Wolfsburg - Champions-League-Wochen für den VfL Wolfsburg. Nach dem 2:0 in der Champions League gegen den PSV Eindhoven und der klaren Niederlage im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München kam es in der Bundesliga gegen Bayer 04 Leverkusen zum dritten Aufeinandertreffen in der Volkswagen Arena mit einem Team aus der Königsklasse innerhalb von zehn Tagen. Der VfL gewann das Duell der Werksclubs mit 2:1 und zog an Schalke vorbei auf den direkten Champions-League-Platz drei.

"Das ist wie auf einer Achterbahnfahrt", fühlte sich Nicklas Bendtner, der die Wölfe in der 35. Minute in Führung geschossen hatte, nach dem Auf und Ab der vergangenen Tage, in denen der VfL mit einem 1:0 in Darmstadt noch den ersten Auswärtssieg der Saison eingefahren hatte.

Hecking baut halbe Mannschaft um

Gegen Leverkusen ging Coach Dieter Hecking volles Risiko. Gleich die halbe Mannschaft hatte der VfL-Coach verändert. Neben Bendtner rückten noch Sebastian Jung, Timm Klose, Maximilian Arnold und Weltmeister André Schürrle in die Startelf.

"Ich habe immer gesagt, dass wir bei dem Programm mit vielen schweren Spielen rotieren müssen. Das macht man natürlich nicht an den ersten Spieltagen, wenn alle fit sind, aber die vergangenen Wochen haben viel Kraft gekostet, und da habe ich so entschieden", begründete Hecking die Maßnahme.

"Das dürfen wir als Verein erwarten"

Dabei hatte der 51-Jährige "ein gutes Gefühl, auch wenn die Mannschaft noch nie in dieser Besetzung zusammengespielt hat, es war eine Mannschaft auf dem Platz", war Hecking "sehr zufrieden. Und den Spielern, die nicht so häufig von Beginn an gespielt haben, gibt es bestimmt einen Push. Sie wissen, dass ich mich auf sie verlasse und haben mir gezeigt, dass sie voll da sind."

Für Sport-Geschäftsführer Klaus Allofs war die Leistung des neu formierten Teams "keine Überraschung. Das dürfen wir als Verein erwarten. Die Spieler bekommen bei uns gutes Geld - und das pünktlich - und sie werden bei uns gut behandelt."

Glückliches Händchen

Zudem bewies Hecking zum dritten Mal in Folge ein glückliches Händchen bei seinen Wechseln. Gegen Bayern erzielte der eingewechselte Schürrle den Ehrentreffer, in Darmstadt traf Sieg-Torschütze Daniel Caligiuri nur drei Minuten nachdem er ins Spiel gekommen war, und gegen Leverkusen führte ein Doppelwechsel zum Erfolg.

In Minute 73 kam Julian Draxler für Arnold, eine Minute später ersetzte Bas Dost den 1:0-Schützen Bendtner. Nur drei Minuten danach legte der niederländische dem deutschen Nationalspieler zum 2:1-Endstand auf. "Wir haben gesagt, wenn wir reinkommen, drehen wir das Spiel", so ein blendend gelaunter Draxler nach seinem ersten Bundesliga-Treffer für den VfL.

Hecking zieht positives Fazit

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Hecking zieht nach knapp einem Drittel der Saison ein positives Fazit: "21 Punkte nach elf Spieltagen wollten wir haben und die haben wir. Wir stehen auf Platz drei. Das ist die Region, wo wir hinwollen, denn wir wollen auch im nächsten Jahr in der Champions League spielen."

Das will auch Bayer Leverkusen. Entsprechend enttäuscht war man bei den Gästen mit dem Ergebnis. "Wir haben gut gespielt und hatten alle Möglichkeiten, als Sieger vom Platz zu gehen", ärgerte sich Bayer-Trainer Roger Schmidt. "Heute sollte es einfach nicht sein. Wenn zwei starke Mannschaften aufeinandertreffen, muss man seine Torchancen eben auch nutzen."

Wölfe wollen neue Serie starten

Vor der Niederlage gegen den FC Bayern waren die Wölfe in heimischer Arena 27 Spiele in Folge nicht zu schlagen. "Ich hätte nichts dagegen, wenn wir heute wieder so eine Serie starten", sagte Draxler.

Aber zunächst stehen einmal stehen zwei Auswärtsspiele auf dem Programm. Am Dienstag gehen die Champions-League-Wochen mit dem Rückspiel in Eindhoven mit dem vierten Spiel auf europäischen Top-Niveau innerhalb von zwei Wochen zu Ende.

"Da spielen wir auf Sieg", gibt Schürrle die Richtung vor und stimmt mit seinem Nationalmannschaftskollegen Draxler überein. "Da können wir einen Riesenschritt machen. Wenn wir da einen Dreier holen, sieht es sehr gut aus mit dem Achtelfinale", sagt der Ex-Schalker.

Hecking warnt vor Mainz 05

Am Samstag geht es beim Tabellen-13. Mainz 05 weiter - eine vom Papier her vermeidlich leichtere Aufgabe. Doch für Hecking beileibe kein Selbstläufer.

"Die Bundesliga ist sehr ausgeglichen. Da gibt es keine Selbstgänger", warnt Hecking, der an Mainz keine guten Erinnerungen hat. "Ich habe, glaube ich, noch nie gegen Mainz gewonnen."

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs