Während die Bundesliga-Kicker nach der langen Saison ihren verdienten Urlaub genießen, beginnt für die meisten Vereinsmanager und Sportdirektoren die Arbeit jetzt erst richtig. Viele Clubs haben jetzt erst Planungssicherheit und wissen, mit welchen Etats und in welcher Liga sie kalkulieren können.

Ungewöhnlich ist in dieser Sommerpause aber, dass bei vielen Vereinen kurzfristig der wichtigste Job noch zu vergeben ist, der des Cheftrainers. In Frankfurt trat Friedhelm Funkel zurück, in Hamburg Martin Jol, Wolfsburg sucht einen Nachfolger für Meistermacher Felix Magath, Mönchengladbach einen für Hans Meyer. In Leverkusen wird bald klar, dass Bruno Labbadia gehen will, und in Köln verabschiedet sich Christoph Daum in einer Nacht-und Nebel-Aktion nach Istanbul.

Das Karussell dreht sich

Während sonst meistens die Vereine ihre Coaches feuern, drehen diesmal die Trainer den Spieß einfach um. Alle genannten Trainer gehen aus freien Stücken, obwohl sie bei ihren Clubs hätten weiterarbeiten können.

So brodelt die Gerüchteküche munter vor sich hin, bis nach und nach überall die neuen Übungsleiter vorgestellt werden. Manche Entscheidung wurde erwartet, manche kommt überraschend.

Gladbach und Frankfurt werden fündig

Für die Verpflichtung von Michael Frontzeck in Mönchengladbach hatte sich noch sein Vorgänger eingesetzt. Frontzeck ist gebürtige Mönchengladbacher. Er wurde bei der Borussia Profi und Nationalspieler und war nach seiner aktiven Karriere auch einmal Co-Trainer unter Meyer. Diese Personalie überrascht nicht.

Auch Michael Skibbes Engagement in Frankfurt ist keine Sensation, ebenso wenig die Unterschrift von Armin Veh in Wolfsburg. Der frühere Stuttgarter Meistertrainer galt als Favorit auf den Posten, den er selbst "als schwierigsten Job der Liga" bezeichnet. Und dass Bruno Labbadia Wunschkandidat beim HSV ist, daraus macht niemand einen Hehl.

Leverkusen überrascht

Erstaunen löst die Vorstellung von Jupp Heynckes in Leverkusen aus. Der 64-Jährige hatte seine Karriere eigentlich bereits beendet, bevor ihn Uli Hoeneß zum Ende der vergangenen Saison zu einem Fünf-Wochen-Job in München überreden konnte. Heynckes bewährte sich und fand wieder Gefallen am Trainerdasein. Als Rudi Völler ihm die Stelle in Leverkusen anbietet, greift er zu.

Bleibt noch der 1. FC Köln, der als letzter Club auf die neue Situation reagieren muss und schließlich mit Zvonimir Soldo einen alten Bekannten präsentiert. Allerdings rührt Soldos guter Ruf noch aus seinen Spielertagen her. Als Trainer muss er sich erst noch beweisen.

Bei Hertha BSC darf der Trainer Lucien Favre nach einem erfolgreichen Jahr selbstverständlich weitermachen. Sein Vorgesetzter allerdings nicht. Dieter Hoeneß, der eigentlich noch ein Jahr lang Manager in Berlin bleiben wollte, muss gehen. Ähnlich ergeht es später HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer, der ebenfalls seinen Job los wird.

"Club"-Präsident macht Schluss

Weitere Bundesliga-Urgesteine geben ihren Rücktritt bekannt. In Nürnberg dankt Michael A. Roth nach 15 Jahren Präsidentschaft ab. Auch Deutschlands Starschiedsrichter Herbert Fandel sucht nach neuen Herausforderungen.

Das Spielerkarussell dreht sich munter, aber die ganz großen Kracher sind noch nicht dabei. Zumindest in Deutschland. Der spanische Rekordmeister Real Madrid dagegen begibt sich wieder einmal auf große Shoppingtour kreuz und quer durch Europa.

Das Beste vom Besten ist gerade gut genug, Geld spielt keine Rolle. Erst kommt Kaka aus Mailand, dann Cristiano Ronaldo aus Manchester, außerdem Karim Benzema aus Lyon und Xabi Alonso aus Liverpool.

Nationalelf feiert Kantersieg

Der Ball rollt auch noch. Die Nationalmannschaft gewinnt bei den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 7:2. Manuel Neuer debütiert im Tor, Mario Gomez glänzt als vierfacher Torschütze.

Seine Karriere in der deutschen Eliteauswahl nach nur drei Einsätzen für beendet erklärt dagegen der frustrierte Schalker Jermaine Jones, der für die Asienreise einmal mehr nicht vom Bundestrainer nominiert wurde. Er will künftig für die USA auflaufen, das Land, aus dem sein Vater stammt.

Auch die Junioren spielen noch. Die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren gewinnt der 1. FSV Mainz 05 durch ein 2:1 gegen Borussia Dortmund. Trainer der Mainzer ist ein gewisser Thomas Tuchel. Den B-Jugendtitel sichert sich der VfB Stuttgart durch ein 3:1 nach Verlängerung gegen Bayern München.

Triumph für die U21

In Südafrika wird der Confed Cup ausgespielt. Die Generalprobe vor der WM 2010 endet mit einem 3:2-Finalsieg von Brasilien gegen die USA. Die deutsche U-21-Nationalmannschaft triumphiert bei der Europameisterschaft in Schweden.

Nach mäßigem Beginn steigert sich die prominent besetzte Elf von Trainer Horst Hrubesch und deklassiert im Finale England nach Toren von Gonzalo Castro, Mesut Özil, und zwei Mal Sandro Wagner mit 4:0. Damit stellt Deutschland aktuell die Europameister der U 17, der U 19 und der U 21.

Tobias Gonscherowski

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