Siegburg - Sein Kampfgewicht von etwa 73 Kilogramm hat Wolfgang Overath immer noch. Und er tut auch einiges dafür. Zweimal die Woche spielt er noch Fußball in der Halle und Mitstreiter erzählen schmunzelnd, dass das Spiel nicht beendet werden darf bis Overaths Team gewonnen hat.

Die Knochen schmerzen am Morgen danach mehr als vorher, doch die Fitness des einst genialen Spielmachers, der am Sonntag 70 Jahre alt wird, ist bewundernswert. Zum Laufen, zum Schwimmen muss sich Wolfgang Overath manchmal zwingen. Aber Fußball spielen geht immer.

Kleine Feier im engsten Kreis



Der Ball ist nunmal sein Leben. Aber in die Öffentlichkeit drängt der bodenständige Rheinländer nicht mehr. Seit seinem Rücktritt als Präsident des 1. FC Köln im November 2011 meidet Overath nicht nur öffentliche Kommentare zu seinem "Eff-Zeh". Den Ehrentag am Sonntag feiert er im engsten Familienkreise. Erzählen möchte er nichts. Und zuhause sein wird er auch nicht. Das Telefon in seiner Heimatstadt Siegburg wird Sturm klingeln, rangehen wird niemand.

Um den Posten des Präsidenten hatte sich der Weltmeister von 1974 nicht gerissen. Mehrfach hatten sie ihn bekniet. Irgendwann, im Juni 2004, gab er nach, "weil ich dem Verein etwas zurückgeben wollte".

Der Ehrenamtler Overath war stets engagiert, handelte aber nicht immer glücklich. Am Ende wurde ihm gar vorgeworfen, er klebe an seinem Stuhl und schade dem FC. Etwas Schlimmeres konnte man ihm nicht vorwerfen. Also trat Overath mit einem Paukenschlag zurück. Informiert hatte er vorher aber niemanden.

Zweites Standbein neben dem Fußball



Von da an hatte er genug vom Fußball-Geschäft. Vom Fußball selbst wird er aber nie lassen können. Das hat er schon vor Jahren angedeutet. "Wenn mir einer den Ball wegnehmen würde, das wäre schlimm. Ich glaube, daran würde ich kaputtgehen", hatte er mal gesagt: "Ich kann nicht verstehen, wie man freiwillig damit jemals aufhören kann."

Overath pflegt seinen Körper auch heute nicht durch Fußball. Er pflegt ihn immer noch für den Fußball. Morgens ein selbstgemachtes Müsli, tagsüber ein paar Äpfel, kaum Alkohol - der drahtige und stets braungebrannte Ex-Profi lebt fast schon asketisch. Doch der Fußball allein reichte dem gläubigen Familienmenschen Wolfgang Overath auch nie.

Schon in jungen Jahren war er im Immobiliengeschäft tätig. "Ich habe schon mit 19 meine ersten Häuser gebaut", sagte er einmal in einem NGZ-Interview: "Als ich noch jünger war, war mein ganzes Streben darauf ausgerichtet, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Erst mit Mitte 40 habe ich mir gesagt: Das kann doch nicht alles gewesen sein in deinem Leben. Und dann habe ich damit angefangen, mich für andere einzusetzen. Sie glauben gar nicht, wie befriedigend das ist, wenn man in Not geratenen Menschen helfen kann."

"Für mich gab es ein Leben lang nur den FC"



Zum Beispiel veranstaltet er an Weihnachten immer ein Fest für Obdachlose, und bereut "nur, dass ich damit nicht schon viel früher begonnen habe. Aber wenn man jünger ist, hat man einfach noch zu viel mit sich selber zu tun". Und zu Kölner Zeiten auch mit Star-Trainer Hennes Weisweiler. Die beiden Platzhirsche fochten beim Geißbock-Club einige Machtkämpfe aus. Weisweiler sagte einmal öffentlich, sein Star sei "für unser Spiel zu langsam und zu wenig deckungstreu". Der zwischenzeitlich aufs Abstellgleis verbannte Regisseur konterte nach seiner Rückkehr, Weisweiler habe "einige Fehler gemacht". Das Double holte der FC übrigens ausgerechnet im Jahr nach Overaths Rücktritt.

Dennoch ist Overath eine, wenn nicht die FC-Legende. Drei Titel, eine Meisterschaft und zwei Pokalsiege holte er immerhin. Für den FC bestritt er als Aktiver 765 Spiele und erzielte dabei 287 Tore. Treu geblieben ist er seinem FC immer, auch wenn er sich im Stadion kaum noch blicken lässt. "Für mich gab es ein Leben lang nur den FC", stellte Overath klar: "Der könnte sogar bis in die vierte Liga abrutschen, ich würde trotzdem nie zu einem anderen Club gehen."