Gelsenkirchen - Am Ende war es Yann Sommer, der Borussia Mönchengladbach das 1:1-Remis in der Europa League auf Schalke retten musste. Als die Gastgeber in der Schlussphase immer mehr auf den Siegtreffer drängten, hatte der Schweizer Keeper irgendwie immer noch die Finger dazwischen.

Im Interview nach dem Spiel blieb Gladbachs Torhüter trotzdem ganz bescheiden und zeigt sich zwar zufrieden mit dem Ergebnis, mahnt für das Rückspiel in der kommenden Woche aber auch einen konzentrierteren Auftritt seiner Mannschaft an. Ein Gespräch über Arbeit, Optimismus und die eigene Stärke.

Frage: Yann Sommer, wie hoch würden Sie selbst Ihren Anteil an diesem 1:1 auf Schalke einordnen?

Yann Sommer: Das ist mir gar nicht so wichtig. Es zählt, dass wir diesen Punkt bis zum Ende erkämpft und mitgenommen haben. Es war ein hartes Stück Arbeit, wenn man sich den Spielverlauf ansieht. Wir hatten in der zweiten Halbzeit viele Schwierigkeiten, Schalke ist zu vielen Chancen gekommen. Wir haben nie die Ruhe ins Spiel bekommen, mal ein bisschen auf Ballbesitz zu spielen. Und deswegen war es bis zum Ende sehr schwer. 

Frage: Sie haben am Ende mit zwei, drei richtig guten Paraden den Punkt gerettet.

Sommer: Natürlich bin ich auch froh, dass mir das so gelungen ist. Es sind Situationen, in denen du blitzschnell die richtige Entscheidung treffen musst – ich bin happy, dass es geklappt hat und wir jetzt mit diesem Unentschieden ins Rückspiel gehen können. Das Auswärtstor ist eine gute Basis für das zweite Spiel, das aber mit Sicherheit auch noch einmal sehr schwierig wird. Aber erst einmal sind wir happy mit dem Punkt. 

"Wir sind zu oft in Konter reingelaufen"

Frage: Auch wenn Sie mit Ihrer eigenen Leistung ganz bescheiden umgehen – was hat Ihnen denn der Trainer nach dem Spiel gesagt?

Sommer: Der Trainer hat mir gratuliert zum Spiel. Er hat aber auch uns allen gratuliert. Es war sicher nicht das beste Spiel, das wir gezeigt haben. Aber du musst es eben trotzdem mit einem Punkt beenden. Dass wir es nicht verloren haben, zeigt, wie viel Kampfgeist in der Mannschaft steckt. Wir haben trotz der Schwierigkeiten in der zweiten Halbzeit immer an uns geglaubt.

Frage: Warum konnte Gladbach in der zweiten Halbzeit nicht mehr so gut dagegen halten, so dass Schalke zu guten Chancen gekommen ist?

Sommer: Im Einzelnen müssen wir uns das noch einmal in Ruhe anschauen und analysieren. Aber ich glaube, wir haben ganz allgemein im Spiel viel zu viele leichtfertige Ballverluste gehabt. Und dann sind wir oft in Konter gelaufen. Das war schon in der ersten Halbzeit beim Gegentor so, in der zweiten Halbzeit dann noch ein paar Mal. Das ist schwierig gerade gegen eine Mannschaft, die vor der Partie ein bisschen angezählt war. Man hat gemerkt, dass die Schalker mit sehr viel Power gespielt haben und nach dem Ergebnis am Wochenende noch sauer waren. Das haben wir aber auch so erwartet. Wir müssen jetzt sehen, dass wir im zweiten Spiel mehr Ruhe hineinbringen, den Ball besser laufen lassen und weniger Ballverluste produzieren. 

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Frage: Wie optimistisch sind Sie für das Rückspiel, was den Einzug ins Viertelfinale betrifft?

Sommer: Ich bin sehr optimistisch, was ich auch vor dem Hinspiel schon war. Es wird am nächsten Donnerstag noch einmal ein schwieriger Schritt, da Schalke auch alles versuchen wird. Aber uns muss zuhause einfach ein sehr gutes Spiel gelingen. Wir müssen sehr konzentriert zu Werk gehen, in gewissen Situationen etwas cleverer sein, um den Druck herauszunehmen – dann bin ich wirklich optimistisch, dass wir eine Runde weiter kommen. 

"Die Köpfe sind insgesamt wieder frei"

Frage: Wie sieht es angesichts der englischen Wochen mit den Kräften aus für die nächsten Aufgaben?

Sommer: (lacht) Bei mir sieht’s gut aus. Es ist natürlich für alle Spieler schon ein großes Pensum. Aber ich finde, wir machen das ganz gut. Die Mannschaft steckt das gut weg. Und für das Rückspiel muss man ja sagen, dass Schalke das gleiche Pensum hat. Es ist für alle nicht ganz einfach und es wird darauf ankommen, wer sich die Kräfte besser einteilt, wer im richtigen Moment Kräfte sparen kann und wer gut regeneriert zwischen den Spielen. Uns ist das bis jetzt ganz gut gelungen. 

Frage: Am Sonntag ist Gladbach erst einmal in der Bundesliga beim Hamburger SV gefordert.

Sommer: Auch das wird ein hartes Stück Arbeit. Uns wird auch von den Hamburgern nichts geschenkt werden. Wir werden auf eine Mannschaft treffen, die mit viel Druck gerade in die Zweikämpfe gehen wird, ähnlich wie es auch Schalke getan hat. Wir müssen sehen, dass wir unseren Lauf jetzt weiter mitnehmen können, auch die Power und die guten Gefühle, die wir in den letzten Wochen gesammelt haben. Wir müssen die guten Erfahrungen ins Spiel am Sonntag mitnehmen. 

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Frage: Haben Sie eine Erklärung, warum auch Sie selbst zurzeit wieder so viele gute Erfahrungen sammeln können, während es in der Hinrunde manches Mal auch bei Ihnen nicht so gut lief?

Sommer: Es ist eigentlich relativ einfach zu erklären. Auch für einen Torwart ist es nicht einfach, wenn es für die gesamte Mannschaft nicht gut läuft. Wir waren als Mannschaft verunsichert. Und das hat man dann auch bei mir in gewissen Situationen gesehen. Es ist mir in diesem Zeitraum weniger gelungen, als ich es auch selbst von mir gewohnt bin. Jetzt sind die Köpfe insgesamt wieder frei. Man merkt, dass wir stabil sind und wieder viel Vertrauen ineinander gewonnen haben. So treten wir als Mannschaft auf und so trete auch ich als Torhüter wieder auf.

 

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte