Köln - Der SV Werder Bremen hat am Samstag die große Chance, die rote Laterne in der Bundesliga abzugeben. Mit einem Sieg gegen den VfB Stuttgart würden die Hanseaten mindestens an den Schwaben vorbeiziehen.

Nach dem gelungenen Start unter dem neuen Trainer Victor Skripnik mit zwei Siegen in Pokal und Meisterschaft wollen die Bremer ihre Serie unbedingt ausbauen, wie Werders Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic im Gespräch mit bundesliga.de betont.

bundesliga.de: Zlatko Junuzovic, wie sehr hat sich die Stimmung in Bremen nach den beiden Siegen in der letzten Woche verbessert?

Zlatko Junuzovic: Sie ist natürlich etwas besser. Aber es waren nur die ersten Schritte in die richtige Richtung. Wir müssen schauen, dass wir jetzt dranbleiben und das nächste Spiel mit der gleichen Konsequenz und Konzentration angehen.

bundesliga.de: In der Tabelle hat die Mannschaft noch keinen Platz gut gemacht und ist immer noch Letzter. Wie kompliziert ist die Situation?

Junuzovic: Wir haben den Anschluss gehalten, obwohl auch die anderen Vereine gepunktet haben. Deshalb waren die drei Punkte lebensnotwendig. Sonst wären wir schon um einiges abgeschlagen gewesen. Und jetzt kommen die Spiele, in denen wir gegen direkte Konkurrenten punkten müssen. Wir müssen diese positive Stimmung mitnehmen und weiter arbeiten.

"Stuttgart ist nicht irgendwer"

bundesliga.de: Sie haben die nächsten Spiele angesprochen, die so ein bisschen die Wochen der Wahrheit werden. VfB Stuttgart, Hamburger SV, SC Paderborn 07 und Eintracht Frankfurt heißen die Gegner, mit denen sich Werder auf Augenhöhe sieht. Wie entscheidend werden diese Spiele?

Junuzovic: Gegen die direkten Konkurrenten müssen wir wie gesagt punkten. Gegen Stuttgart müssen wir auf Sieg spielen. Nach den beiden Spielen, die positiv verlaufen sind, müssen wir den Schwung mitnehmen. Aber das wird kein Selbstläufer und auch nicht von alleine gehen. Das wissen wir auch. Wir bereiten uns nun genauso vor wie auf das Mainz-Spiel. Stuttgart ist nicht Irgendwer. Sie haben in den letzten Spielen auch bewiesen, dass sie sehr gut mithalten und viele Chancen herausspielen können. Diese konnte der VfB zuletzt nicht nutzen und hat dann selbst die Tore kassiert. Wir wissen selbst wie schnell das geht. Sie haben einen ähnlichen Lauf wie wir, das wird eine ausgeglichene Partie am Samstag.


bundesliga.de: Wie haben Sie den neuen Trainer Victor Skripnik bislang erlebt? Was hat er in den paar Tagen geändert?

Junuzovic: Viel ändern konnte er in der kurzen Zeit nicht. Es wird sich erst in den nächsten Wochen herauskristallisieren, was er ändern und wie sein Weg genau aussehen wird. Er hat uns auf jeden Fall viel Selbstvertrauen eingepflanzt und uns viele positive Sachen mitgegeben. So sind wir dann auch aufgetreten. Er hat uns aufgefordert, mutiger zu werden und keine Angst zu haben. Das hat er jedes Mal bei seinen Ansprachen erwähnt. Wir haben versucht, es umzusetzen. Noch läuft es nicht so wie gewünscht. Es sind die ersten Schritte. Ich hoffe, dass bei uns jeder den Ernst der Lage erkannt hat und dass noch lange nicht alles gut ist, wenn man einmal gewonnen hat. Wir müssen uns auf Stuttgart konzentrieren und wieder so eine Leistung abliefern wie in der zweiten Halbzeit in Mainz.

"Müssen gegen Clubs auf Augenhöhe punkten"

bundesliga.de: Der Saisonstart von Werder war mit drei Unentschieden in den ersten drei Spielen nicht so schlecht. Allerdings hat die Mannschaft in Leverkusen am 3. Spieltag auch sehr glücklich ein 3:3-Unentschieden geholt. Danach folgten fünf Niederlagen in sechs Partien. Hat dieses Remis die Schwächen Werders übertüncht und die Mannschaft in Sicherheit gewogen, dass es in dieser Saison nicht so ernst werden würde?

Junuzovic: Beschönigt haben wir das nie. Dass in der Bundesliga alles eng zugeht, ist auch klar. Wir haben auch immer gesagt, dass es in diese Richtung laufen kann. Wir wussten beim Anblick des Startprogramms schon, dass wir in den Regionen landen könnten. Das war uns bewusst. Wichtig ist, nun aus dieser Notsituation herauszukommen und die kommenden Spiele, in denen wir auf Gegner auf Augenhöhe treffen, dazu zu nutzen, um zu punkten. Alles was war, ist uns egal. Fakt ist, dass wir Letzter sind und sieben Punkte haben. Am Samstag haben wir die Chance auf zehn Punkte zu erhöhen. Das wollen wir unbedingt schaffen.

bundesliga.de: Mit einem Sieg würde Werder an Stuttgart vorbeiziehen. Am Samstag treffen die beiden schlechtesten Abwehrreihen der Bundesliga aufeinander. Ist dann wieder mit einem Tag der offenen Tür zu rechnen oder wird Werder die Aufgabe eher aus einer defensiven Ordnung angehen?

Junuzovic: Ich glaube, dass beide Mannschaften versuchen werden, die Kompaktheit ins Spiel zu bringen. Die Stuttgarter werden vermutlich schauen, dass sie erst einmal gut stehen, uns das Spiel überlassen und auf Konter setzen. Stuttgart wird eher reagieren. Insofern erwarte ich ein Spiel, in dem wir diszipliniert spielen müssen und nicht zu früh aufmachen dürfen.

bundesliga.de: Wie sieht der Schlüssel zum Sieg aus?

Junuzovic: Wir dürfen nicht von Anfang an zu viel wollen. Wir müssen die Aufgabe konzentriert angehen, weil Stuttgart seine Stärken in der Offensive hat. Das hat man gegen Wolfsburg gesehen. Da hatten sie vier, fünf Chancen, das Spiel hätte auch locker 4:6 ausgehen können. Wir müssen hellwach sein, uns auf unsere Defensive konzentrieren und auch frech nach vorne spielen und die Räume nutzen. Wenn wir gegen Stuttgart gewinnen, wird es auch wieder etwas ruhiger. Das ist unser Ziel.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski