München - Daniel Didavi ist derzeit in aller Munde: Der offensive Mittelfeldspieler war an acht der vergangenen zehn Tore des 1. FC Nürnbergs direkt beteiligt und sicherte den Franken damit fast im Alleingang bereits drei Spieltage vor dem Saisonende den Klassenerhalt in der Bundesliga.

Nach vier Niederlagen in Serie hatte der "Club" nach dem 28. Spieltag nur noch drei Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Dann holte der 1. FC Nürnberg ein Remis und zwei Siege. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist mittlerweile auf neun Zähler angewachsen, der Klassenerhalt steht für den FCN so gut wie sicher fest.

Beeindruckende Bilanz



Einen großen Anteil am Aufwärtstrend der Franken ist Didavi zuzuschreiben. Der 22-Jährige erzielte in der englischen Woche mit vier Toren und zwei Vorlagen herausragende sechs Scorer-Punkte. Zuletzt gelangen dem Youngster beim 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern ein Tor und eine Torvorlage. "Der Sieg war extrem wichtig. Ich denke, jetzt dürfte in Sachen Klassenerhalt nichts mehr anbrennen", sagte Didavi gegenüber dem "kicker".

Didavi fegt derzeit über die Bundeliga hinweg. Dabei ist sein Durchbruch mit einem Wirbelsturm aus heiterem Himmel zu vergleichen. Im Sommer 2011 wurde Didavi vom VfB Stuttgart für ein Jahr an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen. Dort angekommen, zog sich die Leihgabe bereits Mitte August einen Meniskussriss zu, wurde am Knie operiert und fehlte FCN-Coach Dieter Hecking lange Zeit.

Erst am 12. Spieltag der laufenden Saison gab der U21-Nationalspieler sein Comeback gegen den SC Freiburg. Anschließend stand Didavi mit Ausnahme des 21. Spieltags für den "Club" entweder von Beginn an oder als Einwechselspieler immer auf dem Platz. Bis zum 25. Spieltag stach Didavi aus dem Nürnberger Ensemble nicht sonderlich heraus. Dann gelang ihm mit dem 1:2-Anschlusstreffer beim 1. FSV Mainz 05 der Startschuss für eine beeindruckende Bilanz: In sieben Spielen gab er zwei Torvorlagen und schoss sechs Tore selbst.

Fernschüsse, Laufstil und Bob Marley



"Er ist ein überragender Spieler. Am Anfang war es vielleicht ein bisschen schwer für ihn, aber jetzt ist er ganz frei und kann seine Leistung richtig abrufen", lobte Javier Pinola seinen Mannschaftskameraden im "kicker". Vor allem aus der Distanz stellt Didavi seine großartigen Qualitäten immer wieder unter Beweis. Vier seiner sieben Bundesliga-Tore hat er aus der Ferne erzielt - nur Wolfsburgs Marcel Schäfer und Gladbachs Juan Arango erzielten genauso viele Weitschusstore in dieser Saison.

Didavi, der über sich selbst sagt, dass er einen komischen Laufstil habe, wäre aus Verlegenheit und ohne den Anstoß seines Vaters fast nicht zum Fußball gekommen. "Mein Vater musste mich zum ersten Fußballtraining zwingen, weil ich so schüchtern war", gibt der 22-Jährige auf der Homepage des 1. FC Nürnbergs über sich preis.

Von seinem Vater, der aus Benin stammt, hat er auch seine Liebe und Leidenschaft für die Musik übernommen. "Wenn er mich damals mit dem Auto zum Training oder zu Spielen fuhr, hat er immer Bob Marley gehört. Irgendwann kannte ich alle Texte auswendig", verrät Didavi, der in seiner Wohnung ein eigenes Zimmer mit Turntables eingerichtet hat, um dort seinem Hobby als DJ nachgehen zu können.

Tendenz geht zum VfB



Ob Didavi in der kommenden Spielzeit weiter im Trikot des 1. FC Nürnbergs auflaufen wird oder zurück zum VfB Stuttgart geht, ist noch nicht zu 100 Prozent geklärt. Hecking hat großes Interesse, dass der Youngster dem "Club" erhalten bleibt und auch Didavi betonte gegenüber der "Bild": "Ich habe schon oft gesagt, wie wohl ich mich hier fühle, wie gerne ich hier weiterspielen würde."

Trotz des Bekenntnisses zum FCN, erscheint die Rückkehr ins Schwabenland als die wahrscheinlichere Variante. Didavis Vertrag bei den Stuttgartern läuft noch bis Sommer 2013. "Wir freuen uns, wenn Didavi im Sommer wieder hier ist", erklärte VfB-Trainer Bruno Labbadia vor kurzem etwas sehnsüchtig der "Bild".

Benedikt Büschleb