Mainz - Der 1. FSV Mainz 05 und seine Japaner. Scheinbar eine Erfolgsgeschichte ohne Ende. Denn nach dem Weggang von Shinji Okazaki hat FSV-Manager Christian Heidel einen neuen Diamanten verpflichtet: Yoshinori Muto.

Irgendwann hielten es die japanischen Reporter nicht mehr aus, ließen die Absperrung Absperrung sein und stellten sich hinter die TV-Kamera, vor der gerade Yoshinori Muto stand. Über eine Stunde war das 3:0 (2:0) des FSV Mainz 05 gegen Hannover 96 schon beendet, aber die Journalisten aus Japan hatten noch kein Wort mit ihrem Landsmann gesprochen, dabei verlangten dessen Heldentaten sofortige Verbreitung in der Heimat. Der schmächtige Angreifer war am Samstag der überragende Spieler auf dem Platz, nicht nur wegen seiner zwei Tore, die er für die Mainzer erzielt hatte. "Ich glaube, heute hat jeder meine Stärken wie Schnelligkeit und Beweglichkeit gesehen", erklärte der technisch starke  Angreifer also vor der TV-Kamera auf Japanisch, das sein Dolmetscher ins Deutsche übersetzte. Diesen Satz verbreiteten die  Reporter aus Japan sofort auf allen Kanälen nach Fernost.

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Ein Anfang ist also gemacht für Yoshinori Muto in Deutschland und beim FSV. Mit seinen beiden Toren und einer starken Leistung deutete der 23 Jahre alte Stürmer an, welch großes Potenzial in ihm steckt. Im Sommer schlug er ein Angebot des FC Chelsea aus, Spielpraxis in Mainz erschien ihm sinnvoller als das schnelle Geld und die Ersatzbank beim Champions-League-Klub. Mit einem Vertrag bis 2019 lotsten die Mainzer den Fußballer mit abgeschlossenem Wirtschaftsstudium nach Rheinhessen.

Muto ist eleganter als Okazaki

Noch ein wenig schüchtern nahm Muto am Samstag die Huldigungen der Mainzer Fans entgegen. . Muto wusste zwar nicht, was er da mit den Mainzer Anhängern nach dem zweiten Sieg im dritten Ligaspiel gesungen hatte - aber das war ihm egal. Dem schmächtigen Stürmer ist eine große Last von den Schultern gefallen. Denn ähnlich wie sein Landsmann und Vorgänger Shinji Okazaki, der im Sommer zu Leicester City gewechselt war, glaubt Muto, seiner Mannschaft nur helfen zu können, wenn er Tore erziele. Zumal der jüngere Muto natürlich auch immer ein wenig mit dem älteren Vorgänger Okazaki in  Mainz verglichen wird. Dabei ist Muto der elegantere Spieler, technisch sehr stark. Aber auch die Qualitäten für das Pressing-Spiel der Mainzer bringt er mit. Gegen Hannover absolvierte er mit 31 Zweikämpfen die meisten aller Spieler auf dem Platz und mit 28 Sprints hatte er die meisten im Mainzer Team gemacht. Kein Wunder also, dass auch sein Trainer Martin Schmidt lobende Worte und Gesten fand. Schmidt ließ in der 87. Minute seinem Stürmer aus Japan bei dessen Auswechslung eine ganz besondere Ehre zukommen: Er verbeugte sich mit zusammengeschlagenen Händen vor der Brust. Das sei spontan und aus der Emotion heraus gekommen, erklärte Schmidt. Und auch Muto  verneigte sich mit dieser Geste vor dem Publikum, das den neuen Helden mit Gesängen feierte.

  • Yoshinori Muto ist der 26. Japaner, der in der Bundesliga zum Einsatz kam und der 16.,  der ein Bundesliga-Tor erzielt hat.
  • Muto traf bereits in seinem dritten Bundesliga-Spiel doppelt, so schnell schaffte das vor ihm kein Japaner.

Publikumsliebling in Tokio

Auch bei die Mainzer Verantwortlichen war die Erleichterung groß über die Tore ihres neuen Stürmers, der vom FC Tokio gekommen war. Dort war der 23-Jährige Publikumsliebling und hatte 23 Tore in 51 Spielen erzielt. In seiner Heimat ist Muto ein Star, bei seiner Verabschiedung waren 20 000 Zuschauer im Stadion. Als er in Deutschland zum Saisonstart gegen Ingolstadt zunächst nur auf der Ersatzbank Platz nehmen musste, schien er sich fast zu schämen. In Mainz zogen sie in Erwägung dem jungen Mann zu verbieten, die japanischen Zeitungen zu lesen. Der Erwartungsdruck aus der Heimat ist riesengroß. Auch deshalb sagt der Mainzer Manager Cgristian Heidel: "Ich mache den Hype um den Jungen nicht mit. Wir wissen um Mutos Potenzial, aber er steckt noch in der Entwicklung."

Wegen der Länderspiele pausiert die Bundesliga jetzt, nach der Partie gegen Hannover flog Muto direkt zu seiner Nationalmannschaft. Die Erzählungen seiner Heldentaten aus Mainz waren vorher schon beim Publikum in Japan angekommen. Und auch Shinji Okazaki dürfte seinem Nachfolger bereits beglückwünscht haben.

 

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter