Über den Stars und Kapitänen der WM in Südafrika liegt ein Fluch: Während Mitfavorit England am Wochenende die Absage des "verhexten" Abwehrchefs Rio Ferdinand traf und die Niederlande am Samstag vorerst ohne Bayern-Star Arjen Robben nach Südafrika reisten, mussten vor allem die afrikanischen Teilnehmer jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft hinnehmen.

Zunächst traf es Ghanas Michael Essien, dann sorgte bei der Elfenbeinküste der Ellbogenbruch von Teamleader Didier Drogba für helle Aufregung, ehe in Nigerias John Obi Mikel am Samstag der nächste Topstar verletzungsbedingt ausfiel.

"Vielleicht kann er mit einem Schutz spielen"

Zumindest bei Drogba, Afrikas Spieler des Jahres, hofft der ganze Schwarze Kontinent noch auf eine Wunderheilung. Zwar wurde nach dem Bruch des Ellbogens beim Testspiel gegen Japan (2:0) am Freitag zunächst das definitive WM-Aus verkündet, wenige Stunden später machte Trainer Sven-Göran Eriksson den Ivorern aber wieder leise Hoffnung.

"Drogbas WM-Teilnahme ist immer noch möglich. Vielleicht kann er mit einem Schutz spielen. Aber natürlich mache ich mir große Sorgen", sagte der schwedische Coach der Elfenbeinküste, der seinen Kapitän mit einer Arm-Manschette spielen lassen will. Die Operation am Samstag ist jedenfalls gut verlaufen. In einer Pressemitteilung äußerte der Verband Zuversicht auf eine "schnelle Rückkehr auf den Fußballplatz".

Allerdings müsste der Weltverband FIFA wie 2006 bei Philipp Lahm das Spielen mit einer Manschette erst genehmigen. Fraglich ist zudem, wann der Torschützenkönig der Premier League nach seiner Operation ins Turnier eingreifen könnte. "Wenn Didier nicht spielen kann, sind wir nicht dasselbe Team", sagte Kolo Toure von Manchester City auch mit Blick auf die schwierige Gruppe G mit den Gegnern Brasilien, Portugal und Nordkorea: "Er ist so ein wichtiger Spieler für uns, auch abseits des Platzes. Wenn er nicht spielen würde, wäre das sehr schlecht für uns." Genauso schlecht wie der WM-K.o. von Führungsspieler Essien für Ghana oder der Ausfall von Mikel für Nigeria.

Vier Chelsea-Stars im Pech

Unter Schock standen auch die Niederlande vor ihrer Abreise nach Johannesburg. Dem Jubel über das starke 6:1 gegen Ungarn folgte der Katzenjammer um die Verletzung von Robben. Der 26-Jährige hatte in Amsterdam nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit zunächst das dritte und sechste Tor makiert, ehe er in der 87. Minute ohne Fremdeinwirkung eine Verletzung im linken Bein erlitt. Robben wird zunächst in der Heimat bleiben und sich einer Kernspintomografie unterziehen.

Michael Ballack (Deutschland), David Beckham, Ferdinand, Essien, Mikel sowie vielleicht Drogba und Robben - das Verletzungspech der WM-Hochkaräter sorgte vor allem im Fußball-Mutterland England für Gedanken an üblen Voodoo-Zauber. "Ich fühle mich wie verhext. Das ist ganz bitter", sagte Englands etatmäßiger Kapitän Ferdinand, dessen WM-Aus an die Reaktionen bei der deutschen Nationalmannschaft nach der Knöchelverletzung von Ballack erinnerte. Dass in Ballack, Drogba, Mikel und Essien gleich vier Spieler des englischen Double-Gewinners FC Chelsea betroffen sind, sorgte für zusätzliche Fassungslosigkeit auf der Insel.

Ferdinand hatte sich bei der letzten Aktion im Training der Three Lions am Freitag südafrikanischen Royal Bafokeng Sports Campus bei einem Zweikampf mit Emile Heskey am linken Knie verletzt. "Emile trifft keine Schuld. Es war einfach furchtbares Pech. Jetzt hilft nur noch beten", sagte Englands Teammanager Fabio Capello. Der Italiener nominierte Michael Dawson von den Tottenham Hotspurs nach. Das Amt des Kapitäns wird Steven Gerrard vom FC Liverpool übernehmen.

Pirlo zum Reha-Programm in Mailand

Titelverteidiger Italien muss zumindest zu Beginn der WM auf Spielmacher Andrea Pirlo vom AC Mailand verzichten. Der Mittelfeldspieler, der am Freitag eine Wadenzerrung erlitt, fällt mindestens zwei bis drei Wochen aus. Der 31-Jährige kehrte zwischenzeitlich nach Mailand zurück, um dort mit dem Reha-Programm zu beginnen. "Ich werde alles Mögliche tun, um in Südafrika dabei zu sein", sagte Pirlo, der am Dienstag zusammen mit der Squadra Azzura nach Südafrika fliegen will.

Nationaltrainer Marcello Lippi hat ohnehin schon Verletzungssorgen. Der WM-Einsatz von Mauro Camoranesi ist wegen einer Knieverletzung fraglich. Lippi hat bereits Mittelfeldspieler Andrea Cossu von US Cagliari als möglichen Nachrücker bestimmt.