München/Bremen - Für den SV Werder läuft es derzeit alles andere als glatt. Aus den ersten sieben Partien konnten die Hanseaten nur acht Punkte holen und stehen auf einem enttäuschenden 13. Tabellenplatz. Auch der defensive Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede erlebt eine durchwachsene Saison.

Der 21-jährige, der mittlerweile schon 30 Bundesliga-Einsätze vorweisen kann und auch in der aktuellen Spielzeit in jedem Saisonspiel der Werderaner auf dem Feld stand, spricht im Interview mit bundesliga.de über die derzeitige Situation in Bremen, seine persönliche Entwicklung und seine Karriere in der Nationalmannschaft.

bundesliga.de: Herr Bargfrede, sieben Spieltage sind vorbei. Welches Fazit ziehen Sie nach gut einem Fünftel der Saison?

Philipp Bargfrede: Wir hatten uns einen besseren Start erhofft und viel mehr vorgenommen.

bundesliga.de: Werder präsentierte sich bislang sehr unbeständig. Auf deutliche Niederlagen folgten deutliche Siege und umgekehrt. Auffallend ist, dass Werder sehr viele Gegentore kassiert. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Bargfrede: Wir haben in der Vorsaison defensiv alle besser gearbeitet. Das muss wieder besser werden. Primär müssen wir unser Tor verteidigen, dann kommt das Toreschießen.

bundesliga.de: Nach Ihrer starken Vorsaison läuft es auch bei Ihnen persönlich noch nicht wie erhofft. Wie schätzen Sie Ihre Situation ein?

Bargfrede: Wären wir besser als Mannschaft gestartet, dann wäre auch meine Leistung besser gewesen. Ich hoffe, dass wir uns als Mannschaft steigern werden in den kommenden Wochen, dann wird sich auch meine Leistung verbessern.

bundesliga.de: Am kommenden Spieltag treffen Sie mit Werder auf den SC Freiburg. Was erwarten Sie von der Partie?

Bargfrede: Wir müssen in dieser Partie unbedingt wieder in die Erfolgsspur finden. Wir wollen eine Siegesserie starten, gegen Freiburg wird sie hoffentlich beginnen.

bundesliga.de: Im vergangenen Jahr wurden Sie in den Medien bereits als legitimer Nachfolger von Torsten Frings gehandelt. Vom "Kronfrings" war zu lesen. Was sagen Sie zu diesem Vergleich?

Bargfrede: Um dahin zu kommen, muss ich noch hart arbeiten. Wichtig ist für mich erst einmal, meine Leistung mit Werder zu bringen, dann gibt es auch in meiner persönlichen Entwicklung Fortschritte.

bundesliga.de: An wem orientieren Sie sich bei Ihrer Entwicklung, wer sind Ihre Vorbilder?

Bargfrede: Direkt Vorbilder habe ich nicht, aber natürlich kann ich mir von großen Spielern noch etwas abschauen. Bei der WM waren das beispielsweise die Spanier Andres Iniesta und Xavi.

bundesliga.de: Ihr Vater war früher selbst Profi und ist inzwischen Nachwuchstrainer. Wurden Sie von Ihm gezielt in Richtung Profifußball gelenkt?

Bargfrede: Nein, überhaupt nicht. Es war natürlich hilfreich, einen Vater zu haben, der sich mit Fußball auskennt und der mir einiges beibringen konnte. Aber es war nicht so, dass ich um jeden Preis Profifußballer werden musste.

bundesliga.de: Ihre Karriere in der U 21 ist nach nur einem Jahr schon wieder vorbei, weil der DFB nach der verpassten EM-Qualifikation auf den jüngeren Jahrgang setzt. Wie haben Sie diese Entscheidung aufgenommen.

Bargfrede: Natürlich war ich enttäuscht. In erster Linie war das natürlich die Enttäuschung über die verpasste EM-Qualifikation. Für mich ist verständlich, dass der DFB bereits auf die nächste Qualifikation blickt und weiter für die Zukunft plant.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass es in absehbarer Zeit mit einer Berufung in die A-Nationalelf klappen könnte?

Bargfrede: Erst einmal will ich bei Werder meine Leistung bringen, wieder gut in Form kommen und erfolgreich sein. Alles andere ergibt sich von allein.

bundesliga.de: Ihr Vertrag bei Werder läuft noch bis 2014. Nach Ablauf sind Sie 25. Wollen Sie irgendwann ins Ausland wechseln?

Bargfrede: Bis dahin kann noch vieles passieren. Ob es für mich grundsätzlich in Frage kommt, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Schließlich ist es erst meine zweite Profisaison.

bundesliga.de: Wie sieht Ihre Prognose für diese Saison mit Werder aus?

Bargfrede: Die Mannschaft ist gut, wenn wir schnell in die Spur finden, ist noch vieles möglich. In der Champions League wollen wir mindestens eine Runde weiter kommen, das ist unser Anspruch.

Das Gespräch führte Andreas Messmer