Augsburg - Der Gefühlsausbruch auf den Rängen kam einem Torjubel gleich - dabei hatte die Partie noch gar nicht begonnen. Der Grund für die große Freude bei den Fans des FC Augsburg war die Videobotschaft ihres Präsidenten Klaus Hofmann.

"Die wichtigsten Menschen in diesem Verein haben ihre Verträge verlängert", verkündete Hofmann. Manager Stefan Reuter und Cheftrainer Markus Weinzierl wollen gemeinsam den erfolgreichen Weg des FC Augsburg fortführen. Ein Weg, auf dem auch ein 0:0 gegen den FC Schalke 04 (Spielbericht) ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sein kann.

Nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge blieb der FCA zwar auch im dritten Spiel nacheinander ohne einen eigenen Treffer, doch das torlose Remis gegen die Königsblauen war für die Augsburger eher ein gewonnener Punkt, als zwei verlorene Zähler. "Wir waren mit Schalke 04, die durchaus noch Champions-League-Ambitionen haben, auf Augenhöhe und haben uns nicht versteckt. Das spricht sicherlich für unsere Mannschaft", sagte Reuter.

"0:0 gegen Schalke ist für uns ein Erfolg"

Eine Mannschaft, die in der Schlussphase ihrer bis dato besten Saison in der Vereinsgeschichte mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hat. Gegen Schalke wurde der kreative Ideengeber Halil Altintop schmerzlich vermisst, dafür gab Kapitän Paul Verhaegh nach achtwöchiger Pause sein Comeback und verlieh dem Spiel der Augsburger sogleich mehr Stabilität. Und vorne feuerten die Fuggerstädter aus allen Lagen, stellten mit 21 Torschüssen einen neuen Saisonrekord auf (Topdaten zum Spiel), blieben jedoch glücklos. "Uns fehlte der letzte Pass und die letzte Souveränität", sagte Trainer Weinzierl.

Der 40-Jährige konnte mit dem Ergebnis dennoch gut leben. "Wenn du gegen Schalke 04 0:0 spielst, dann ist das für uns ein Erfolg. Darauf bauen wir auf. Wir haben eine gute Ausgangsposition für die nächsten sieben Spiele", betonte Weinzierl. Seit dem 12. Spieltag steht der FCA auf einem Europapokalplatz. Auch wenn der Vorsprung auf die Konkurrenz nach nur einem Sieg in den vergangenen acht Spielen auf zwei Punkte geschrumpft ist, blickt der Trainer optimistisch nach vorne. "Das Ziel Klassenerhalt ist abgearbeitet", sagte Weinzierl. "Jetzt haben wir den Wunsch, diesen Platz zu bestätigen und daran haben wir Spaß."

Aktuelle Situation alles andere als Zufall

Einen Spaß erlaubte sich der Verein auch unter Woche mit der Nachricht, dass man keine Meldung für einen internationalen Wettbewerb einreichen werde - freilich ein Aprilscherz. Gegen die erste Europapokalteilnahme der Vereinsgeschichte würde sich trotz der damit einher gehenden Herausforderungen für den kleinen Verein keiner wehren. Sie wäre sozusagen die Sahnehaube auf einer sensationellen Saison. Für Markus Weinzierl wäre sie der vorläufige Höhepunkt seiner Trainerkarriere, die bisher den überraschenden Aufstieg des SSV Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga 2012 als größtes Highlight bereit hält.

Mit Überraschungen kennt sich der gebürtige Straubinger aus. In seinem ersten Jahr beim FCA gelang erst am letzten Spieltag die Rettung vor dem Abstieg in die zweite Liga, in der vergangenen Saison klopfte sein Team nach einer starken Rückrunde am Ende als Tabellenachter bereits leise an die Tür nach Europa - jetzt ist die Qualifikation zum Greifen nah. "Die Mannschaft ist aufgrund der letzten Jahre stabil und selbstbewusst geworden. Wir stehen nicht durch Zufall da oben", lobte Reuter Weinzierls Arbeit.

Weinzierl will Imagewandel vorantreiben

Der 48-Jährige, der seinen Vertrag als Geschäftsführer Sport bis 2020 verlängerte, war daher auch besonders stolz darauf,  den Vater des Erfolgs bis 2019 an den Verein binden zu können. "Markus Weinzierl langfristig zu halten, ist ganz wichtig für den Verein. Das spricht für Kontinuität", sagte Reuter, der bei Weinzierl offenbar keine große Überzeugungsarbeit leisten brauchte: "Er glaubt, dass wir hier noch einiges zusammen bewegen können." Die zeitgleiche Vertragsverlängerung war daher auch kein Zufall.

Weinzierl, dessen Vertrag im Übrigen keine Ausstiegsklausel beinhaltet, will den Imagewandel, den er beim FCA selbst in Gang gesetzt hat, weiter vorantreiben. "Es wäre gut, wenn es vor der Saison nicht heißt, wir sind einer von den zwei, drei Absteigern", erklärte Weinzierl. "Wir wollen den FC Augsburg in der Bundesliga etablieren, dazu müssen wir noch ein paar Schritte gehen und die wollen wir gemeinsam gehen." Und einer der nächsten Schritte soll möglichst auch in die Europa League führen.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz