Leverkusen - Bayer Leverkusen tanzt nur noch auf zwei Hochzeiten. Nach dem unglücklichen Ausscheiden im DFB-Pokal im Elfmeterschießen in Mönchengladbach konzentriert sich die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes jetzt ganz auf die Bundesliga und Europa League.

Kopfschüttelnd stapften die Spieler von Bayer Leverkusen nach dem Abpfiff des intensiven Pokalfights durch die Katakomben des Borussia-Parks. Wie sie dieses packende Duell hatten verlieren können, blieb ihnen ein Rätsel. Denn diese Niederlage war einfach überflüssig und unnötig.

"Irgendwie den Akku wieder aufladen"

Nach schwachem Beginn und einigen hochkarätigen Gladbacher Torchancen hatte die "Werkself" das Spiel nach etwa 30 Minuten scheinbar im Griff. Doch erst vergab Patrick Helmes in der regulären Spielzeit einen Elfmeter, dann kassierte Bayer im direkten Anschluss an die eigene Führung den Ausgleich. Und zum schlechten Ende scheiterte abermals Helmes im Elfmeterschießen. Damit ist Bayer raus aus dem Pokalwettbewerb.

So hielten sich die Spieler auch nicht lange mit der Analyse des eigenen Scheiterns auf. "Wir haben gar keine Zeit, um über den Pokal-K.-o. nachzudenken", meinte Bayer-Verteidiger Stefan Reinartz. Denn schon am Samstag steht für Leverkusen auf Schalke das nächste Schlüsselspiel an.

"Wir müssen jetzt irgendwie den Akku wieder aufladen", sagt Bayer-Sportchef Rudi Völler angesichts der nach wie vor angespannten personellen Situation bei den Rheinländern sorgenvoll: "Irgendwann wird es schwierig, wenn man immer mit der gleichen Mannschaft spielen muss."

Gute Bayer-Bilanz auf Schalke

In dieser Phase befindet sich Bayer jetzt. Es ist noch nicht viel passiert, die Situation ist aber auch nicht zu unterschätzen. Bei einer Niederlage auf Schalke droht Leverkusen nach dem Pokal-Aus auch den Anschluss an die Tabellenspitze in der Bundesliga zu verlieren und auf längere Sicht im Mittelmaß zu versinken. Schon jetzt hechelt Bayer dem Spitzenreiter aus Mainz bereits neun Punkte hinterher. Bayer steht vor den Wochen der Wahrheit.

Doch vielleicht kommt die Partie auf Schalke auch gerade zur rechten Zeit. Denn in kaum einem anderen Stadion der Bundesliga fühlen sich die "Werkskicker" so wohl wie in der Veltins-Arena. In den letzten zehn Jahren verlor Bayer nur ein einziges Mal gegen "Königsblau" und damals, vor fünf Jahren, musste Schalke gleich sieben Tore schießen, um Leverkusen beim 7:4 wenigstens dieses eine Mal zu bezwingen. Ansonsten stehen vier Leverkusener Auswärtssiege und fünf Unentschieden zu Buche, darunter zwei spektakuläre 3:3-Remis und ein 2:2.

Bayer-Torhüter René Adler hat gar noch nie auf Schalke, wo er vor knapp vier Jahren beim 1:0-Sieg sein überragendes Bundesliga-Debüt gab, verloren. Damals nutzte der inzwischen 25-Jährige die Chance, die sich ihm dank der Sperre des etatmäßigen Stammkeepers Jörg Butt urplötzlich bot. Er verdrängte Butt anschließend dauerhaft aus dem Kasten und wurde zum zeitweise besten Schlussmann der Bundesliga. Adler freut sich auf das Spiel ganz besonders: "Ich fahre immer gerne nach Schalke, auch weil ich da mein erstes Spiel gemacht habe. Das vergisst man als Spieler nicht. Das ist ein schönes Stadion, es gibt da tolle Fans. Und es ist für uns ein wichtiges Spiel."

Adler warnt: "Absolute Vorsicht geboten"

Doch niemand sollte sich vom derzeitigen schlechten Tabellenplatz der Schalker und der Tatsache, dass die "Knappen" bislang noch kein Bundesliga-Heimspiel gewinnen konnten, blenden lassen. "Ich gehe davon aus, dass die Schalker irgendwann die Wende schaffen werden", warnt Adler, "die haben einen hochbesetzten Kader. Da ist absolute Vorsicht geboten. Das wird ein ganz undankbares Spiel."

Zumal die Schalker sich zuletzt stabilisiert haben. In der Bundesliga verlor die Elf von Felix Magath nur eines der letzten fünf Spiele, in der Champions League hat Schalke daheim noch keinen Punkt abgegeben und auch im DFB-Pokal ist der Traditionsverein noch im Achtelfinale vertreten.

Auf seine Erfolgsserie in der Veltins-Arena sollte sich Bayer also nicht verlassen. Schließlich hatte Leverkusen auch in Mönchengladbach über 15 Jahre nicht mehr verloren. Zum Glück gibt es aber am Wochenende kein Elfmeterschießen …

Tobias Gonscherowski