Fürth - Die SpVgg Greuther hatte ihre Hausaufgaben souverän erledigt und ihr letztes Spiel gegen Sandhausen 2:0 gewonnen. Für den direkten Aufstieg reichte das jedoch nicht. Jetzt fordern die Franken den großen Hamburger SV in der Relegation heraus. Vor dem ersten Duell (Do., ab 20 Uhr im Live-Ticker) schätzt Kleeblatt-Keeper Wolfgang Hesl die Lage ein.

Frage: Herr Hesl, wie tief sitzt die Enttäuschung, dass es trotz des 2:0-Sieges nicht zum Aufstieg gereicht hat?

Wolfgang Hesl: Von Enttäuschung kann man nicht sprechen. Uns hätte ja vor der Saison keiner zugetraut, dass wir bis zum Ende der Saison um den direkten Aufstieg mitspielen.

Frage: Und nun geht es am Donnerstag und am Sonntag gegen den HSV, Ihren ehemaligen Verein. Ein besonderes Spiel?

Hesl: Hamburg ist für mich nur etwas Besonderes, weil ich da mal gespielt habe. Zu den meisten der heutigen Spieler habe ich keinen Kontakt mehr, aber von den Leuten drumherum kenne ich natürlich noch ein paar. Da wird das Handy sicher ein paar klingeln.

Frage: Also kann man doch von einem besonderen Spiel sprechen?

Hesl: Klar ist es etwas Besonderes, da zu spielen, ich war schließlich siebeneinhalb Jahre in Hamburg.

Frage: Wo man Sie letztlich offenbar nicht für bundesligatauglich hielt.

Hesl: Ach, ich hatte auch viele schöne Jahre dort. Mir wurde in Hamburg der Einstieg ins Profigeschäft ermöglicht. Und auch wenn mir der ganz große Sprung verwehrt wurde, hege ich da keinen Groll. Es stimmt aber schon: Ich kann mit meiner letzten Saison hier in Fürth sehr zufrieden sein.

Frage: Hoffen Sie, dass der HSV die Fürther unterschätzt?

Hesl: Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass der HSV Respekt vor uns hat. Die werden uns schon ernst nehmen. Ich glaube, dass sie wissen, dass sie uns nicht ins Spiel kommen lassen dürfen. An sich ist das jetzt für uns etwas Historisches, eine gute Plattform für alle von uns, um uns zu empfehlen.

Frage: Ist es ein psychologischer Vorteil zu wissen, dass der Gegner alles verlieren kann, man selbst aber gelassener auftreten kann?

Hesl: Gestern in der "Sky"-Konferenz hieß es, der HSV habe einen Etat von 40 Millionen Euro. Da sind wir noch ein bisschen von entfernt, deswegen sind die Rollen auf dem Papier erst mal klar verteilt. Aber genau das ist unsere Chance.

Frage: Also kein Mitleid mit dem Ex-Verein?

Hesl: Ich habe jetzt das Kleeblatt auf der Brust, da ist es doch klar, dass ich mit Fürth Bundesliga spielen will.

Frage: Wegen der Diskrepanz zwischen Etat und Tabellenstand finden ja auch viele, dass der HSV einmal einen Abstieg verdient hätte. Wie sehen Sie das?

Hesl: Es ist offensichtlich, dass da in den letzten Jahren ein bisschen etwas schiefgelaufen ist. Aber wenn sie jetzt sportlich den Klassenerhalt schaffen, dann haben sie es auch verdient.

Frage: Ist es denn nicht komisch, nach so einer tollen Saison jetzt Relegation spielen zu müssen? Vor ein paar Jahren wäre Fürth als Dritter sicher aufgestiegen...

Hesl: Es ist doch müßig, sich darüber jetzt Gedanken zu machen. Vielleicht sind wir nächstes Jahr oben und profitieren als Drittletzter von der Regel.

Aufgezeichnet von Christoph Ruf