Mönchengladbach - Die Aufgabe war ohne Frage schwierig, bisher aber hat er sie bravourös gemeistert. Yann Sommer hat im Tor von Borussia Mönchengladbach mit erstklassigen Leistungen dafür gesorgt, dass Marc-André ter Stegen nie wirklich vermisst wurde.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Schweizer über die Vorbereitung auf und die Ziele für die Rückrunde mit den Fohlen und über die Weltfußballer-Wahl.

bundesliga.de: Borussia hat sich in Belek/Türkei auf die Rückrunde vorbereitet. Sind Sie zufrieden mit dem Leistungsstand der Mannschaft?

Sommer: Ich bin sehr zufrieden! In zwei Wochen Ferien verliert man nicht viel an Power, und wir haben im Trainingslager sehr gut gearbeitet. Das Wetter war zwar nicht immer optimal, die Plätze aber schon. Denen macht selbst der stärkste Regen nichts aus. Und für das, was jetzt vielleicht noch fehlen mag, bleibt uns noch etwas mehr als eine. Woche. Dann geht es los mit der Rückrunde!

"Nur vier Niederlagen - das ist nicht schlecht!"

bundesliga.de: Die Hinrunde war lange Zeit herausragend, Borussia konnte mit wettbewerbsübergreifend 18 Partien ohne Niederlage sogar einen neuen Vereinsrekord aufstellen. Danach hakte es zwischenzeitlich etwas, so dass aus nur vier Gegentreffern bis zum neunten Spieltag am Ende 16 wurden. Wo sehen Sie die Ursache?

Sommer: Wir haben in dieser Phase insgesamt nicht mehr so konsequent verteidigt, waren nicht mehr kompakt genug und haben zu viele Chancen zugelassen. Dass nach einer so starken Serie auch einmal eine Phase kommt, in der es nicht so läuft, ist im Verlauf einer langen Saison ganz normal.

bundesliga.de: Wird man nach einer so großartigen Erfolgsserie vielleicht etwas nachlässiger?

Sommer: Das glaube ich nicht. Das erste Spiel, das wir in dieser Saison verloren haben, war die Partie in Dortmund. Wenn man dieses Spiel betrachtet, muss man zugeben, dass wir gegen eine - an diesem Tag - hervorragende Mannschaft verloren haben, im Grunde hatten wir keine einzige Torchance. Dass wir durch ein Eigentor verloren haben, war umso ärgerlicher. Wäre dieses Spiel unentschieden ausgegangen, hätte sich aber wohl jeder bei uns gefragt, wie wir das an diesem Tag schaffen konnten. Danach gab es drei weitere Niederlagen, 0:1 in Wolfsburg, 1:2 in Augsburg und 1:3 zu Hause gegen Frankfurt. Nur vier Niederlagen also in einer Hinrunde - ich denke das ist nicht so schlecht.

bundesliga.de: Stimmt. In den vergangenen Jahren konnte Borussia dieses hohe Niveau in der Rückrunde aber nicht halten. Befürchten Sie, dass es wieder so kommen könnte?

Sommer: Nein, das glaube ich nicht. Ich selbst bin erst ein halbes Jahr bei Borussia und habe die vorherigen Spielzeiten nicht miterlebt. Mich interessieren solche Statistiken grundsätzlich nicht. Ich glaube, dass es hilft, dass wir fünf neue Spieler in der Mannschaft haben, die ganz befreit, ohne negative Gedanken, in die Rückrunde gehen können. Denn wir wollen unbedingt gut starten. Gerade die ersten Spiele sind sehr wichtig, wenn man oben dabeibleiben will.

"Borussia muss nicht auf Understatement machen"

bundesliga.de: In den vergangenen Jahren hat man jeweils "nur" einstelligen Tabellenplatz ausgegeben. Könnte man jetzt, nach den insgesamt guten Ergebnissen, nicht offensiver argumentieren?

Sommer: Was würde uns das bringen?!

bundesliga.de: Ein exakt definiertes Ziel könnte vielleicht weitere Energien freisetzen...

Sommer: Stimmt, das wäre vielleicht möglich. Und Borussia muss bestimmt nicht auf Understatement machen. Wir haben viel Qualität im Kader und können einen sehr guten Fußball spielen. Ich erinnere an das Spiel zu Hause gegen Bayern München. Da konnte man sehen, wozu diese Mannschaft an einem guten Tag fähig ist. Wir müssen uns sicher nicht verstecken. Trotzdem halte ich es für unnötig, das Saisonziel neu zu definieren. Wir wollen lieber Schritt für Schritt vorgehen. Immerhin sind wir noch in drei Wettbewerben vertreten und möchten überall so lange wie möglich dabei bleiben.

bundesliga.de: Wie müsste die Saison im Mai enden, damit Sie mit Ihrem ersten Jahr bei Borussia vollauf zufrieden wären?

Sommer: Darüber habe ich mir noch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Ein Traum wäre es selbstverständlich, wenn Borussia wieder einmal Champions League spielen könnte. Grundsätzlich wäre es aber auch dann ein gutes Jahr, wenn wir sagen könnten, dass wir als Mannschaft funktioniert, guten Fußball gespielt und uns selbst nichts vorzuwerfen haben. Schauen wir mal, was geht.

"Ich hätte mich für Manuel Neuer gefreut"

bundesliga.de: Im angesprochenen Spiel gegen die Bayern standen mit Manuel Neuer und Ihnen zwei herausragende Keeper auf dem Platz, die das Torwart-Spiel sehr ähnlich interpretieren. Auch in der Statistik der besten Torhüter liegen Sie nahe bei Neuer...

Sommer: Auch auf diese Statistiken lege ich nicht allzu großes Gewicht. Aber ich würde lügen, würde ich behaupten, dass es mich nicht dennoch sehr freut, dass die Meinung der Experten so ausfällt. Noch wichtiger ist mir aber, dass wir unsere Spiele gewinnen und als Mannschaft gut dastehen.

bundesliga.de: War es auch für Sie eine Enttäuschung, dass Neuer nicht zum Weltfußballer gewählt wurde?

Sommer: Schon über seine bloße Nominierung habe ich mich sehr gefreut. Und ich habe wirklich für Manuel gehofft, dass er die Wahl gewinnt. Das wäre für jeden Keeper eine tolle Sache gewesen. Aber Torhüter können nun einmal nicht so spektakulär in Erscheinung treten wie es Feldspielern möglich ist. Im Übrigen muss man sehen, dass mit Cristiano Ronaldo ein Spieler gewonnen hat, der jede Saison 60 Tore schießt, extrem spektakulär spielt und überhaupt ein kompletter Fußballer ist. Für mich persönlich ist Ronaldo sogar das derzeitige Nonplusultra. Und er hat es ebenso verdient wie Manuel es verdient gehabt hätte, wäre die Wahl auf ihn gefallen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Im 1. Teil des Interviews spricht der Schweizer über seine rasche Eingewöhnung und über die Bundesliga im Vergleich mit der Raiffeisen Super League