Die 46. Bundesliga-Saison ist fast Geschichte. Es gibt einen neuen Deutschen Meister, die Teilnehmer am internationalen Geschäft stehen fest. Einzig der letzte Absteiger kann sich über den Umweg Relegation doch noch in der Bundesliga behaupten.

Dr. Reinhard Rauball, der Präsident des Ligaverbandes und Vorsitzender des Aufsichtsrats der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, schildert im Interview mit bundesliga.de seine Eindrücke der Spielzeit und des neuen Meisters VfL Wolfsburg. Außerdem spricht er über den Stellenwert des deutschen Fußballs und die Wahrnehmung der Bundesliga im Ausland.

bundesliga.de: Dr. Reinhard Rauball, wie fällt ihr Fazit der gerade beendeten Bundeliga-Saison aus?

Dr. Reinhard Rauball: Es war eine der tollsten Spielzeiten, die wir in der gesamten Bundesliga-Geschichte erlebt haben. Eine Spannung wie sie selten da war, weil sie alle Bereiche, die in der Bundesliga von Bedeutung sind, erfasst hat. Bis zum letzten Spieltag konnten immerhin noch drei Mannschaften realistisch deutscher Meister werden. Also Spannung pur und die enormen Zuschauerzahlen belegen das, wie sehr das auch von den Konsumenten angenommen wird.

bundesliga.de: Was sagen Sie zum Titelgewinn des VfL Wolfsburg?

Rauball: Ja, die Wolfsburger sind für mich DIE Überraschungsmannschaft überhaupt der Bundesliga. Wenn man die erste Serie mal ausnimmt, weil dort natürlich Hoffenheim die Akzente gesetzt hat und Wolfsburg selbst nur Neunter gewesen ist. Sie haben alle Erwartungen übertroffen, sie sind ein Team, das in erster Linie offensiv ausgerichtet ist. Glanzpunkte sind sicherlich die Nummer 10, Zvjezdan Misimovic, und die beiden Spitzen Grafite und Edin Dzeko, die auch in der Torjägerliste ganz vorne stehen. Das hat man ja ganz selten in der Bundesliga. Alle Achtung vor dem, was Felix Magath da geleistet hat. Aber es ist nicht nur Felix Magath, es ist auch die Mannschaft und es ist auch das, was alles hinter der Mannschaft steht. Kompliment und Glückwunsch!

bundesliga.de: Auch international hat sich die Bundesliga in diesem Jahr wieder zurück gemeldet. Was sagen Sie zum Abschneiden der deutschen Mannschaften dort?

Rauball: International haben wir enorm aufgeholt - gegenüber dem Drittplatzierten Italien um 1,3 Punkte - und wir haben den Abstand nach hinten vergrößert. Es geht auch nicht von heute auf morgen, dass eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison um den 4. Platz gekämpft hat, plötzlich Erster oder Zweiter wird. Das geht so einfach nicht, man muss da auch Geduld haben. Aber der deutsche Fußball muss sich international keineswegs verstecken.

bundesliga.de: Nach der Saison ist vor der Länderspielreise. Sie selbst werden bei der Reise der deutschen Nationalmannschaft nach China und in die Vereinigten Arabischen Emirate vor Ort sein. Welche Bedeutung hat dieser Besuch des deutschen Fußballs gerade in den Regionen, in denen es ja sehr viele Fans der Bundesliga gibt?

Rauball: Ja, es gibt sehr viele Fans der Bundesliga, aber nicht genug. Es sind noch nicht so viele wie erwünscht, es könnten mehr sein. Und das ist auch das Ziel dieser Reise. Sicherlich nicht nur der Gegenbesuch bei den Chinesen, der ja versprochen worden ist nach dem Länderspiel hier in Hamburg. Es ist einfach auch wichtig, dort präsent zu sein. Wir können den Leuten nicht immer nur sagen: Ihr müsst mehr machen und ihr müsst bei der Auslandsvermarktung aktiver sein und wenn es dann mal zum Schwur kommt, dann heißt es: 'Das ist zu weit' und 'Die Spieler brauchen Urlaub'. Da müssen alle auch in die Pflicht genommen werden.

Das Gespräch führte Thomas Mörs