Leverkusen - Nach der 0:2-Niederlage im Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen hat das Überraschungsteam von Hannover 96 den Anschluss an die Bundesliga-Spitze bei nun fünf Punkten Rückstand ein wenig verloren.

Kein Grund, um Trübsal zu blasen, findet 96-Abwehrspieler Christian Schulz im Interview mit bundesliga.de.

Der 27-jährige viel umworbene Nationalspieler berichtet im Gespräch über die veränderte Wahrnehmung von Hannover durch die Konkurrenz, die Saisonziele und den neuen Torwart im Kasten.

bundesliga.de: Christian Schulz. Hannover 96 hat das Verfolgerduell in Leverkusen mit 0:2 verloren. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Christian Schulz: Es war ein sehr intensives und ein sehr gutes taktisches Spiel mit wenig Torchancen. Leverkusen war einen Tick besser und ist verdient als Sieger vom Platz gegangen.

bundesliga.de: Was hat Leverkusen besser gemacht?

Schulz: Das sind Kleinigkeiten. Wir sind froh, dass wir in diesen Bereichen sind, dass wir solche Spiele auf Augenhöhe mit den Spitzenmannschaften halten können. Ein Tick hat gefehlt bei den zweiten Bällen, beim Spiel nach vorne. Da war Leverkusen immer fünf bis zehn Prozent besser. Das ist noch der kleine Unterschied.

bundesliga.de: Nach dem 3:0 zum Rückrundenstart in Frankfurt gab es jetzt zwei Niederlagen in Folge. Zeichnet sich da das Ende des Höhenflugs ab?

Schulz: Zwei Niederlagen sind natürlich nicht schön. Aber wir haben auch schon in der Hinserie einmal zwei Spiele hintereinander verloren. Danach haben wir uns auch wieder berappelt. Wenn wir das nächste Spiel gegen Wolfsburg gewinnen, dann sind wir wieder in normalem Fahrwasser. Daher müssen wir die Niederlage jetzt schlucken. Es gibt sicher etwas zu verbessern. Aber es ist nichts, was wir nicht aufarbeiten können.

bundesliga.de: Auffallend bei Hannover 96 ist die Tatsache, dass Spiele entweder gewonnen oder verloren werden. Elf Siege, acht Niederlagen, nur ein Unentschieden. Wie entscheidend ist für 96, in einem Spiel in Führung zu gehen?

Schulz: Wir haben schon in der Hinrunde auch zwei Mal gezeigt, dass wir Spiele gewinnen können, in denen wir 0:1 in Rückstand geraten waren. Wir spielen nach vorne. Wir versuchen, den Gegner zu überraschen. Aber die Gegner stellen sich darauf auch ein. Sie lassen sich nicht mehr so extrem auskontern, weil sie wissen, dass dies eine Stärke von uns ist.

bundesliga.de: Spüren Sie in der Rückrunde eine andere Wahrnehmung von Hannover 96, dass die Gegner die Truppe ernster nehmen?

Schulz: Ja. Das haben wir uns erarbeitet. Als wir in die Saison gegangen sind, hieß es immer: Hoffentlich steigt Hannover nicht ab. Jetzt stehen wir bei allen oben in den Notizblöcken. Die Unbekümmertheit, die am Anfang vielleicht bei den Gegnern noch da war, die glaubten, Hannover schaffen wir schon, die ist nicht mehr da. Das stimmt schon.

bundesliga.de: Daran erkennen Sie, dass die gute Arbeit von Hannover 96 anerkannt wird.

Schulz: Ja, natürlich. Das haben wir uns wie gesagt hart erarbeiten müssen. Aber ich hätte natürlich lieber die Punkte.

bundesliga.de: Dortmund und Leverkusen, die ersten beiden Clubs, sind Hannover in der Tabelle ein bisschen enteilt. Die Qualifikation für die Champions League wird unrealistischer. Aber das war auch nicht der Anspruch von 96 oder doch?

Schulz: Wir wollen nicht utopisch werden. Wir haben immer gesagt, dass Platz 2 eine gute Momentaufnahme und eine schöne Sache ist. Aber wenn man es realistisch betrachtet, sind sicherlich noch einige Mannschaften dabei, die vom Potenzial vor Hannover stehen. Aber okay. Wenn wir weiterhin als Team auftreten, können wir sicher noch die eine oder andere Überraschung sorgen.

bundesliga.de: Was ist in der Rückrunde noch für Hannover drin?

Schulz: Wir machen uns überhaupt keinen Druck. Wir wollen erst einmal die 40 Punkte schaffen. Das war das Ziel, das wir ausgegeben haben. Wenn wir die erreicht haben, können wir gucken, was noch geht. Wenn wir noch nach 26 oder 27 Spieltagen in den Bereichen stehen, in denen wir im Moment sind, kann man über mehr reden. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch nicht der Fall.

bundesliga.de: Ein Wort zu Hannovers neuem jungen Torwart Ron Zieler, der alle Spiele in der Rückrunde bestritt. Ist er jetzt die neue Nummer eins?

Schulz: Das weiß ich nicht. Ron macht seine Sache sehr gut. Er ist ja noch ein junger Kerl. Er wurde vom Trainer ins kalte Wasser geschmissen und hat seine Bewährungsproben gut bestanden. An den Toren konnte er nichts machen. Ihm gehört sicherlich die Zukunft.

bundesliga.de: Nächster Gegner von Hannover 96 ist am kommenden Wochenende der VfL Wolfsburg im Niedersachsen-Derby. Freuen Sie sich auf das Spiel?

Schulz: Ja, ein Derby ist immer interessant. Da steckt einige Brisanz drin. Wir freuen uns auf unser Heimspiel in der AWD-Arena.

bundesliga.de: Wie zu lesen war, ist der VfL Wolfsburg an Ihner Verpflichtung interessiert?

Schulz: Es gibt sicherlich Gespräche. Aber so lange es keine Ergebnisse gibt, gibt es auch nichts zu vermelden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski