Köln - Kaum ist Xabi Alonso beim FC Bayern München angekommen, nimmt er bereits die Rolle des Chefs auf dem Platz ein. Seit seinem überraschenden Transfer Ende August hat der Spanier alle neun Pflichtspiele bestritten und lief dabei acht Mal von Beginn an auf.

"Deutsche Spieler müssen das Wort führen"

"Natürlich will ich auf dem Rasen ein wichtiger Spieler sein. Aber ich finde, es ist wichtig, dass eine Gruppe deutscher Spieler das Wort in der Kabine führt", sagt Alonso auf der Webseite des FC Bayern. "Ich bin derjenige, der sich anpassen muss: an den Club, an die Mannschaft, an den Trainer."

Dass die Anpassung zumindest im Spiel schon hervorragend läuft, lässt sich derzeit  ganz simpel an Zahlen ablesen: Obwohl er nur zweimal über die vollen 90 Minuten auf dem Platz stand, kam er in jedem Bundesliga-Spiel durchschnittlich auf 132 Ballbesitzphasen. Das ist mit großem Abstand Ligabestwert. Gegen Köln stellte er mit 204 Ballbesitzphasen sogar einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Über 90 Prozent seiner Pässe kommen außerdem beim Mitspieler an.

Bayern spielen langsamer als Real

"Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft. Aber es ist immer einfacher, wenn du zu einer funktionierenden Mannschaft kommst. Ich spüre das Vertrauen meiner Kollegen. Sie wissen, was ich in die Mannschaft einbringen kann", so Alonso.

Die Unterschiede zu seinem alten Arbeitgeber Real Madrid sieht Alonso vor allem im Spielaufbau. "Bei Bayern ist das Spiel langsamer angelegt, immer auf der Suche nach dem besten Moment, um zum Abschluss zu kommen. In Madrid, mit Cristiano Ronaldo und Gareth Bale, geht es schneller hin und her."

"Ein wunderbares Drehbuch meiner Karriere"

Die Königlichen zu verlassen, war für den Mittelfeldmotor in diesem Sommer ohnehin keine leichte Entscheidung: "Aber ich spürte, dass es der richtige Moment für etwas Neues war, wollte eine neue Herausforderung. Erst Liverpool, dann Madrid, jetzt Bayern - das ist ein wunderbares Drehbuch meiner Karriere und hat eine große Rolle bei meiner Entscheidung gespielt."

Und natürlich war auch Pep Guardiola ein wichtiger Faktor. Trotz Alonsos bewegter Karriere mit so ziemlich jedem möglichen Titelgewinn und einem fortgeschrittenen Fußballer-Alter von 32 Jahren lerne noch viel vom Bayern-Coach dazu: "Er hat immer neue Ideen, will das Spiel ständig verbessern und besitzt ein großes taktisches Wissen."

Die Integration ist also prefekt gelungen. Doch in München, wo sich Xabi Alonso mit seiner Familie sehr wohlfühlt, läuft am Ende dann doch noch nicht jedes Detail perfekt: "Das Deutschlernen ist kompliziert. Dafür werden wir noch ein bisschen Zeit brauchen."

Karol Herrmann