Bremen - Minuten lang applaudierten die Fans im Bremen Weserstadion vor der Partie als im Stadion noch einmal die Vertragsverlängerung von Zlatko Junuzovic verkündet wurde.

Der Österreicher bleibt den Bremern bis 2018 erhalten und zeigte beim 3:2 von Werder gegen den FC Augsburg (Spielbericht) eindrucksvoll wie stark er momentan ist. bundesliga.de sprach mit dem kleinen Mittelfeldstrategen nach der Partie.

Bundesliga.de: Herr Junuzovic, Sie haben am Freitag ihren Vertrag bis Juni 2018 verlängert. Als i-Tüpfelchen heute der fünfte Werder-Sieg in Folge. Es scheint ihre Woche gewesen zu sein?

Zlatko Junuzovic: Es war nicht nur meine Woche, sondern vor allem eine tolle Woche für die Mannschaft. Wir wollten unbedingt diesen fünften Sieg in Folge einfahren und haben uns den Dreier nicht nur erarbeitet sondern auch erspielt. Wir waren die klar bessere Mannschaft.

"Wir hätten höher gewinnen müssen"

Bundesliga.de: Das 3:2 sieht nicht nach einer klaren Angelegenheit aus, aber eigentlich hätte Werder das Spiel schon früher entscheiden müssen, oder?

Junuzovic: Ja, wir hatten höher gewinnen müssen. In den letzten zehn Minuten haben wir es uns dann selbst schwer gemacht nach dem wir den Anschlusstreffer zugelassen haben. Eigentlich mussten wir heute 5:1 oder 6:1 gewinnen.

Bundesliga.de: Nach der Niederlage von Bayer Leverkusen sind es nur drei Punkte bis Platz sechs, der für die Europa League-Qualifikation berechtigen würde. Muss Werder so langsam seine Saisonziele korrigieren?

Junuzovic: Nein, nein, daran wollen wir gar nicht denken. Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt, den wir jetzt frühzeitig sichern wollen. Wir haben uns jetzt eine super Ausgangsposition erarbeitet, aber haben jetzt brutal schwere Partien vor uns (auf Schalke, zuhause gegen Wolfsburg, Anm. der Redaktion). Wir wollen diesen Schwung der letzten Siege mitnehmen, wissen aber auch, das es Rückschläge geben wird. Vielleicht werden wir auch wieder schlechter spielen, aber das gehört zu einer Weiterentwicklung dazu.

"Momentan ist es phänomenal"

Bundesliga.de: Kurz vor der Partie wurde Ihre Vertragsverlängerung im Stadion frenetisch gefeiert. Waren Sie heute noch mal ein wenig extra motiviert als sonst?

Junuzovic: Nein, eigentlich nicht. Aber es war schon extrem schön die vergangenen Tage das viele positive Feedback der Fans zu bekommen. Das hat natürlich auch zu meiner Entscheidung pro Werder beigetragen. Ich muss mich in einer Mannschaft wohlfühlen, deshalb habe ich mich dazu entschieden zu verlängern. Als ich aus Wien zu Werder gewechselt bin vor eineinhalb Jahren war es  für mich sehr schwer mich einzuleben. Ich mag Veränderungen nicht gerne. Jetzt macht es mit dieser jungen Mannschaft einfach Spaß. Wir haben einen guten Mix aus Alt und Jung. Momentan ist es natürlich phänomenal, man sieht richtig wie sich der eine für den anderen zerreißt. Natürlich hat der positive Lauf der letzten Wochen auch meine Entscheidung beeinflusst, auch wenn ich weiß, dass es nicht immer so weitergehen wird. Diese Unterstützung der Fans hinter sich zu haben, ist sehr viel wert.

Bundesliga.de: Ist Ihre Vertragsverlängerung auch darauf zurück zu führen, dass es momentan so gut läuft und Werder mittelfristig auch andere Ziele als den Klassenerhalt anstreben kann?

Junuzovic: Meine Entscheidung wäre auch so ausgefallen, wenn wir jetzt nicht fünf Spiele in Folge gewonnen hätten. Fakt ist, wir sind im Abstiegskampf und müssen uns noch einigen schweren Prüfungen stellen. In der Bundesliga ist es ein ständiger Kampf und man steht immer unter Druck, aber du musst dich wohlfühlen. Fußball soll Spaß machen und den habe ich momentan.

"Dürfen nicht überheblich werden"

Bundesliga.de: Noch vor fünf Spieltagen war Werder Tabellenletzter. Jetzt steht Bremen auf Platz acht. Man sieht der Mannschaft an, dass sie Spaß am Spiel hat. Wie ist es zu dieser positiven Entwicklung gekommen?

Junuzovic: Wenn du einen Lauf hast, kommt der Spaß von ganz alleine. Dir gelingen auf einmal Dinge, die sonst nicht klappen. Dann kommen die Fans dazu. Es ist ein tolles Miteinander. Wenn man unsere Körpersprache vergleicht im Gegensatz zur Hinrunde ist das wie Tag und Nacht. Wir müssen das aber richtig einordnen, ein, zwei Tage genießen und uns dann auf Schalke fokussieren. Wir dürfen nicht überheblich werden, sonst kann sich der Trend schnell ins Negative umdrehen.

Bundesliga.de: Viktor Skripnik und Torsten Frings haben Werder neues Leben eingehaucht. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Beiden?

Junuzovic: Das Trainerteam hat viel mit uns gemacht. Sie haben uns zur Seite genommen und viel mit uns geredet. Sie können uns motivieren und der Trainer findet immer die richtigen Worte. Wir hören auf Sie und haben Respekt vor Beiden und so soll es sein, dann findet auch eine Weiterentwicklung statt, wenn jeder die gleiche Richtung einschlägt und nicht einer in die eine und der andere in eine andere Richtung schaut.

Bundesliga.de: Jetzt geht es nach Gelsenkirchen. Auf Schalke sah Werder in den letzten Jahren oft nicht sehr gut aus. Jetzt kann Werder aber doch mit großem Selbstvertrauen auftreten, oder?

Junuzovic: Wir haben extremes Selbstvertrauen. Aber es wird brutal schwer gegen Schalke. Ich hoffe, die Schalker müssen am Mittwoch gegen Real Madrid viel laufen müssen, so dass Sie gegen uns müde sind. Wir wissen, dass da vieles möglich ist. Wir müssen mutig auftreten.

Aufgezeichnet von Alexander Barklage