Mainz - "Ich bin noch nicht bei hundert Prozent", sagt Mohamed Zidan. Vielleicht müssen die Gegner des FSV Mainz 05 diese Aussagen des Stürmers als Drohung sehen.

Nachdem Zidan vor knapp zwei Wochen zum dritten Mal bei den Nullfünfern einen Vertrag als Fußballprofi unterschrieben hat, traf er in den beiden bisherigen Spielen je ein Mal: beim Debüt auf Schalke und am Samstag beim .

Offensive unberechenbarer

Gegen 96 nutzte er einen Pass von Eugen Polanski geistesgegenwärtig zur Führung in der 7. Minute, sein Schuss ins lange Eck war für Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler nicht zu halten. Weder in Bremen noch in Hamburg und Dortmund schaffte der Ägypter den großen Durchbruch. Nun will er in Mainz endgültig heimisch werden.

Mit dem schnellen Draufgänger ist im Offensivspiel der Rheinhessen Unberechenbarkeit zurückgekehrt, die nach den Weggängen von Lewis Holtby und Andre Schürrle in der Vorrunde so vermisst wurde.

Zudem ist auch Adam Szalai nach langer Verletzung wieder einsatzfähig, der mit seiner robusten Spielweise gut zu dem quirligen Zidan passt. Obwohl der späte Ausgleich "nervte" (Polanski), ist der Aufwärtstrend bei Mainz klar erkennbar.

Tor-Jubel mit Herz

Und Zidan ist immer zu Späßen aufgelegt. Nach seinem Treffer sprintete er vor die Fankurve auf der anderen Seite des Platzes, kramte einen rot-weißen Schnuller mit Mainz-Emblem aus seiner Hose hervor und steckte sich diesen in den Mund.

Nach dem Spiel erzählte er zu seinem eigenwilligen Tor-Jubel eine rührige Herz-Schmerz-Geschichte über seinen Sohn. "Als ich nach dem Frühstück bei Adam war, hat er gerade seine ersten drei Schritte in seinem Leben gemacht. Das hat mich am Herz berührt und stolz gemacht. Da habe ich mir seinen Schnuller geschnappt und ihm versprochen, mich so zu bedanken, wenn ich treffe", sagte er.

"Gefährlicher und effektiver werden"

Am Ende aber tat‘s dann doch noch weh beim Heimdebüt nach viereinhalb Jahren in der Fremde: Der Hoffnungsträger hatte einen Ball in den Unterleib gekommen und wurde ausgewechselt. Bei der Feiertour in die Kabine war Zidan aber schon wieder so fit, dass er die Huldigungen des Publikums genoss, als ginge das Spiel erst jetzt richtig los.

Dass die Hannoveraner in der 89. dann noch den verdienten Ausgleich durch das erste Bundesligator des eingewechselten Artur Sobiech schafften, fand Zidan schlicht "schade". Schon vor dem Spiel hatten die Anhänger den Rückkehrer mit "Mo"-Plakaten herzlich begrüßt.

"Wir wollten gefährlicher und effektiver werden, deshalb haben wir Mo zurückgeholt", lobte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel Zidan. Mit der Verpflichtung des Ägypters hat Tuchel nun eine echte Alternative in der Offensive. Zumal auch Andreas Ivanschitz nach langer Verletzungspause wieder zur Verfügung steht und gegen Hannover eingewechselt wurde.

Tuchel hat die Qual der Wahl

Zidan verspricht, sich steigern zu wollen. Es werde besser, je mehr Einsätze er bekomme. Nicht auszuschließen jedoch, dass der 30-Jährige, der zuletzt in Dortmund wenig Spielpraxis hatte, körperlich in naher Zukunft durchhängen wird.

Aber Tuchel hat ja genug Alternativen: Choupo-Moting, Ivanschitz, Ujah, Müller, Szalai, Stieber. Vor dem Anpfiff wurde übrigens eine Gedenkminute eingelegt für die Opfer der Fußballkatastrophe im ägyptischen Port Said. Die Hafenstadt ist Mohamed Zidans Geburtsort.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter