Köln - Eintracht Frankfurt hat es fast geschafft. Nur noch zwei Punkte fehlen den Hessen aus den letzten beiden Spielen, um den Einzug in die Europa League perfekt zu machen. In Bremen hat die Mannschaft den ersten Matchball. Vor dem Spiel sprach bundesliga.de mit Frankfurts Torwartlegende Oka Nikolov.

bundesliga.de: Herr Nikolov, mit welchen Gefühlen schauen Sie sich derzeit die Bundesliga-Tabelle an?

Oka Nikolov: Es freut uns natürlich, dass wir nach dem 32. Spieltag immer noch da oben stehen.

bundesliga.de: Die unbestechlichen Zahlen weisen die Eintracht als Fünften aus, drei Punkte hinter Schalke und vier vor dem Siebten, dem Hamburger SV. Mit einem Sieg oder zwei Unentschieden in den letzten beiden Spielen ist die Eintracht nächste Saison international sicher dabei. Lässt sich Frankfurt Europa noch nehmen?

Nikolov: Wir haben es selbst in der Hand, schon im Spiel gegen Bremen einen internationalen Platz zu sichern, das ist eigentlich die beste Ausgangsposition. Noch haben wir es nicht geschafft, aber natürlich ist das jetzt unser ganz großes Ziel, uns und die Fans nach dieser tollen Saison mit Europa zu belohnen.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die bisherige Saison der Eintracht? Wie sehr erstaunt Sie der bis heute anhaltende Höhenflug und die Konstanz?

Nikolov: Was die Mannschaft in dieser Saison geleistet hat, ist schon phänomenal. Das war vor der Saison, nach dem Aufstieg aus der zweiten Liga, so sicher nicht zu erwarten. Wir stehen nicht umsonst da oben, sondern haben über die Saison weg mit tollem Fußball bewiesen, dass das schon so in Ordnung geht.

bundesliga.de: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, die ersten drei Viertel der Saison von der Bank aus zu verfolgen?

Nikolov: Klar steht man lieber auf dem Platz und kann selbst mitwirken. Aber die Eintracht hat mit Kevin einen super Torhüter verpflichtet, das muss man akzeptieren. Es macht mir sehr viel Spaß, Fußball zu spielen. Und wie schnell es im Fußball gehen kann, hat Kevins Verletzung wieder einmal bewiesen. Deshalb lässt man sich auch nicht hängen, man gibt auch weiterhin 100 Prozent Gas und hält sich fit.

bundesliga.de: Kaum standen Sie wieder im Tor, gab es drei Elfmeter gegen die Eintracht. Zwei wurden verschossen, einen haben Sie gehalten. Sie gehören ohnehin zu den Elferkillern der Bundesliga. Zufall oder Können? Wie machen Sie das?

Nikolov: Man freut sich natürlich als Torhüter über jeden gehaltenen Elfmeter, aber ich denke, dass da Glück auch eine Rolle spielt. Man spekuliert auf eine Ecke, und wenn man Glück hat auf die richtige.

bundesliga.de: Sie spielen seit über 20 Jahren für die Eintracht. Kam ein Wechsel für Sie nie in Frage? Was ist das Besondere an der Eintracht?

Nikolov: Es gab schon mal ein, zwei Momente, da habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich am Schluss aber doch für die Eintracht entschieden. Ich fühle mich hier in Frankfurt sehr wohl und es ist schon was Tolles, wenn man sich bei einem Verein etwas aufbauen kann. Wenn ich heute sehe, wie die Fans nach 20 Jahren meine Leistungen honorieren, ist das schon etwas Besonderes und macht mich auch stolz.

bundesliga.de: Wie stark schätzen Sie Ihren Rivalen Kevin Trapp ein?

Nikolov: Kevin hat eine überragende Saison gespielt und konnte diese durch die Verletzung leider nicht zu Ende bringen, das ist natürlich bitter. Aber er ist ein super Kerl und gehört für mich sicherlich zu den fünf besten Torhütern in Deutschland.

bundesliga.de: Bleiben Sie der Eintracht auch im kommenden Jahr noch erhalten?

Nikolov: Ich habe immer wieder gesagt, dass ich gerne noch ein Jahr dranhängen würde. Die Gespräche laufen, es sieht ganz gut aus.

bundesliga.de: In einem Interview mit bundesliga.de bezeichnete die in Darmstadt lebende Tennisspielerin Andrea Petkovic Sie als ihren Lieblingsspieler, weil Sie "ein Symbol für die Eintracht" seien. Kennen Sie sich? Mögen Sie Tennis? Wie gut tut diese Wertschätzung von anderen Profisportlern?

Nikolov: Ich bin ein großer Tennisfan und spiele selbst. Es ehrt mich natürlich, sie ist eine Weltklasse-Tennisspielerin. Leider haben wir uns noch nicht kennengelernt - würde ich aber gerne, am besten bei einem Match, sodass ich mir noch ein paar Tipps von ihr holen kann.

bundesliga.de: Am Samstag gastiert die Eintracht bei Werder Bremen. Nutzt die Mannschaft den ersten Matchball für Europa?

Nikolov: Das ist sicherlich unser Ziel!

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski