schalke schon früh in der Partie zunächst durch Huntelaar eine gute Chancen zur Führung vergeben und später durch Bellarabi ein vermeidbares Gegentor kassiert hatte. "Da haben wir einfach ganz schlecht verteidigt", monierte der Manager.

Doch letztlich waren die Königsblauen auch über 90 Minuten nicht immer auf der Höhe mit ihrem Gegner in einer Partie, die mit Blick auf die Tabellensituation nicht nur Roberto Di Matteo zum Sechs-Punkte-Spiel auserkoren hatte. Und die aufgezeigt hat, woran es Schalke im Vergleich mit der direkten Konkurrenz mangelt. Die fußballerische und spielerische Reife ist dabei nur ein Aspekt. "Wir haben zu viele Fehler gemacht im Spielaufbau. Wenn wir aus dem Leverkusener Pressing herausgekommen sind, haben wir die falschen Entscheidungen getroffen", kritisierte Schalkes Trainer.

Mentale Stärke vermisst

Aber auch, was Leverkusen an mentaler Stärke und Frische auf den Platz brachte, fehlte den Gastgebern – und machte letztlich den Unterschied aus. Bayer wirkte nur vier Tage nach dem  bitteren Aus in der Champions Legaue insgesamt einen Tick wacher und präsenter als die Schalker, war aggressiver in den Zweikämpfen, strahlte mehr Willensstärke aus und hatte genau jenen Biss, den es für einen Erfolg in solchen Spielen braucht. Zumindest Marco Höger wollte dann auch nicht um diese Problematik herumreden: "Wir hatten uns mehr vorgenommen. Wir sind mit ganz anderen Ambitionen ins Spiel gegangen. Vielleicht hat uns der letzte Biss gefehlt."

Der Achtungserfolg bei Real Madrid scheint die Ausnahme zu bleiben, denn auch schon im prestigeträchtigen Derby in Dortmund hatte sich Schalke mit zu wenig Leidenschaft, Willen und Biss präsentiert. Eine Tatsache, die höheren Zielen in dieser Saison offenbar im Wege steht. Den Anschluss an die oberen Ränge jedenfalls hat S04 mit der erneuten Niederlage erst einmal verpasst. Sechs Punkte Rückstand auf Bayer sind bereits ein deutlicher Abstand. Zumal Schalke an den letzten acht Spieltagen dieser Saison noch fünf Mal auswärts antreten muss – und da wartet man in diesem Jahr noch auf den ersten Sieg.

Königsklasse noch nicht abgeschenkt

Angesichts dieser Gemengelage klingt es fast schon trotzig, was Horst Heldt formulierte. Er sei "weit davon entfernt, unsere Ziele aus den Augen zu verlieren", erklärte der Sportvorstand nach der Partie entschlossen. "Wir müssen jetzt halt auch mal eine Serie starten, das ist möglich. Wir lassen uns jedenfalls noch nicht abschreiben." Auch die Mannschaft hat die Königsklasse noch nicht abgeschenkt, stellte Christian Fuchs ausdrücklich klar: "Wir wollen uns nach wie vor für die Champions League qualifizieren."

Bei Roberto Di Matteo klingen da schon mehr Zweifel durch. Natürlich möchte sich auch der Trainer liebend gern auch in der nächsten Spielzeit wieder mit den Besten Europas messen. Aber er ist eben auch Realist. Und für einen solchen fällt die Vorgabe für den Endspurt in der Bundesliga unter dem Eindruck des Leverkusen-Spiels nicht mehr ganz so überschwänglich aus: "So lange es theoretisch noch möglich ist, müssen wir daran glauben, dass wir uns noch qualifizieren können."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte