Sie spielten meisterlich auf und redeten vom Abstiegskampf: Nach dem Offensivspektakel wurde bei 1899 Hoffenheim kräftig gemauert. "Entscheidend ist für uns allein der Abstand zu Platz 16", erklärte Trainer Ralf Rangnick nach dem 5:2 (1:0)-Erfolg bei Hannover 96 betont nüchtern - dabei war der Aufsteiger gerade mit Zauberfußball an die Bundesliga-Spitze gestürmt.

So forsch aber die Hoffenheimer auf dem Platz auftreten, so zurückhaltend präsentieren sie sich abseits des Rasens. "Wir brechen jetzt nicht in Euphorie aus", beteuerte Manager Jan Schindelmeiser: "Für uns ist das internationale Geschäft überhaupt kein Thema."

Rangnick sieht alles "brutal eng zusammen"

Trotz einer Angriffsreihe der Extraklasse, streckenweise rasend schnellem Kombinations-Fußball und dem besten Start eines Aufsteigers seit zehn Jahren. Für den 1. FC Kaiserslautern stand damals am Saisonende der Meistertitel…

"Die Tabelle hat erst nach zehn Spieltagen eine Aussagekraft", wiederholte Rangnick nach der Galavorstellung gebetsmühlenartig: "Es ist brutal eng zusammen. Wir haben jetzt elf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge und überhaupt keinen Druck. Warum sollten wir andere Ziele formulieren und diese Situation aufgeben? Einen Teufel werden wir tun."

"Rabenschwarze Schlussphase" der 96er

Geradezu höllisch dürfte der Samstagnachmittag auch den Hannoveranern vorgekommen sein. Die emotionale Achterbahnfahrt begann mit einem 0:1-Pausenrückstand, setzte sich in einer äußerst schmeichelhaften zwischenzeitlichen 2:1-Führung fort und endete in einem Debakel mit vier Gegentoren innerhalb von 14 Minuten.

"Das war eine rabenschwarze Schlussphase, die wir so schnell wie möglich vergessen sollten", meinte Mittelfeldspieler Christian Schulz.

Der geballten Offensivkraft der Hoffenheimer hatten die Platzherren wenig entgegenzusetzen. Vedad Ibisevic erhöhte sein Trefferkonto mit einem "Doppelpack" (36. und 83. ) auf neun Saisontore. Auch Chinedu Obasi (70.), Sejad Salihovic (72.) und Demba Ba (80.) wollten sich angesichts der Löcher in Hannovers Defensive nicht lumpen lassen. Für die kurzen Glücksmomente der Gastgeber hatten Schulz (48.) und Jiri Stajner (63.) gesorgt.

Salihovic zunächst nur auf der Bank

"Wir sind absolut zufrieden mit dem Ergebnis und dem Spiel", lobte Rangnick: "Wie die Jungs nach dem Rückstand zurückgekommen sind, war schon beeindruckend. Am Ende war fast jeder Angriff eine Torchance."

Schindelmeiser meinte nach zuvor zwei Auswärtspleiten in Folge: "Wir haben gezeigt, dass wir auch auf fremdem Platz begeisternden Fußball bieten können."

Augenscheinlich wurde zudem, dass der junge Kader der Hoffenheimer auch in der Breite gut aufgestellt ist. Salihovic saß 67 Minuten auf der Bank, bevor er der Partie nach seiner Einwechslung mit einem Tor und einer Vorlage die Wende gab. "Er hat uns noch einmal die entscheidenden Impulse gegeben", erklärte Rangnick.

Fromlitz ohne Fortune

Hannover hingegen fehlten derartige Typen. Spielmacher Arnold Bruggink blieb bei seinem Comeback nach Verletzungspause zunächst blass und sah nach einem groben Foulspiel fünf Minuten vor dem Ende die Rote Karte.

Auch Florian Fromlowitz hatte sich sein Debüt im 96-Tor wohl anders vorgestellt. Dem Vertreter des verletzten Nationaltorhüters Robert Enke unterliefen zwei Patzer.

"Wir müssen ihn jetzt wieder aufbauen. Aber allein Flo für diese Niederlage verantwortlich zu machen, wäre falsch. Wir haben uns insgesamt nicht konsequent im Zweikampfverhalten präsentiert", meinte 96-Trainer Dieter Hecking.