Seit seinem Amtsantritt beim VfB Stuttgart im November 2008 ging es für Trainer Markus Babbel und die Schwaben nach oben. Am Ende der vergangenen Sasion belegte der VfB schließlich Platz 3 und darf nun um die Qualifikation für die Champions League kämpfen.

In der neuen Saison wartet eine Mehrfachbelastung auf den Coach. Seit 2. Juni absolviert Babbel die Ausbildung zum Fußballlehrer. Zehn Monate muss er die Schulbank drücken. Jeweils von Montag bis Mittwoch wird der Europameister von 1996 in Köln beim Unterricht sein.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Babbel über den Verlust seines besten Torjägers Mario Gomez, die Doppelbelastung durch den Fußball-Lehrer-Schein und das Auftaktspiel der Saison am Freitag gegen seinen Vorgänger und jetzigen Wolfsburg-Trainer Armin Veh.

bundesliga.de: Herr Babbel, nach Anlaufschwierigkeiten ist Ihre Mannschaft im Pokal gegen Großaspach in die nächste Runde eingezogen. Wo steht der VfB im Moment?

Markus Babbel: Die Jungs haben sehr, sehr gut trainiert und das Training hochprofessionell durchgezogen. Es waren Einheiten dabei, die waren kein Zuckerschlecken. Die körperliche Basis stimmt. Jetzt gilt es, das in den Spielen zu zeigen, den Rhythmus zu finden und sich wieder vor großem Publikum zu beweisen.

bundesliga.de: Wer sind aus Ihrer Sicht die Gewinner der Vorbereitung?

Babbel: Das kann und will ich nicht beantworten. Für die, die ich nicht nenne, wäre es ein Schlag ins Gesicht. Jeder Einzelne hat sehr gut trainiert. Für mich wird es unglaublich schwierig sein, für die ersten Spiele elf Mann auszuwählen. Die einzigen Verlierer der Vorbereitung sind Khalid Boulahrouz und Roberto Hilbert. Sie waren in sehr, sehr guter Form und haben sich dann schwerer verletzt.

bundesliga.de: Ist Sebastian Rudy ein Kandidat, den man in dem Zusammenhang mit den Gewinnern nennen kann?

Babbel: Er zeigt, dass er unbedingt rein will, und tut alles dafür. Es ist kein Geheimnis, dass die jungen Spieler beim VfB ihre Chance bekommen, wenn sie Willen zeigen. Mein Motto ist: Wenn zwei Spieler gleich stark sind, werde ich immer den jüngeren bevorzugen. Er ist auf einem sehr guten Weg und zeigt das im Training. Wenn er so weitermacht, wird er mit Sicherheit seine Einsatzzeiten bekommen.

bundesliga.de: Mit Mario Gomez hat der VfB nicht nur einen treffsicheren Stürmer sondern auch einen Führungsspieler verloren. Sehen Sie gerade bei den Jüngeren jemanden, der in eine Rolle als Führungspersönlichkeit hineinwachsen könnte?

Babbel: Wir haben abgesehen von Jens Lehmann und Kapitän Thomas Hitzlsperger viele Spieler, die in die Bresche springen können. Es ist eine Chance für jeden einzelnen, sich hervorzutun. Wie sich beispielsweise Serdar Tasci in der Vorbereitung präsentiert hat, das zeigt mir, dass er unbedingt in diese Kategorie kommen will. Es ist sehr schade, dass Mario nicht mehr dabei ist, weil er in der Mannschaft sehr beliebt war. Doch diesen Part zu übernehmen, ist für jeden einzelnen jetzt eine riesige Chance.

bundesliga.de: Sie machen nebenher den Trainerlehrgang. Wie verkraften Sie die Doppelbelastung?

Babbel: Bislang ging es gut. Allerdings war es, ehrlich gesagt, noch nicht wirklich stressig. Ein großes Glück ist, dass wir jetzt drei Wochen Praktikum haben und ich deshalb in der entscheidenden Phase der Vorbereitung bei der Mannschaft sein kann. Wie es tatsächlich ist, wird sich zeigen, wenn wir in den Spielbetrieb einsteigen. Dann geht auch wieder die Schule los. Ich bin aber sehr zuversichtlich, weil ich das große Glück habe, in einem funktionierenden Trainerteam zu arbeiten.

bundesliga.de: Werden Sie dann häufiger Telefongespräche mit einzelnen Spielern führen?

Babbel: Nein. Es ist so ausgemacht, dass man mich in gravierenden Fällen in der Mittagspause erreichen kann. Falls nichts vorfällt, telefonieren wir am Abend und tauschen uns aus.

bundesliga.de: Im ersten Saisonspiel treffen Sie auf Armin Veh, der jetzt den VfL Wolfsburg trainiert. Ein besonderes Spiel für Sie?

Babbel: Es ist ein besonderes Spiel, weil wir zuerst gegen den Titelverteidiger spielen, noch dazu auswärts an einem Freitagabend. Der Begleitumstand, dass Armin Veh dort neuer Trainer ist, macht das ganze Drumherum noch etwas interessanter. Er war lange in Stuttgart, hat tolle Arbeit abgeliefert. Man freut sich auf das Wiedersehen, aber genau wie er versuchen wir, drei Punkte zu ergattern. Alles andere zählt in dem Moment nicht.

bundesliga.de: Werden Sie ihn vorher anrufen?

Babbel: Nein, man sieht sich ja dann beim Spiel. Davor und danach haben wir genug Zeit, uns auszutauschen. Da muss ich vorher nicht telefonieren.

bundesliga.de: Wie sieht Ihr Saisonziel aus? Können Sie das in Zahlen formulieren?

Babbel: Das mache ich jetzt nicht. Nicht weil ich abergläubisch bin oder nicht daran gemessen werden will. Ich will wieder den Fußball sehen, den sie mir im letzten halben Jahr gezeigt haben. Wenn wir bestätigen, warum wir auf dem 3. Platz gelandet sind, werden wir automatisch wieder oben dabei sein. Ein Verein wie der VfB muss versuchen, immer international dabei zu sein. Die Leistungen der letzten Saison zu bestätigen und eventuell noch zu verbessern, das ist unser Anspruch. Daran arbeiten wir tagtäglich.

Das Gespräch führte Andreas Messmer



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