Leverkusen - Neunter Sieg im zehnten Auswärtsspiel, 13 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten - kein Wunder, dass sich Nuri Sahin nach dem 3:1-Sieg des BVB bei Bayer Leverkusen selbstbewusst gibt: "Wir ziehen unser Ding durch!"

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Dortmunds Mittelfeldspieler über dominanten Fußball, die Gier auf Tore und Sticheleien der Konkurrenz.

bundesliga.de: Nuri Sahin, es wirkte fast, als hätte sich der BVB den Gegner eine Halbzeit lang zurecht gelegt, um dann eiskalt zuzuschlagen. War das der Plan?

Nuri Sahin: Nein, das war so nicht unser Plan. Wir wollten von Anfang an aggressiv sein, gut in die Zweikämpfe kommen, dominant auftreten und guten Fußball spielen. Ich denke, dass wir das in der ersten Halbzeit auch so gemacht haben, allerdings, ohne dabei die ganz großen Chancen zu bekommen. Dass wir unsere Möglichkeiten dann zu Beginn der zweiten Hälfte konsequent genutzt haben, war natürlich sehr schön und hat uns für den Aufwand belohnt.

bundesliga.de: Drei Tore in sechs Minuten sind ein deutliches Ausrufezeichen auch gegenüber der Konkurrenz.

Sahin: Das ist auf jeden Fall ein klares Signal, aber weniger an den Rest der Bundesliga. Es ist für uns selbst einfach gut zu wissen, dass wir auch nach einem Tor oder nach zwei Treffern immer noch direkt nachlegen können gegen einen sehr, sehr starken Gegner. Das zeigt auch, dass wir richtig fit sind. Und dass wir gierig sind auf Tore und Erfolge. Wir geben uns nicht zufrieden mit einer ordentlichen Halbzeit, sondern wollen immer noch einmal nachlegen.

bundesliga.de: War das Spiel gegen Leverkusen eine meisterliche Leistung?

Sahin: Für uns war es wichtig, gut aus den Startlöchern zu kommen. Das ist uns gelungen und ich denke, dass wir dabei richtig gut gespielt haben. Wir haben gerade in der ersten Halbzeit auch defensiv sehr sicher gestanden. Dass wir die Tore dann so eindrucksvoll machen, spricht für eine gewisse Klasse. Aber ob das meisterlich ist, das müssen andere entscheiden.

bundesliga.de: Hand aufs Herz: Waren vor diesem Spiel doch ein paar Zweifel da, wo man wirklich steht und ob man an die starke Hinrunde anknüpfen kann?

Sahin: Man sieht ja im Training, wie die Mannschaft arbeitet. Mir selbst war daher schon vor diesem Spiel klar, dass wir körperlich sehr fit sind. Ich war mir sicher, dass wir an unsere Leistung der letzten Monate anknüpfen können. Und das haben wir gegen Leverkusen auch allen Skeptikern bewiesen, denke ich.

bundesliga.de: War der klare 3:1-Erfolg auch die passende Antwort auf die kleinen Sticheleien, die in den letzten Tagen von den Verfolgern kamen?

Sahin: Das ist nicht unsere Sache, und das sollte es auch nicht sein. Wer was wozu zu sagen hat, das können wir eh nicht beeinflussen. Wir werden niemandem das Wort verbieten. Wenn andere meinen, sie müssten sich zu unserer Situation äußern, dann habe ich damit gar kein Problem. Irgendwie gehören solche Sticheleien ja auch dazu. Aber wir lassen uns davon weder positiv noch negativ beeindrucken, sondern ziehen unser Ding durch. Wir machen einfach so weiter, wie wir es schon in der Hinrunde 17 Spiele lang gemacht haben.

bundesliga.de: Der BVB musste in Leverkusen Shinji Kagawa ersetzen und ab der Halbzeit auch noch Sven Bender wegen einer Verletzung. Der Leistung hat das nicht geschadet. Ist der Kader tatsächlich so gut besetzt?

Sahin: Dass wir in dieser Saison im Kader auch in der Breite richtig gut besetzt sind, ist wohl jedem klar. Und dass wir mit Ausfällen gut umgehen können, haben wir auch schon mehrfach bewiesen, wenn man an Sebastian Kehl, Patrick Owomoyela oder Mohamed Zidan denkt. Natürlich brauchen wir jeden einzelnen Spieler, und jeder Spieler bringt für die Mannschaft ganz individuelle, außergewöhnliche Fähigkeiten ein. Aber wir sind auch in der Lage, uns auf jede Konstellation und jeden Ausfall einzustellen. Da bleiben wir auch als Mannschaft ganz ruhig.

bundesliga.de: Als nächstes kommt am Samstag mit dem VfB Stuttgart eine Mannschaft nach Dortmund, die im Tabellenkeller steht. Das klingt nach einer einfachen Aufgabe…

Sahin: Dass der VfB Stuttgart bisher keine gute Saison gespielt hat, sagt schon der Tabellenplatz aus. Aber es ist klar, dass der VfB eine Menge Qualität hat in seiner Mannschaft. Und es ist klar, dass sie nach dem Trainerwechsel mit ihrem neuen Coach Bruno Labbadia noch einmal versuchen werden, neuen Schwung zu bekommen. Aber es ist noch klarer, dass wir trotzdem am Samstag unbedingt drei weitere Punkte holen wollen!

Das Gespräch führte Dietmar Nolte