Mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen hat sich Schalke 04 wieder sehr aussichtsreich im Rennen um die Champions-League-Plätze in Position gebracht. Als Vierter gehen die "Knappen" ins Topspiel am Samstagabend gegen Bayer Leverkusen (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio), das nur noch vier Zähler vor Schalke auf Rang 3 steht. Vor dem Hit sprach bundesliga.de mit Schalkes Mittelfeldspieler Marco Höger, der sich zuletzt mit starken Leistungen einen Stammplatz in der Startelf erkämpft hat-

bundesliga.de: Herr Höger, Schalke hat in den letzten Wochen zur großen Aufholjagd angesetzt und sich bis auf Platz 4 hochgearbeitet. Warum läuft es bei Schalke im Moment so gut?

Marco Höger: Wir haben uns nach und nach aus der Krise, in der wir gesteckt haben, herausgearbeitet. Es fing mit dem Unentschieden in Mainz an. Danach ging es aufwärts. Leider sind wir nach dem positiven Erlebnis Derbysieg gegen Dortmund in der Champions League ausgeschieden. Aber auch in dem Spiel haben wir nach verschlafener erster Halbzeit ein gutes Spiel im zweiten Durchgang gemacht. Bis auf das Spiel in Nürnberg haben wir danach immer positive Ergebnisse erzielt. Unser Ziel ist es, mit einem Sieg zuhause gegen Leverkusen bis auf einen Punkt an sie heranzurücken und somit weiter Druck auf sie aufzubauen.

bundesliga.de: Ist das schon so etwas wie ein Endspiel um Platz 3. Muss Schalke das Spiel unbedingt gewinnen, um noch Dritter werden zu können?

Höger: Nein. Ein Endspiel ist es noch nicht, aber ein sehr wichtiges. Der Druck wird für Leverkusen größer, wenn wir die drei Punkte auf Schalke behalten. Leverkusen wäre immer noch einen Punkt vor uns. Wir müssen dann trotzdem weiterpunkten und die restlichen Spiele positiv gestalten.

bundesliga.de: Liegt das Hauptaugenmerk in den kommenden Wochen eher darauf, den 4. Platz zu sichern?

Höger: Wir wollen mit aller Macht den 4. Platz verteidigen, den wir uns in den letzten Wochen hart erarbeitet haben. Die Chance ist aber auch noch da, auf Platz 3 zu klettern. Wenn wir am Samstag ein positives Ergebnis einfahren, sind wir dem wieder ein Stück näher gerückt.

bundesliga.de: In der Hinrunde war das Leverkusen-Spiel nach allgemeiner Einschätzung der Knackpunkt. Danach ging es bergab. Sie haben in der Phase selbst gar nicht gespielt.

Höger: Vorher hatten wir auch schon in Hoffenheim trotz eines guten Spiels unglücklich verloren. Dann kam das Spiel in Leverkusen, das die spätere Krise miteingeläutet hat. Ich hatte mich beim Champions-League-Spiel gegen Arsenal vorher schwer verletzt und mir am Fuß einen Syndesmoseband-Anriss zugezogen. Danach bin ich leider bis zum Ende der Hinrunde ausgefallen.

bundesliga.de: Wie bitter war es, in der Phase ohnmächtig zugucken zu müssen, wie Schalke in der Tabelle immer tiefer abrutschte?

Höger: Das war sehr bitter, weil es für uns und mich bis dahin gut gelaufen war. Wir hatten auch das Derby gewonnen, bei dem ich ein Tor gemacht habe und hatten alle ein gutes Gefühl. Meine Leistungen waren gut, die Mannschaft hatte Erfolg.

bundesliga.de: Dafür gab es in der Winterpause Ihre Vertragsverlängerung. Da haben Sie gemerkt, dass es eine hohe Wertschätzung Ihrer Leistungen gab. Der Manager hat sich sehr lobend über Sie geäußert. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Situation und sportlichen Entwicklung?

Höger: Ich bin sehr zufrieden, sonst hätte ich nicht so früh verlängert. Ich hatte ja noch ohnehin Vertrag bis 2014. Es ist auch ein Zeichen von mir, dass ich mich auf Schalke sehr wohl fühle. Ich bin glücklich hier spielen zu können. Durch die Verletzung ist meine Entwicklung in der Hinrunde ein bisschen stehen geblieben. Aber in der Rückrunde glaube ich, dass ich einen weiteren Schritt nach vorne gemacht habe.

bundesliga.de: Wie anstrengend ist so eine emotionale Achterbahnfahrt, wie sie Schalke in dieser Saison mit den ganzen Höhen und Tiefen erlebt?

Höger: Es schlaucht jeden, egal ob psychisch oder physisch. Im Endeffekt sind wir alle froh, wenn wir mit einem blauen Auge davonkommen und zumindest den 4. Platz am Ende der Saison erreichen.

bundesliga.de: Auch die Trainerdiskussion dauert auf Schalke an. Wie erleben Sie Jens Keller in diesen Wochen? Was zeichnet ihn aus?

Höger: Er sucht sehr viele Einzelgespräche und geht immer auf uns ein. Er ist sehr akribisch und arbeitet positiv-detailverliebt mit uns. Er will einen sehr modernen, offensiv geprägten Fußball spielen lassen, der auf Pressing ausgelegt ist. In den letzten Wochen haben wir gezeigt, dass wir das zum Teil schon sehr gut umsetzen. Aber es gibt auch noch viel Luft nach oben.

bundesliga.de: Jetzt kommt das Topspiel gegen Leverkusen. Worauf muss Schalke besonders aufpassen?

Höger: Leverkusen hat gezeigt, dass es eine spielerisch enorm gute Mannschaft hat, die auch von der individuellen Klasse her sehr gut besetzt ist. Sie stehen nicht zu unrecht da oben. Aber wenn wir unsere Leistung konstant abrufen können, dann dürften wir die Punkte hierbehalten.

bundesliga.de: Danach wartet ein anspruchsvolles Programm mit den Gegnern Frankfurt, Hamburg, Gladbach, Stuttgart und Freiburg auf Schalke. Das hat es in sich, oder?

Höger: Ja. Aber in der Bundesliga gibt es keine einfachen Spiele. Es sind zum größten Teil Mannschaften, die auch um den europäischen Wettbewerb spielen. Aber unser Anspruch muss sein, so viele Punkte wie möglich zu holen und am besten alle Spiele zu gewinnen, um am Ende auf einem Champions-League-Platz zu stehen.

bundesliga.de: Zum Abschluss noch eine ganz andere Frage. Sie sind ja gebürtiger Kölner. Gucken Sie noch darauf, wie der FC in der 2. Bundesliga spielt? Packt Köln noch den Relegationsplatz?

Höger: Früher war ich mit meinen Eltern oft im Kölner Stadion. Da war ich noch FC-Fan. Platz 3 wird schwer. Ich habe das 0:3 der Kölner in Kaiserslautern gesehen. Da sah es nicht so gut aus. Ich hoffe, dass es der FC noch packt, weil die Spiele in Köln sehr schön waren. Außerdem ist mir dort mein erstes Bundesliga-Tor gelungen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski