Bremen – Mit dem 2:0 gegen den VfB Stuttgart gelingt Werder Bremen endlich der erste Heimsieg in dieser Saison. Es war gleichzeitig der zweite Erfolg in Serie unter dem neuen Trainer Viktor Skripnik.

Maßgeblichen Anteil am Aufschwung an der Weser hat aber auch Zlatko Junuzovic, der als Takt- und Ideengeber bei Werder Bremen nicht zu ersetzen ist. Der Österreicher verpasste in dieser Saison in der Bundesliga noch keine Minute. Gegen Stuttgart trat er zudem beide Eckbälle, die zu den Toren führten. Mit fünf Assists ist er nach Wolfsburgs Kevin de Bruyne der zweitbeste Vorlagengeber der Liga. Im Interview spricht Junuzovic über das neue Werder.

Frage: Herr Junuzovic, Werder gelingt gegen den VfB Stuttgart der erste Heimsieg seit Mai dieses Jahres. Was ist das für ein Gefühl?

Zlatko Junuzovic: Die Stimmung am Schluss war einfach nur Gänsehaut pur. Und der Sieg am Ende eine reine Willenssache.

"Im Training ist die einstudierte Eckenvariante in die Hose gegangen."

Frage: Werder traf erstmals in dieser Saison nach einer Ecke. Und dann gleich doppelt. Beide Standards haben Sie getreten. Waren die Ecken einstudiert?

Junuzovic: Das erste Tor war eine Sache zwischen Sebastian (Prödl, Anm. d. Red.) und mir. Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass er heute ein Tor macht. Da meinte er, dass er es machen würde, wenn der Ball auch kommt. Er hat sein Wort gehalten. Die zweite Ecke war mit der Mannschaft einstudiert. Im Training ist das aber in die Hose gegangenen. Im Spiel musste es dann funktionieren.

Frage: Und erstmals blieb Bremen in dieser Saison auch ohne Gegentor. Was war der Schlüssel dazu?

Junuzovic: Es reißt sich einfach jeder für den Erfolg den Arsch auf. Wir rennen alle nach hinten und nach vorne. Wir treten als Mannschaft auf. Sicherlich standen wir phasenweise auch ein wenig zu tief in der Defensive, aber auch das wird sich mit der Zeit ändern.

Frage: Was lief zu Saisonbeginn schief?

Junuzovic: Wir haben die ersten Spieltage einfach verschlafen und haben Punkte verschenkt. Dabei waren wir fit und eigentlich auf dem gleichen Niveau wie jetzt. Aber wir waren verunsichert und sind in ein Loch gefallen. Und dann kam auch noch ein wenig Pech dazu.

"Wir haben spielerisch nicht viel verändert."

Frage: Mit Trainer Viktor Skripnik ist der Erfolg zurück. Was machen er und seine Assistenten anders als Vorgänger Robin Dutt?

Junuzovic: Viel haben sie spielerisch nicht verändern können. Aber das Trainerteam besteht aus Werder-Legenden, die es geschafft haben, uns das Werder-Gen wieder einzupflanzen. Sie haben uns klar gemacht, was Werder ist, und dass wir keine Angst haben und uns was zutrauen müssen. Wir haben es jetzt im Kopf und deshalb geht es wieder vorwärts.

Frage: War der Sieg gegen den VfB die Wende zum Guten?

Junuzovic: Wir stecken immer noch unten drin. Es waren jetzt zwei wichtige Schritte nach vorne, aber mehr auch nicht. Es kommen jetzt weitere Spiele, in denen wir genauso auftreten und Punkten müssen, wie gegen Stuttgart.

Aus Bremen berichtet Michael Reis