Köln - Seit acht Spielen ist Werder Bremen ungeschlagen. Satte 20 Punkte sammelten die Hanseaten in diesem Zeitraum. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt bereits sieben Punkte. Nun kommt es am Sonntag zum mit Spannung erwarteten Nordderby gegen den Hamburger SV, der ebenfalls eine starke Rückrunde spielt. Vor dem brisanten Klassiker spricht Werder-Star Zlatko Junuzovic im Interview mit bundesliga.de über seine Erfahrungen im Nordderby und die Ziele für den Endspurt.

>>> Hol Dir jetzt die Bundesliga-App auf Dein Smartphone

bundesliga.de: Zlatko Junuzovic, Werder Bremen und der Hamburger SV treffen sich diesmal nicht am tabellarischen Abgrund zum Nordderby. Beide Teams haben in letzter Zeit fleißig gepunktet. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Derby?

Zlatko Junuzovic: Wir haben uns natürlich noch nicht komplett aus dem Abstiegskampf befreit, das muss man schon noch sagen. Wir wollen die 40-Punkte-Marke so früh wie möglich erreichen, um wirklich komplett sicher zu sein. So lange das nicht der Fall ist, stecken wir noch mittendrin. So ist auch unsere Stimmung. Wir spüren eine riesige Vorfreude auf das Spiel, ein Derby ist - egal wie die Tabellensituation ausschaut - immer etwas Besonderes. Ein Derby will man gewinnen, weil wir wissen welche Emotionen dahinter stecken und wie wichtig das Spiel für unsere Fans ist. Wir wissen aber auch, dass die Hamburger ebenfalls eine super Serie hingelegt haben und gut drauf sind. Es wird kein einfaches Spiel. Wenn überhaupt ist unser kleiner Vorteil, dass wir zuhause spielen.

Video: Zurück zu alter Stärke

bundesliga.de: Erklären Sie uns doch einmal, wie es möglich ist, dass Werder in den ersten 20 Spielen 16 Punkte holt und dann auf einmal in acht Partien 20 Punkte einfährt. Welche Gründe führen Sie für den Turnaround an?

Junuzovic: Die Gründe erklären sich einfach, sie sind aber schwer umzusetzen. Einerseits haben das Trainerteam und die Mannschaft akribisch zusammengearbeitet und viel miteinander gesprochen. Die Teamarbeit ist sehr groß. Wir sind sehr entschlossen. Das hat aber eine Zeit lang gedauert, das kommt nicht von heute auf morgen. Es ist ein längerer Prozess. Wir haben gute Spiele absolviert, die wir zum Teil verloren haben. Dann zeigt sich, wie wichtig der Zusammenhalt und die Stimmung intern sind. Wir haben nicht aufgegeben, sondern immer weiter akribisch gearbeitet. Der Zusammenhalt ist enorm. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, die restlichen Spiele auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir müssen nach vorne schauen, weiter fokussiert sein. Das ist das Schwierige. Es ist kein leichter Prozess, sondern alles hart erarbeitet. Genau das, was wir in den letzten Wochen gemacht haben, müssen wir weiter fortsetzen.

bundesliga.de: Im Abstiegskampf ist sicher vor allem die Mentalität und der Glaube an sich selbst gefragt.

Junuzovic: Mentalität, Einsatz und Wille sind ganz eintscheidend und was du bereit bist zu opfern. Man muss auch ein bisschen das Ego zurückschrauben. Die Spieler, die etwas weniger gespielt haben, jetzt aber häufiger zum Einsatz kommen, werden gebraucht. Die beste Erklärung für unsere jüngsten Erfolge ist, dass wir in den Spielen, in denen wir auch kurzfristige Ausfälle hatten, jeden Spieler gebraucht haben. Der Satz "Wir brauchen jeden Einzelnen" bringt das auf den Punkt. Dieser Zusammenhalt hat dazu geführt, dass wir uns aus einer sehr, sehr schwierigen Situation wieder herausgefunden haben.

>>> Thomas Delaney: "In der Bundesliga muss man jedes Spiel mit Volldampf angehen"

bundesliga.de: Werder hat nun 36 Punkte auf dem Konto und liegt damit sieben Punkte vor dem Relegationsplatz, aber auch nur noch fünf Zähler hinter Rang sechs. Ist der Blick nach oben momentan noch verboten an der Weser?

Junuzovic: Wir hatten in den letzten Spielen Erfolg. Aber im Erfolg kannst du auch leicht Fehler machen. Wir müssen weiterhin extrem aufpassen. Wir haben noch genügend Verbesserungspotenzial. Einsatz, Leistung und Wille waren alles super, trotzdem müssen wir alles realistisch einschätzen. In manchen Spielsituationen hatten wir auch Glück. Die Liga ist unberechenbar. Deshalb kannst du nie etwas planen. Man muss von Spiel zu Spiel schauen, so abgedroschen das auch klingen mag. Nach dem nächsten Spieltag kann sich wieder alles ändern. Dann stehst du wieder da, schüttelst den Kopf und hoffst auf Zeiten, in denen du wieder in höhere Regionen kommst. Deshalb ist es wichtig, fokussiert zu bleiben. Da kommt das Derby, das Spiel der Saison, gerade richtig. Wir wollen es unbedingt gewinnen. Unser oberstes Ziel ist der Klassenerhalt, der wird schwer genug. Über andere Ziele brauchen wir nicht zu reden.

bundesliga.de: Sie selbst hatten in dieser Spielzeit auch Ihren Durchhänger. Ist die Werder-Saison auch ein bisschen symptomatisch für Ihre Auftritte?

Junuzovic: Es ist alles relativ. In der Außenwirkung wird man immer ein bisschen beobachtet. Du musst das für dich realistisch einschätzen und wissen, was deine Aufgaben und Prioritäten sind. Für mich hat sich auch die Position verändert. Ich spiele nicht so viel offensiver als davor und habe auch meine Freiheiten, mich in die Offensive einzuschalten. Ich bin froh, wenn mir dann ein Tor oder Assist gelingt. Mit der Ausbeute bin ich ganz zufrieden. Aber ich habe natürlich auch meine Aufgaben, die mit dem Trainerteam besprochen sind. Wichtig ist für mich, dass ich körperlich da bin, dass ich präsent bin und ich meine Wege gehen kann. Ich probiere in jedem Spiel, mein Maximum zu leisten. Darauf konzentriere ich mich.

bundesliga.de: Wir haben das Interview mit dem Derby angefangen und hören auch damit auf. Sie haben auch schon einige Spiele gegen den HSV erlebt. Was macht die Spiele so besonders?

Junuzovic: Es ist ein Derby, in dem alles passieren kann. Ich habe schon in Österreich viele Derbys bestritten. Die Spiele waren immer brisant. Es herrschte eine super Stimmung. Es wurde richtig zur Sache gegangen. Das erwarte ich auch am Sonntag. Die Derbys gegen Hamburg waren immer etwas Spezielles. Beide Mannschaften sind im Moment gut drauf. Es wird ein richtiger Fight werden, natürlich innerhalb eines gewissen Rahmens und mit Respekt. Ich hoffe, dass wir bei aller Rivalität eine tolle Stimmung haben werden - aber ohne Gewalt. Das ist das Wichtigste. Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen. Das darf uns aber nicht hemmen, sondern muss uns motivieren.

bundesliga.de: Wie ist Ihre persönliche Derbybilanz?

Junuzovic: Das weiß ich gar nicht so genau. Spontan fällt mir das 100. Derby ein, in dem ich das Tor zum 1:0 geschossen habe.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

>>> Alle Infos zu #SVWHSV im Matchcenter