München - Zwei Spieltage der Rückrunde sind absolviert. Auch wenn ein Großteil der Rückrunde noch vor den Teams liegt, lässt sich von den 180 gespielten Minuten im Fußballjahr 2011 doch zumindest ein Trend ablesen, wie es für die Mannschaften weiter gehen könnte. bundesliga.de hat genau hingeschaut: Die Kategorien Tore, Gegentore, eigene und gegnerische Torschüsse sowie Chancenverwertung, Zweikampfquote, Passgenauigkeit und Ballbesitz standen dabei im ligaweiten Vergleich.

Im Fokus stehen die Daten und Trends dreier Bundesligisten: Rekordmeister Bayern München, der den eigenen Ansprüchen noch hinterher läuft, die Champions-League-Teilnehmer von Werder Bremen, die sich derzeit in einer komplett ungewohnten Situation befinden und das Team von Borussia Mönchengladbach, das fast schon ein Wunder für den Klassenerhalt braucht. Wohin führt der Weg dieser drei Traditionsclubs?

Bayern München: Meisterträume ade?

Die Rhetorik der Verantwortlichen und Spieler des Deutschen Meisters ist in diesen Tagen alles andere als eindeutig. Blies man in der Winterpause noch zur großen Aufholjagd, schien diese nach dem erneuten Dämpfer am 18.Spieltag schon wieder vorbei. Eine Gala gegen Kaiserslautern und ein Dortmunder Unentschieden später ist in München schon wieder leise zu hören, das Titelrenn sei womöglich doch noch nicht entschieden.

Statistisch ist der FCB in meisterlicher Form. Vergleicht man die Quote aller Bundesligisten in punkto erzielte Tore (sechs), Torschüsse (33), Passgenauigkeit (knapp 84 Prozent) und Ballbesitz (etwa 64 Prozent) nach der Winterpause, thronen die Münchner überall auf Rang 1. Auch die Chancenverwertung (etwa 23 Prozent, Platz 3) liegt im annehmbaren Bereich - lediglich die Kategorien Zweikämpfe, zugelassene Gegentore (beide Rang 7) und zugelassene Torschüsse (23, Platz 10) sind verbesserungswürdig.

Fazit: In der Offensive um Robben und Gomez ist der FCB bereits meisterlich und kann mit dieser Form noch mal ganz oben angreifen. Defensiv genügen die bisher gezeigten Leistungen noch nicht den Ansprüchen. Platz 2 scheint insgesamt realistisch, wenn die Münchner ihre bisherige Rückrundenform konservieren können - für mehr würde dem FCB nur ein totaler Einbruch des BVB helfen.

Werder Bremen: Wirklich ein Abstiegskandidat?

Werder ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen, das Wort Abstiegskampf ist kein Fremdwort mehr an der Weser. Die Abgänge von Mesut Özil (vor der Saison) und Toptorjäger Hugo Almeida (in der Winterpause) in Verbindung mit Verletzungen von Leistungsträgern wie Naldo haben den Verein in eine vollkommen ungewohnte Position gebracht. Vom Umfeld und vom restlichen Kader her sind die Hanseaten eigentlich noch ein Top-Club, doch abrufen konnten sie dies bisher nur selten.

Auch die Statistik der Rückrunde zeigt, dass Bremen durchaus das Potenzial für eine bessere Platzierung hätte. So belegt die Schaaf-Elf in der Kategorie Ballbesitz Rang 3 (fast 60 Prozent), auch in punkto zugelassene Torschüsse (Platz 7), Chancenverwertung (Rang 8) erzielte Tore und Passgenauigkeit (beide Platz 9) liegt das Team immerhin im einstelligen Bereich. In den schwächeren Kategorien (vier Gegentore, Rang 13; Zweikampfquote knapp 47 Prozent, Platz 14; 15 abgegebene Torschüsse, Platz 16) rangiert Werder allerdings in den unteren Tabellregionen.

Fazit: Obwohl Bremen im Spiel gegen Köln desolat wirkte, gibt die Statistik Anlass zur Hoffnung. In den meisten Kategorien ist die Ausbeute in der Rückrunde zwar nicht glanzvoll, aber solide und lässt auf das Potenzial des Teams schließen, auf jeden Fall einen Mittelfeldplatz erreichen zu können. In keiner einzigen Kategorie liegt Werder auf einem direkten Abstiegsplatz. Verbessern muss sich die Truppe vor allem im Bereich Torschüsse.

Borussia Mönchengladbach: Berechtigte Hoffnung?

Auch in Gladbach hat man trotz der prekären Lage am Trainer festgehalten. Die Mannschaft wurde in der Winterpause durch prominente Neuzugänge wie Mike Hanke und Martin Stranzl punktuell verstärkt und überzeugte in den Testspielen, in denen die Elf von Coach Michael Frontzeck ohne Gegentor blieb. Der Letzte der Hinrunde hatte im Winter neue Hoffnung geschöpft.

Gladbachs Rückrundendaten bestätigen diesen Trend. Zwar liegen die "Fohlen" in keiner Kategorie besser als Platz 9, doch das ist auch nicht der Anspruch der Borussia. Am meisten zu kämpfen hat das Tabellenschlusslicht mit den Kategorien Passgenauigkeit (nur 74,6 Prozent) und Ballbesitz (37,5 Prozent) - hier liegt das Team auf Rang 17 beziehungsweise 18. In allen anderen Teilen der Statistik (Platz 13 in der Chancenverwertung, Platz 12 bei zugelassenen Torschüssen, Elfter bei den Gegentoren, Zehnter in der Zweikampfquote und Platz 9 in punkto erzielte Tore und Torschüsse) liegt die "Fohlenelf" deutlich über den Abstiegsregionen.

Fazit: Gerade in der Offensive hat das Team schon angedeutet, dass es das Potenzial für die Bundesliga besitzt. Gelingt es dem Tabellenschlusslicht jetzt noch, zu große Dominanz der Gegner im Spiel zu verhindern und seine eigene Passquote und Ballbesitzrate dementsprechend zu steigern, ist der Klassenerhalt in Sichtweite - der Sieg in Nürnberg war der erste Schritt dazu.



Christoph Gschoßmann