Leverkusen - Rechtzeitig vor dem Topspiel bei Borussia Dortmund am Sonntag scheint Bayer 04 Leverkusen wieder in Form zu kommen. Die Mannschaft von Roger Schmidt schoss sich beim 4:1-Sieg in der Champions League gegen BATE Borisov auf den Tabellenführer ein und reist nun voller Selbstvertrauen in den Signal Iduna Park.

Gegen die Weißrussen war eine Reaktion gefragt. Nach der schlechten Leistung und der 0:1-Heimniederlage gegen Darmstadt 98 musste die Werkself Farbe bekennen. "Es war eine Standortbestimmung, wohin die Reise geht", sagte ein erleichterter Geschäftsführer Michael Schade. "Die Mannschaft hat eine gute Reaktion gezeigt, ich hoffe, dass wir das Selbstvertrauen in die Bundesliga mitnehmen können. Am Sonntag wird sich entscheiden, ob einer der Mitkonkurrenten schon weit enteilt oder in Schlagdistanz bleiben wird."

BVB seit vier Spielen sieglos gegen Bayer

Auf Leverkusen wartet ein richtungsweisendes Spiel. Gewinnen die Rheinländer, liegt Dortmund nur noch drei Punkte vor ihnen, geht das Spiel verloren, sind es dagegen schon neun. Mut macht ein Blick in die Statistik. Leverkusen verlor keine der letzten vier Begegnungen und siegte bei den letzten beiden Aufeinandertreffen in Dortmund. Unvergessen ist der 2:0-Erfolg am 1. Spieltag der vergangenen Saison, als Karim Bellarabi nach nur neun Sekunden das damals schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte erzielte und die Weichen früh auf Sieg stellte.

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Allerdings strotzt der Gegner nach zehn Siegen in zehn Pflichtspielen nur so vor Selbstbewusstsein. "Es wird sicherlich ein sehr schweres Spiel, weil Dortmund im Moment richtig gut in Form ist", sagt Kevin Kampl, der noch zu Saisonbeginn bei Dortmund unter Vertrag stand und nun das Trikot der Werkself trägt. "Aber wir haben auch eine Supertruppe und wollen auch in Dortmund mutig spielen und Vollgas geben."

Chicharito fügt sich nahtlos ein

In der Champions League verdiente sich Kampl ebenso wie der andere prominente Last-Minute-Neuzugang Javier Hernandez, besser bekannt als Chicharito, die Bestnote. Während Kampl auf der für ihn eher ungewohnten Sechser-Position agierte, wirbelte Chicharito die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander. Der 75-malige mexikanische Nationalspieler fügte sich ins Leverkusener Spiel ein, als würde er schon jahrelang für Bayer 04 spielen. Sehenswert war auch sein Tor zum vorentscheidenden 3:1.

"Chicharito macht einen sehr lebendigen Eindruck. Man hat gesehen, dass er topintegriert ist und uns auch fußballerisch weiterbringt, weil er im entscheidenden Moment da sein kann", lobt Bayer-Keeper Bernd Leno den neuen Teamkollegen. "Es hat geholfen, dass er sehr gut englisch spricht und er mit allen Spielern kommunizieren kann. "

Neue taktische Möglichlkeiten

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Der Mexikaner selbst blieb bescheiden. "Ich bin sehr glücklich über mein erstes Tor. Wichtiger war aber das Resultat", meinte Chicharito. "Wir haben als Team eine gute Vorstellung abgeliefert. Das Ergebnis sollte uns eine Menge Selbstvertrauen für die Bundesliga geben." Dank des Königstransfers Chicharito ist die ohnehin schon erstklassig besetzte Abteilung Attacke der Werkself noch schwerer auszurechnen.

Trainer Roger Schmidt ergeben sich neue taktische Möglichkeiten und personelle Alternativen. Gegen Borisov saß Bayer-Ikone Stefan Kießling zunächst nur auf der Bank und durfte mitansehen, wie gut seine Konkurrenten Admir Mehmedi (Schütze des 1:0-Führungstores) und Chicharito miteinander harmonierten. Der Kampf um die Plätze im Angriff ist voll entbrannt. Es wird spannend zu sehen sein, welche Stürmer Schmidt in Dortmund auflaufen lässt.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski