Wolfsburg - Der VfL Wolfsburg hat mit einem Heimsieg gegen den kommenden DFB-Pokalfinalgegner Borussia Dortmund seine Ambitionen auf die Vizemeisterschaft untermauert. Durch den 20. Saisonsieg bauten die Wölfe zudem ihre famose Heimbilanz aus.

In der gesamten Saison haben die Wolfsburger damit keine Heimniederlage kassiert. Die Niedersachsen wollen den zweiten Platz verteidigen und die erste Vizemeisterschaft der Vereinsgeschichte perfekt machen.

Daheim besser als Bayern

Wenn es nach der Heimbilanz ginge, wäre der VfL Wolfsburg schon meisterlich. Seit 22 Heimspielen sind die Wölfe im eigenen Stadion ungeschlagen (16 Siege und sechs Unentschieden). Selbst der Deutsche Meister aus München kann da nicht mithalten. Insgesamt kommen die Wolfsburger auf 43 Punkte in der Volkswagen-Arena. Die Bayern können im letzten Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz aber noch punktemäßig gleichziehen (40). "Wir wollten zuhause ungeschlagen bleiben, das ist uns gelungen," war Dieter Hecking schon etwas stolz auf seine Mannschaft.

An die unglaubliche Meistersaison kommen die Wölfe anno 2015 jedoch nicht heran. 2008/2009 war die Heimbilanz bei 16 Siegen und nur einem Remis fast makelos. An die letzte Niederlage vor heimischen Publikum können sich viele Fans wahrscheinlich schon gar nicht mehr erinnern. Am 24. Spieltag der Vorsaison unterlagen die Wölfe mit 1:6! Gegen wen? Klar, gegen den FC Bayern.

Die Wölfe haben Blut geleckt

Der VfL Wolfsburg scheint sich nach dieser Saison als erster ernsthafter Bayern-Jäger aufzuschwingen. So weit wollen Sportchef Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking zwar noch nicht gehen, aber durch die Verpflichtung von Nationalspieler Andre Schürrle setzte der VfL in der Wintertransferperiode ein deutliches Ausrufezeichen an die Konkurrenz. Der VfL will mehr und wird sich mit der bevorstehenden Vizemeisterschaft nicht zufrieden geben.

Gleichzeitig wird es besonders für Klaus Allofs schwer die Begehrlichkeiten andere Clubs an Spielern des VfL zu unterbinden. Im Fokus steht da ganz besonders Kevin de Bruyne. Mit seinem 21. Assist stellte er gegen Dortmund einen neuen Bundesliga-Rekord auf seit Beginn der detaillierten Datenerfassung.

VfL zeigt sein Potenzial - Generalprobe erfolgreich

Mit den finanziellen Möglichkeiten, die der VfL zur Verfügung hat, sollte das Ziel sein, sich als neue Nummer zwei hinter dem Branchenprimus Bayern München zu etablieren. In der kommenden Saison dürfen sich die Niedersachsen auch international in der Champions League mit den Besten messen. Auch der Einzug ins DFB-Pokalfinale ist ein weiterer Schritt des VfL zu einer großen Popularität. Das ist genau, das was die Macher des VfL wollen, das Image des Werksclubs abstreifen und vor allem durch guten Fußball beeindrucken. Seit dem Sportchef Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking in der Autostadt das Sagen haben, geht es ständig bergauf.

Gegen den BVB zeigte der VfL von Beginn an, dass sie unbedingt den Heimnimbus bewahren wollten. Bereits nach 41 Sekunden lagen die Wölfe in Führung. Daniel Caligiuri eroberte direkt nach dem Anpfiff den Ball, spielte auf den Flügel, wo Kevin de Bruyne zum Sprint ansetzte und den mitgelaufenen Caligiuri perfekt bediente. Eine Blaupause der Saison. Offensiv hat der VfL Wolfsburg großes Potenzial. "Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht", lobte Trainer Hecking, der aber auch noch Schwächen seiner Mannschaft gesehen hatte.

"Nach unserem Tor haben wir uns zu weit zurückfallen lassen und dann hat man gesehen, welche Qualität der BVB hat." Rückschlüsse auf das bevorstehende Duell der beiden Teams im DFB-Pokalendspiel in zwei Wochen in Berlin gab es für Hecking jedoch nicht. "Das wird ein ganz anderes Spiel." Ganz vergessen wollte der VfL-Trainer die letzte Bundesliga-Partie jedoch noch nicht: "Insgesamt ist es sensationell, wie meine Mannschaft 90 Minuten marschiert ist. Darauf kann sie sehr stolz sein, und das muss sie auch noch einmal in Köln zeigen. Jetzt wollen wir auch Zweiter bleiben."

Aus Wolfsburg berichtet Alexander Barklage