Gelsenkirchen - Als der 1. FC Köln zum letzten Mal auf Schalke gewinnen konnte, war Yannick Gerhardt noch gar nicht geboren. Entsprechend durfte sich der 20-jährige Youngster nach dem 2:1-Erfolg auch so richtig freuen - über die Reaktion der Mannschaft nach zuletzt drei Niederlagen ebenso wie über seine erste Torvorlage in der Bundesliga.

Frage: Yannick Gerhardt, 21 Jahre hat der FC auf einen Sieg auf Schalke warten müssen. Fühlt sich dieser 2:1-Erfolg auch so groß an?

Yannick Gerhardt: Das wusste ich gar nicht, aber so fühlt es sich natürlich noch größer an. Es ist einfach eine Sensation, dass wir auf Schalke gewinnen konnten. Nach den drei Niederlagen zuletzt war das eine super Reaktion der Mannschaft. Jetzt können wir auf jeden Fall mit großem Selbstvertrauen in die nächsten beiden Partien gehen.

"Perfekt, dass es so gut gelungen ist"

Frage: Unter Druck scheint’s zu klappen. Nach den ersten drei Niederlagen in Serie gab es den Sieg gegen den BVB, jetzt den Erfolg auf Schalke.

Gerhardt: Wenn wir gefordert sind, sind wir bis jetzt immer da. Aber natürlich wollen wir auch eine gewisse Konstanz in unsere Spiele bekommen und im Durchschnitt mehr Punkte einfahren. In den letzten Spielen hat aber manchmal auch das Quäntchen Glück gefehlt. Wir waren dort vielleicht nicht immer die schlechtere Mannschaft, haben aber teilweise unglücklich verloren, zum Beispiel durch ein abgefälschtes Tor. Dieses Mal war das Glück auf unserer Seite.

Frage: Trotz der Negativserie zuvor wirkte Köln nicht verunsichert in der ersten Halbzeit, auch wenn da noch nicht alles wirklich gut lief.

Gerhardt: Wir wussten, dass wir auf Schalke auf eine sehr spielstarke Mannschaft treffen werden. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, wenn man in der Offensive mal ein, zwei Bälle verliert. Aber in der Defensive standen wir schon in der ersten Halbzeit sehr sicher und hatten zudem ein paar Aktionen vorne. In der zweiten Halbzeit hat uns die 1:0-Führung natürlich in die Karten gespielt. Dann noch der Elfmeter, da lief es gut für uns. Den Rest haben wir dann gut verteidigt. Der Gegentreffer kurz vor Schluss war unglücklich, aber so war es für die Fans am Ende noch mal ein bisschen spannender.

Frage: Wie ist denn die Halbzeitansprache des Trainers ausgefallen?

Gerhardt: Der Trainer hat uns mit auf den Weg gegeben, hinten auf jeden Fall weiter sicher zu stehen und nicht die Ordnung zu verlieren. Schließlich haben wir auf Schalke gespielt und hätten auch mit einem Punkt gut leben können. Aber wir sollten auch nicht nur auf ein 0:0 spielen, sondern versuchen, in der Offensive ein paar Nadelstiche zu setzen. Dass es so gut gelungen ist und wir zwei Tore machen konnten - perfekt!

Frage: Sie selbst haben das erste Tor vorbereitet, als Sie sich gegen Benedikt Höwedes durchgesetzt und auf Anthony Ujah gepasst haben.

Gerhardt: Für mich ist es natürlich auch persönlich schön, dass ich mit einer Vorlage zum Sieg beitragen konnte. Für mich ist diese Saison bisher nicht unbedingt positiv verlaufen. Daher freut es mich umso mehr, dass ich jetzt diese Vorlage auf Tony geben konnte. Es war auch mein erster Sieg, wenn ich in der Startelf stand.

"Vor heimischer Kulisse siegen"

Frage: Nach dem Assist haben Sie richtig aufgedreht. Ist da auch einiges von Ihnen abgefallen?

Gerhardt: Natürlich! Nach so einer Vorlage spürt man direkt, dass man Aufwind bekommt und in den eigenen Aktionen größeres Selbstvertrauen hat. Ich habe mich sehr gefreut - aber noch wichtiger sind die drei Punkte.

Frage: In der letzten Partie haben Sie als Sechser gespielt, jetzt zentral offensiv. Was liegt Ihnen mehr?

Gerhardt: Ich fühle mich generell im Zentrum sehr wohl. Da ist es mir auch relativ egal, wo der Trainer mich aufstellt. Ich bin einfach froh, wenn ich von Beginn an spielen darf. Ich versuche immer mein Bestes zu geben, ob defensiv oder offensiv.

Frage: Wird es der FC nach diesem Sieg schaffen, nach zwei Monaten auch mal wieder in einem Heimspiel zu punkten?

Gerhardt: Natürlich nehmen wir uns auch für das Heimspiel gegen Mainz am Dienstag einen Sieg vor. Vielleicht denkt manch einer im Umfeld jetzt auch gleich wieder, dass wir nach einem Erfolg auf Schalke auch zuhause locker einen Sieg einfahren können. Aber wir wissen, dass eine starke Mannschaft auf uns wartet. Trotzdem nehmen wir die Herausforderung natürlich an und versuchen, auch vor heimischer Kulisse in diesem Jahr noch einen Sieg zu holen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte