Köln - Beim FC Bayern setzt man auf die Jugend. Schon in der Sommer-Vorbereitung vor der Saison gab Coach Pep Guardiola mit Lucas Scholl, Gianluca Gaudino und Mitchell Weiser drei Nachwuchsspielern die Chance, sich im Profi-Kader zu präsentieren. In Doha sind jetzt sogar sechs Youngster mit am Start und hinterlassen durchaus Eindruck.

Mitchell Weiser muss schon jetzt als einer der Gewinner des Trainingscamps genannt werden. Beim Test gegen die Katar Stars schnürte der 20-Jährige einen Doppelpack und durfte über die gesamten 90 Minuten mitkicken. “Ich hab lange keine Tore mehr geschossen. Deswegen war es schön, jetzt mal wieder zu treffen“, sagte Weiser, der mit 20 Jahren schon so etwas wie ein alter Hase unter den jungen Hüpfern ist.

Neben dem ehemaligen Kölner sollen auch Sinan Kurt (18), Gianluca Gaudino (18), Marco Hingerl (18), Michael Eberwein (18) und Keeper Leopold Zingerle Profi-Luft schnuppern. Für Guardiola eine ganz normale Maßnahme: "Die jungen Spieler sind hier, weil sie eine Qualität haben. Wenn wir die Spieler brauchen, können wir auf sie zählen", sagte der FCB-Chefcoach und ließ die jungen Wilden im ersten Testspiel des Jahres auch gleich allesamt ran.

"Sollen ihr Glück in die Hand nehmen"

“Sie sollen ihr Glück in die Hand nehmen, keine Angst haben und Vollgas geben“, meinte Matthias Sammer, der nach der Hälfte des Trainingslagers zufrieden ist: "Sie ziehen super mit, verbessern sich täglich, sind sehr gut integriert.“ Der FCB-Sportvorstand betonte aber auch: "Integration reicht nicht, um sich durchzusetzen. Als junger Spieler musst du mehr tun. Du musst eine gewisse Frechheit haben. Auch mal einen Zweikampf, wo du sagst: Wow!“

Und genau diese Vorgabe haben Sammer, Guardiola und Co-Trainer Hermann Gerland den Youngstern zu Beginn des Trainingslagers mit auf den Weg gegeben. Die Verantwortlichen versprechen sich viel von ihren Talenten. "Unser Kader ist nicht sehr groß. Mit der einen oder anderen Blessur hat der eine oder andere junge Spieler gute Chancen, reinzurutschen", so der Sportvorstand.

Sammer lobt Weiser

Weiser scheint dies bereits verinnerlicht zu haben. "Wir erkennen seit einem halben Jahr eine Wandlung bei ihm", erzählte Sammer, "Mitchell trainiert extrem gut und arbeitet an sich. Es hat bei ihm Klick gemacht." Weiser stimmt dem zu. Letzten Sommer habe er sich “hinterfragt, ob ich alles mit 100 Prozent gemacht habe. Wenn man mich jetzt sieht, ist klar, dass es nicht immer 100 Prozent waren“, sagt er offen und ehrlich.

Auch die Entwicklung von Sinan Kurt, der vor der Saison von Borussia Mönchengladbach an die Säbener Straße wechselte, stellt den 47-Jährigen durchaus zufrieden. "Er hatte ein bisschen das Problem, dass ihm jeder gesagt hat, dass er ein super Spieler ist. Ein paar Dinge muss er noch lernen", so Sammer.  Auch Franck Ribery ist das Talent des 18-Jährigen nicht entgangen "Sinan hat viel Qualität, hat einen guten linken Fuß. Er ist auch ein guter Typ“, schwärmt der Franzose.

Die Tür für die jungen Wilden ist beim FC Bayern also geöffnet, jetzt müssen sie nur noch hindurchgehen.

Von Thomas Ziemann