Der 1. FC Nürnberg scheint gut gerüstet zusein. In fünf Testspielen gab es fünf Siege, zuletzt ein 2:1 gegen Slovan Liberec. Zu den Torschützen zählte auch "Club"-Neuzugang Markus Feulner (29), mit dem sich bundesliga.de exklusiv unterhielt.

bundesliga.de: Herr Feulner, Sie sind vom Deutschen Meister Borussia Dortmund zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Wie sind Ihre ersten Eindrücke vom "Club"?

Markus Feulner: Meine ersten Eindrücke sind sehr positiv. Ich wurde von den Jungs super aufgenommen und habe mich sofort heimisch gefühlt. Ich bin ja gebürtiger Franke. Das passt. Wir haben in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet und auch einige gute Testspiele absolviert, in denen wir unser Potenzial haben erkennen lassen. Aber es ist auch nur die Vorbereitung. Bis zum Pokalspiel in Bielefeld und zum Meisterschaftsauftakt in Berlin ist ja noch etwas Zeit.

bundesliga.de: Warum haben Sie sich für den 1. FC Nürnberg entschieden?

Feulner: Ich habe sehr gute Gespräche mit Manager Martin Bader und Trainer Dieter Hecking geführt. Sie glauben, dass ich gut ins System des FCN passe, das dem von Borussia Dortmund ja ein wenig ähnelt.

bundesliga.de: Was hat Ihnen Dieter Hecking gesagt, was er von Ihnen erwartet?

Feulner: Er weiß ja auch, dass ich in Dortmund nicht so viele Einsatzzeiten bekommen habe. Aber er hat meinen Werdegang verfolgt und sich an meine guten Leistungen in Mainz erinnert. Ich hoffe, dass ich daran anknüpfen und mich gut ins Nürnberger Spiel einbringen kann. Außerdem kann man sich auch immer noch verbessern.

bundesliga.de: In Ihren beiden Jahren beim BVB haben Sie sich nie richtig durchsetzen können. Warum haben Sie den Durchbruch in Dortmund nicht geschafft?

Feulner: Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Sicherlich spielte meine schwere Verletzung eine Rolle. Nach einem Syndesmoseriss bin ich fünf Monate ausgefallen. Dann braucht man es eine gewisse Anlaufzeit, bis man wieder angreifen kann. In der Zwischenzeit hat die Mannschaft perfekt funktioniert, und es gab für den Trainer keinen Grund zu wechseln. Da war es für mich schwer, in die Mannschaft zu kommen.

bundesliga.de: Waren es zwei verlorene Jahre?

Feulner: Nein. Es war trotzdem eine tolle Zeit in Dortmund, auch wenn es für mich persönlich nicht so zufriedenstellend lief. Aber ich bin immerhin Deutscher Meister geworden. Der Wechsel nach Nürnberg war jetzt der logische Schritt, weil ich wieder regelmäßig spielen will.

bundesliga.de: Der Ex-Nürnberger Ilkay Gündogan geht den umgekehrten Weg. Er hat in Dortmund unterschrieben. Kann er sich beim BVB durchsetzen?

Feulner: Ich bin mir sicher, dass er es packen kann. Er hat sehr gute Anlage, ist technisch sehr stark.

bundesliga.de: Haben Sie sich gegenseitig über Ihren neuen Vereine ausgetauscht?

Feulner: Nein, das haben wir nicht gemacht.

bundesliga.de: Im nächsten Jahr werden Sie 30 Jahre alt. Wie beurteilen Sie Ihre Karriere bislang?

Feulner: Ich habe meine Klasse schon bewiesen, ich spüre da keinen besonderen Druck mehr. Wenn ich in meiner Karriere verletzungsfrei geblieben wäre, hätte ich sicher auch einige Spiele mehr gehabt. Aber ich wurde ohne eigenes Verschulden ein paarmal von Gegenspielern schwer verletzt. Einmal erlitt ich einen Kreuzbandriss, einmal einen Innenbandriss. Da kann man eben nichts machen.

bundesliga.de: Sie sind in Deutschland schon herumgekommen, haben in München, Köln, Mainz und Dortmund gespielt. Wo haben Sie sich besonders heimisch gefühlt?

Feulner: Ich habe mich immer überall dort, wo ich gespielt habe, heimisch gefühlt. In Dortmund genauso wie in Mainz oder Köln. Meine Frau war immer mit dabei. Wir haben noch viele Kontakte in die verschiedenen Städte.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie sich mit dem Club gesteckt?

Feulner: Ich möchte der Mannschaft mit meinen Qualitäten weiterhelfen. In erster Linie geht es darum, nicht in Abstiegsgefahr zu geraten. Wir wollen den einen oder anderen großen Club wieder ärgern, was der Mannschaft in der letzten Saison ja nahezu perfekt gelungen ist. Vielleicht können wir wieder für eine Überraschung sorgen. Aber wir wollen auch nicht träumen. Andere Vereine wie Stuttgart, Schalke, der HSV, Wolfsburg oder Bremen verfügen über ganz andere Budgets und werden wieder besser funktionieren als im letzten Jahr. Aber deshalb müssen wir uns sicher nicht hinten anstellen.

bundesliga.de: Der Saisonauftakt beschert dem Club zwei Auswärtsspiele in Pokal und Meisterschaft. Lösbare Aufgaben?

Feulner: Bielefeld ist sicher eine schwere Aufgabe im Pokal. Trotzdem wollen wir eine Runde weiterkommen. Und in Berlin erwartet uns bei Herthas erstem Spiel nach der Rückkehr in die Bundesliga sicher ein volles Haus und eine tolle Stimmung. Wir werden natürlich versuchen, auch da etwas zu holen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski