Köln - Xabi Alonso hat in seiner Karriere schon viel erlebt - außer einer Winterpause. Diese Erfahrung hat er nun mit dem FC Bayern München gemacht. Im Interview mit fcbayern.de spricht Alonso über die Pause, sein Verhältnis zu Bastian Schweinsteiger und seinen Spielstil.

Es ist schon ein wenig außergewöhnlich, dass ein Fußballer von Weltformat mit 33 Jahren noch eine neue Erfahrung im Spielrhythmus sammelt. Bei Xabi Alonso, der seine Karriere vor dieser Saison in Spanien und England verbrachte, ist das der Fall. "Es gefällt mir", sagt Alonso. "Wir konnten die Beine und den Kopf erfrischen, jetzt sind wir zurück auf dem Platz und bereiten uns auf die zweite, die entscheidende Saisonhälfte vor."

"Wir alle haben hier große Ziele"

Dass er nun eine längere Regenerationszeit benötigt, als das früher der Fall war, will Alonso nicht bestätigen. "Es ist nicht so wichtig, wie alt man ist. Entscheidend ist, wie man sich fühlt. Und ich fühle mich sehr gut", sagt er. Mit im Schnitt 11,8 Kilometern pro Spiel macht er auch nicht den Eindruck, dass ihm das Laufen mittlerweile schwer fällt. "Ich arbeite wie alle im Team hart, um meine Topform zu erreichen und der Mannschaft helfen zu können", so Alonso. "Ich will bereit sein, für die großen Spiele, die hoffentlich in der Rückrunde kommen. Wir alle hier haben große Ziele."

Die Meisterschaft gilt nach wie vor als wichtigstes dieser Ziele. Dennoch wird der FC Bayern auch ein besonderes Augenmerk auf die Champions League legen. Nach dem Scheitern in der Vorsaison ist das Konzept von Trainer Pep Guardiola mittlerweile besser verinnerlicht. Aber sogar ein Welt- und Europameister wie Alonso profitiert noch von der Arbeit mit dem Coach.

"Er hat seine eigenen Methoden", sagt Alonso über Pep. "Ich lerne viel bei ihm." Seine Stärken optimal in die Taktik einzubinden, darin sieht er den größten Verdienst des Trainerstabs. "Jeder Spieler hat seine eigene Persönlichkeit", sagt Alonso. "Es ist die große Aufgabe des Trainers, die verschiedenen Rädchen, die verschiedenen Teile der Maschine an den richtigen Platz zu setzen. Dann kann man Erfolg haben."

"Mein Job ist es, das Spiel am Laufen zu halten"

Seine größte Stärke ist ganz klar das Passspiel. Nicht nur sein Ballbesitzphasen-Rekord, auch die Zahl von 118,3 Pässen pro Spiel sprechen eine deutliche Sprache. Dass 90 Prozent davon beim Mitspieler ankommen ist für das Spiel der Bayern elementar. "Das war immer mein Job", sagt Alonso über seine Rolle als Ballverteiler. "Wenn du im Zentrum des Spiels bist, darfst du den Ball nicht lange am Fuß haben. Stattdessen sollte der Ball viele, viele Male durch deine Füße gehen, am besten auch noch sehr schnell."

Sein Anspruch ist, das mit höchster Präzision zu tun. Alonso sieht sich selbst als Bindeglied, als denjenigen, der die Seitenwechsel initiiert und den Ball aus der Abwehr ins Angriffsdrittel spielt. "Mein Job ist es, das Spiel am Laufen, am Ticken zu halten", sagt der Baske. Dabei ist als Neben- oder Vordermann in der Rückrunde wieder häufiger Bastian Schweinsteiger mit von der Partie. "Bastian ist ein toller Bursche", freut sich Alonso darüber, mit Schweinsteiger zusammenzuspielen. "Wir haben oft gegeneinander gespielt, gegenseitig sind Respekt und Bewunderung groß."

Für Alonso ist Schweinsteiger nicht nur wegen seiner Spielweise und seiner Präsenz auf dem Platz ein wichtiger Mann. Für ihn ist er ein Schlüsselspieler, der in seiner langen Karriere in München auch schon sehr erfolgreich war. "Er repräsentiert sehr gut, was Bayern ist", sagt er.

Mit einem weiteren Weltmeister feilt der Spanier an seinen Sprachkenntnissen. Thomas Müller ist für ihn der beste Deutschlehrer. Und auch sprachlich setzt sich Alonso hohe Ziele. Von Müller will er "erst Deutsch, dann Bairisch" lernen.