Belek - Während die meisten Spieler über die Feiertage entspannt das Weihnachtsfest im Kreise ihrer Liebsten genießen konnten, musste Raphael Schäfer nebenher noch Extraschichten schieben. Ein Muskelfaserriss bereitete dem Torwart des 1. FC Nürnberg Probleme.

Doch im Trainingslager im türkischen Belek ist Schäfer wieder voll mit dabei, auch wenn er im Testspiel gegen Genclerbirligi noch als Vorsichtsmaßnahme pausierte.

Nach dem 1:0 sprach bundesliga.de mit dem Routinier über die Vorbereitung an der türkischen Riviera, die Hinrunde des FCN und die Ziele für die zweite Saisonhälfte.

bundesliga.de: Herr Schäfer, wie wichtig sind im Trainingslager die Resultate aus den Testspielen?

Raphael Schäfer: Es ist immer schön, wenn man ein Spiel gewinnt. Aber natürlich ist es wichtiger, dass wir einige taktische Dinge ausprobieren und testen können. Ein Anhaltspunkt über unsere tatsächliche Leistungsfähigkeit ist das sicherlich nicht.

bundesliga.de: Die Winterpause ist extrem kurz. Ist das problematisch?

Schäfer: Im vergangenen Jahr war sie ja auch nicht viel länger. Durch die kurze Pause, müssen wir auch nicht mehr so viel aufholen. Wir fangen nicht bei Null an sondern sind schon bei 70, 80 Prozent. Die Woche reicht dann aus, um wieder bei 100 Prozent zu sein.

bundesliga.de: Der 1. FC Nürnberg hat sich mit 22 Punkten in die Winterpause verabschiedet. Da waren die Feiertage und der Jahreswechsel wahrscheinlich entspannter zu genießen als das Jahr zuvor, oder?

Schäfer: Es war definitiv entspannter. Es ist auch schöner, wenn man Luft nach unten hat und sich nicht Gedanken machen muss, wie man da schnellstmöglich rauskommt.

bundesliga.de: Wagen Sie vielleicht auch einen Blick weiter nach oben in der Tabelle?

Schäfer: Wenn wir die Hinrunde noch einmal wiederholen und erneut 22 Punkte einfahren könnten, wäre das natürlich sensationell. Unser oberstes Ziel ist es aber, die Klasse zu halten.

bundesliga.de: Haben Sie als Routinier ein bisschen Angst, dass die jungen Wilden wie Ekici, Gündogan und Schieber in ein Leistungstief fallen?

Schäfer: So einen kleinen Einbruch gab es auch schon während der Saison. Aber es ist ganz normal, dass die jungen Spieler auch mal ein, zwei schlechtere Spiele abliefern. Sie machen aber von Woche zu Woche Fortschritte. Von daher bin ich überzeugt, dass in der Beziehung keine Rückschläge mehr auf uns zukommen. Und wenn doch, dann können wir damit umgehen.

bundesliga.de: Und was hat sich der FCN für die Rückrunde vorgenommen, um die vielen Gegentore nach ruhenden Bällen zu verhindern?

Schäfer: Wir haben schon vor der Winterpause daran gearbeitet, unsere Schwäche bei Standardsituationen abzustellen. Das ist uns leider nicht gelungen. Aber wir setzen weiter alles daran, dass das in der Rückrunde nicht mehr so oft passiert.

bundesliga.de: In Nürnberg gab es immer einen Torschützen vom Dienst, wie zum Beispiel zuletzt Robert Vittek. Jetzt verteilt sich die Last des Toreschießens auf die jungen Spieler. Muss noch ein echter Knipser verpflichtet werden?

Schäfer: Nein, das ist nicht der Fall. In erster Linie sind wir froh, dass wir diese guten jungen Spieler haben. Und sie können sich ja auch noch zu echten Torjägern entwickeln. Es ist ja nicht so gewesen, dass ein Robert Vittek sofort Tore am Fließband geschossen hat. Er hat auch erst nach eineinhalb Jahren richtig gezündet. Und einen Stürmer, der 15 Tore garantiert findet man nicht so leicht für die finanziellen Möglichkeiten in Nürnberg.

bundesliga.de: Und in der Abwehr? Sie haben in dieser Saison nur am 4. Spieltag zu Null gespielt - so lange wartet kein anderer Bundesliga-Club auf eine "weiße Weste".

Schäfer: Wir haben einfach eine junge Mannschaft. Da fallen eben Gegentore. Wenn wir wieder 22 Punkte holen, wäre ich aber mit einem weiteren zu Null zufrieden.

bundesliga.de: Was sind die Ziele des FCN in der Rückrunde?

Schäfer: Wir wollen unsere Fans zuhause weiterhin so begeistern, wie es uns in der Hinrunde schon gelungen ist. Und es wäre auch schön, wenn wir schnell genügend Punkte einfahren, um uns gemütlich auf das Saisonende hinzubewegen.

bundesliga.de: Wären da ein paar Punkte auswärts nicht auch hilfreich? Ein Sieg und vier Remis stehen auf fremden Platz lediglich zu Buche.

Schäfer: Für den FCN ist das aber ganz ordentlich. Wenn man in Bremen gewinnt und in Hamburg, in Hoffenheim sowie Leverkusen einen Punkt holt, dann können wir zufrieden sein. Natürlich ist da Steigerungspotenzial vorhanden. Aber in erster Linie müssen wir uns darauf beschränken, die Punkte vor unserem tollen Publikum zu holen.

Das Gespräch führte Michael Reis