Hamburg - Harald Schmidt kennt sich aus im deutschen Fußball. Mit seiner Late-Night-Show begeistert der Entertainer das Publikum bei Sky - und ist damit "von Haus aus" ganz nah dran an der Live-Berichterstattung des Pay-TV-Senders.

Im zweiten Teil des Interviews spricht er über Bayern-Neuzugang Thiago, Bruno Labbadias Wutrede und Jürgen Klopp als Guardiola-Gegensatz.

bundesliga.de: FCB-Neuzugang Thiago Alcantara hat sehr viele Tätowierungen. Stellt der Mittelfeldstratege den FC Bayern vom Niveau her auf eine noch höhere Stufe?

Schmidt: Sportlich sieht es beim FC Bayern nach dem Triple eh fantastisch aus. Dazu ist der FC Bayern wirtschaftlich wohl der stabilste Club in Europa. Und ich halte den Thiago für einen relativ günstigen Einkauf, wenn ich vergleiche, was sonst für manche Spieler ausgegeben wird. Bei dem Potenzial ist das schon überraschend. Jetzt hat Trainer Guardiola zwar ein Überangebot im Mittelfeld. Aber ich habe im vergangenen Jahr ein Bayern-Spiel zusammen mit Ottmar Hitzfeld und Christoph Metzelder geguckt. Und der Metzelder hat prophezeit, dass Javi Martinez in die Innenverteidigung rücken wird. Wir werden sehen.

bundesliga.de: Trainer Pep Guardiola überzeugte gleich bei seiner Antrittsrede mit einem sehr passablen Deutsch. Hätten Sie das erwartet?

Schmidt: Das hat mich auch sehr, sehr überrascht. Das zeigt aber, mit welcher Akribie und Ehrgeiz er an die Sache ran geht. Ich mag aber auch Trainer, die radebrechen wie Dragoslav Stepanovic oder Bora Milutinovic oder Winfried Schäfer jetzt für Jamaika, die dabei das Erbe von Rudi Gutendorf weitertragen.

bundesliga.de: Was ist Bruno Labbadia vom VfB Stuttgart für ein Typ?

Schmidt: Bruno Labbadia gehört eindeutig zum modernen Trainertyp. Er hatte ja vor kurzem seine Wutrede - aber so etwas kann man sich sparen. Denn der Maßstab dafür wurde von Giovanni Trapattoni schon lange festgelegt. Eine Wutrede ist auch eher aus der Mode gekommen. Der neue Trend ist es, zu sagen "Ich will Thiago Alcantara" und zwei Tage später ist er dann da.

bundesliga.de: Bei Borussia Dortmund hat es mit Neuverpflichtungen etwas länger gedauert. Können Sie Henrikh Mkhytarian und Pierre-Emerick Aubameyang schon fehlerfrei aussprechen?

Schmidt: Das ist Wahnsinn. Ich warte, bis sich da die endgültigen Spitznamen auf dem Markt durchgesetzt haben. Denn ich habe mehrfach versucht, die Namen zu buchstabieren. Nach der vierten Silbe habe ich es aufgegeben. Ich hoffe, dass sie vielleicht bald Fips und Pips heißen. Oder so wie bei Kuba. Obwohl ich Blaszczykowski mittlerweile gelernt habe. Aber insgesamt sind diese Transfers ein gutes Zeichen, dass Europa noch mehr zusammenwächst.

bundesliga.de: Wird der BVB in dieser Saison wieder der große Konkurrent der Bayern?

Schmidt: Das glaube ich. Schließlich wurde in der Zeit, als Götze verletzt war, sehr erfolgreich gespielt. Von daher bin ich mir sicher, dass es dieses Mal wieder spannender zugehen wird. Zuletzt war ich aber immer besorgt, wenn ich fünf Minuten keine Neuigkeiten über einen Lewandowski-Verbleib gelesen habe.

bundesliga.de: Freuen Sie sich mehr auf den FC Bayern oder Borussia Dortmund?

Schmidt: Beim FC Bayern ist ja alles klar. Mit den Verstärkungen geht es nur darum, mit verbundenen Augen, rückwärts spielend, 6:0 zur Halbzeit in Barcelona zu führen. Dazu noch der buddhistisch anmutende Guardiola. Da stellt sich nur die Frage: Wie sehr glänzt das Juwel? Deshalb freue ich mich ganz besonders auf die Entwicklung von Borussia Dortmund. Mit dem absoluten Guardiola-Gegensatz Jürgen Klopp beim BVB, mit seinen emotionalen Ausbrüchen. Man darf gespannt sein, wie er es schafft, die Götze-Lücke zu schließen und Lewandowski bei Laune zu halten. Aber das schöne ist ja, dass im Fußball oftmals alles anders kommt, als man denkt.

bundesliga.de: Also gewinnt der VfB Stuttgart am letzten Spieltag in München die Meisterschaft?

Schmidt: Bitte? Nein, also das wird höchstens "Pokal-Finale reloaded". Wenn die Bayern nicht Meister werden, sehe ich die EU gefährdet. Es gibt kein Argument, warum die Münchner in dieser Saison nicht das Quadrupel oder Quintupel holen.

bundesliga.de: Bleiben da noch Fragen übrig?

Schmidt: Ich frage mich vor allem, was sich in der Abstiegszone ab Platz 7 so tun wird. Denn die Bundesliga ist wahnsinnig eng zusammengerückt. In der vergangenen Saison waren auf einmal Teams wie Werder Bremen und der VfL Wolfsburg plötzlich abstiegsgefährdet. Das war eigentlich undenkbar.

bundesliga.de: Auf was sind Sie noch gespannt?

Schmidt: Ich bin sehr gespannt, wie sich die Europapokal-Teilnehmer Eintracht Frankfurt und der SC Freiburg in dieser Saison schlagen werden. Frankfurt mit einem großen Etat und großem Kader. Freiburg mit einer neuen jungen Mannschaft, nach den vielen Abgängen. Aber ich habe ein Interview mit Trainer Christian Streich in der "FAZ" gelesen, der ohne Gram die frühen Wechsel von Spielern erklärte: "Der Pfeffer ist auch von Asien nach Europa gekommen und viele Händler haben unterwegs daran verdient" (Schmidt parodiert dabei Streich in dessen alemannischem Dialekt, Anm. d. Red.). Und ich freue mich sehr, dass Eintracht Braunschweig wieder in der Bundesliga dabei ist. Denn einer der ersten Fußballer in meinem ersten Sammelalbum war damals Lothar Ulsaß (1964 bis 1971 bei der Eintracht aktiv, Anm. d. Red.).

Das Gespräch führte Michael Reis


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