München - Dem HSV ist mit zwei Siegen ein Traumstart in die Saison geglückt. Der Auftakt weckt Erinnerungen an die vergangene Saison, als den Hamburgern der beste Start ihrer Bundesliga-Geschichte gelang.

In der Saison 2009/10 gewannen die "Rothosen" vier der ersten fünf Spiele, bei einem Remis. Theoretisch könnten die Hanseaten diesen Rekord dieses Jahr sogar noch verbessern, denn 2009/10 gab es am 1. Spieltag nur ein 1:1 in Freiburg.

Vom 3. bis zum 7. Spieltag grüßten die Hamburger im vergangenen Jahr vom "Platz an der Sonne". Doch dann kam der rasante Absturz: Ein ernüchterndes Ergebnis reihte sich an das nächste, die Hanseaten purzelten Platz um Platz und landeten am Ende hart auf dem 7. Tabellenrang, der nicht zur Teilnahme im internationalen Geschäft berechtigt. Zuvor hatte ein 1:5 in Hoffenheim drei Spieltage vor Saisonende Trainer Bruno Labbadia den Job gekostet.

"Abgerechnet wird nach 34 Spieltagen"

Sicher ein Mitgrund, warum sich sein Nachfolger Armin Veh von der Idealausbeute nicht blenden lässt: "Abgerechnet wird immer nach 34 Spieltagen", lautet das Motto des Augsburgers: "Die Spitze in der Bundesliga ist ziemlich breit. Dabei wird es oft nur um Nuancen gehen."

Trotzdem stimmt der perfekte Start mit Blick auf die Bilanz hoffnungsfroh: Auch 2005/06 startete der HSV mit zwei Siegen in die Saison und am Ende landeten die Norddeutschen auf dem 3. Platz - das beste HSV-Ergebnis im letzten Jahrzehnt. Die erste Saisonpleite setzte es damals unter Coach Thomas Doll erst am 9. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg.

"Wir werden jetzt jedoch nicht den Fehler machen und über irgendwelche Ziele sprechen", sagte der neue Kapitän Heiko Westermann bereits nach dem Auftaktsieg gegen Schalke.

Bessere Chancenverwertung als 2009

Kein schlechtes Motto, angesichts der Vorsaison: In der letzten Spielzeit setzte es die 1. Niederlage für die Labbadia-Truppe sogar erst am 11. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach (2:3). Umso bitterer war dann der abschließende Absturz.

Dass die "Rothosen" diesen in der laufenden Saison vermeiden, dafür sprechen die Leistungsdaten aus den ersten beiden Partien. Ruud van Nistelrooy und Co. legten eine bessere Chancenverwertung, bessere Zweikampfwerte und eine höhere Passgenauigkeit an den Tag als das Team in der Hinrunde 2009/10.

2005/06

Hinrunde 2009/10

2010/11

Chancenverwertung

14%

17%

20%

Passgenauigkeit

80%

80%

86%

gewonnene Zweikämpfe

keine Daten

51%

60%

"Alles andere sind Spekulationen"

Für Coach Veh kamen die starken Leistungen zum Auftakt nicht überraschend. "Wir haben eine ordentliche Mannschaft, das ist allen bewusst", sagt der 49-Jährige.

Insbesondere seine Offensivreihe ist ausgezeichnet besetzt - sogar im zweiten Glied. Mit Mladen Petric gelang es den Hamburgern kurz vor Transferschluss, einen umworbenen Star zu halten. "Er ist ein wichtiger Spieler für uns und ich bin froh, dass ich ihn habe", erklärt der Trainer: "Wenn ich ihn nicht gewollt hätte, dann hätte ich es ihm auch gesagt. Alles andere sind Spekulationen."

Die nächste Bewährungsprobe wartet am 11. September gegen Nürnberg auf Vehs Truppe. Glückt den Hanseaten der nächste Sieg, hätten sie damit einen Rekord eingestellt: Nur 1974/75 konnte der HSV die ersten drei Saisonspiele gewinnen. Am Ende reichte es damals für Platz 4.


Andreas Messmer