Die erste Entscheidung in der Abstiegsfrage ist gefallen. Trotz einer starken Leistung und eines 1:1-Unentschiedens bei Bayer Leverkusen muss Hertha BSC Berlin als Tabellenletzter den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Nach dem besiegelten Abstieg stellte sich Herthas Manager Michael Preetz den Fragen der Journalisten.

Frage: Michael Preetz, Hertha BSC Berlin ist nach dem 1:1 in Leverkusen definitiv aus der Bundesliga abgestiegen. Wie sieht es in Ihnen jetzt aus?

Michael Preetz: Das ist ein ganz bitterer Moment für Hertha BSC. Für jeden Spieler, für alle bei Hertha BSC, für die ganze Stadt und für unsere fantastischen Fans. Wir haben das Szenario seit Wochen vor Augen und uns dagegen gewehrt. Jetzt ist es bittere Gewissheit. Es ist schade, weil mit dieser Mannschaft viel mehr möglich gewesen wäre als jetzt abzusteigen.

Frage: Konnte man sich auf die Situation, die ja jetzt nicht mehr ganz überraschend kam, einstellen oder hatten Sie noch die Hoffnung, dass die guten Leistungen der letzten Wochen irgendwann einmal belohnt werden?

Preetz: Wer unsere Mannschaft in den letzten Wochen und im ganzen Jahr 2010 verfolgt hat, der hat mehrere solcher Leistungen gesehen, wie wir sie beim Tabellen-Vierten in Leverkusen gezeigt haben. Wir haben aber leider auch gezeigt, warum es am Ende nicht gereicht hat. Wir haben gegen Leverkusen sehr gut gespielt, aber wir haben vergessen, den berühmten Sack zuzumachen. Wir haben Torchancen in Hülle und Fülle ausgelassen. Das war in Leverkusen ein Problem und insbesondere in den Heimspielen. Ein Heimsieg ist schlechtweg zu wenig. Wir sind Zuhause abgestiegen, nicht in Leverkusen.

Frage: In der Rückrunde hat die Hertha viele Punkte geholt und eine Aufholjagd versucht. Aber war die Hypothek der Hinrunde letztlich zu groß?

Preetz: Die sechs Punkte aus der desolaten Hinrunde waren eine schwere Hypothek, auch für die Spieler und deren Nervenkostüm. Sie haben in jedem Spiel in 2010 diesen Rucksack aufgehabt. Das hat an der einen oder anderen Stelle auch verhindert, dass die Lockerheit dabei war, die man beim Fußballspielen braucht, um noch erfolgreicher zu sein, als wir das in der Rückrunde waren. Wir waren immer dran, sind aber nie vorbeigekommen.

Frage: Wie geht es mit Trainer Funkel weiter, der nur einen Vertrag für die Bundesliga besitzt?

Preetz: Ich habe schon in den vergangenen Wochen gesagt, dass wir uns am Ende der Saison zusammensetzen, die Saison analysieren und dann sehen, wie es in der Trainerfrage weitergeht.

Frage: Waren die Leistungen der Mannschaft in den vergangenen Wochen ein Argument für eine Weiterbeschäftigung von Friedhelm Funkel?

Preetz: Die Mannschaft hat ein gutes Spiel in Leverkusen gemacht. Aber wir hätten gewinnen müssen, um die Hoffnung mit in den 34. Spieltag zu retten. Das ist einfach schade, weil wir nicht für den enormen Aufwand belohnt wurden.

Frage: Wie groß wird der zu erwartende personelle Umbruch ausfallen?

Preetz: So kurz nach Spielschluss ist das noch nicht absehbar. Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen mit allen unseren Spielern Gespräche führen. Wir werden sehen, wer bereit ist, mit uns den Weg in die 2. Liga anzutreten. Wer den Verein am Ende verlassen wird, kann ich im Moment nicht sagen.

Frage: Glauben Sie, dass es schnell gelingt, Berlin wieder Erstliga-fähig zu machen?

Preetz: Wir werden zusehen, dass wir für die neue Saison eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski