Dortmund - Die unglückliche Niederlage gegen Sevilla ist abgehakt - der BVB fiebert dem Duell gegen den FC Bayern am Sonntag mit breiter Brust entgegen. "Nur weil wir ein Spiel verlieren, brechen wir nicht ein", ist sich Nuri Sahin sicher.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - die alte Fußballer-Weisheit von Sepp Herberger bringt die Stimmung bei Borussia Dortmund perfekt auf den Punkt. "Es tut weh, aber wir können damit umgehen. Wir fokussieren uns jetzt voll auf die Bayern", gab Neven Subotic schon unmittelbar nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Sevilla die Richtung vor.

Das Selbstvertrauen ist ungebrochen

Lange aufhalten wollte sich beim BVB niemand mit der unglücklichen Niederlage in der Europa League, der ersten nach sieben Pflichtsiegen in Serie. Die Gedanken gingen geradewegs zum Duell gegen den Rekordmeister. Und schenkt man den Aussagen der Dortmunder glauben, müssen sich die Münchner warm anziehen.

Von Frust oder Resignation jedenfalls ist wenig zu spüren, trotz der Europapokal-Pleite, die angesichts eines Rückstandes zur Pause und eines Platzverweises für Schmelzer nach nur 50 Minuten zudem viel, viel Kraft gekostet hat. "Am Sonntag werden wir topfit sein. Es gibt keinen Grund, einen Knacks zu bekommen", ist sich Sahin sicher. Auch Shinji Kagawa bescheinigt sich und seinen Mitspielern im Gespräch mit bundesliga.de ungebrochenes Selbstvertrauen: "Wir können es mit jedem Gegner aufnehmen!"

Gegen Sevilla fehlte nur das Tor

Trainer Jürgen Klopp schätzt die Situation ähnlich ein: "Die Jungs sind natürlich etwas enttäuscht, aber auch stolz - und beeindruckt von ihrer eigenen Leistung." Über weite Strecken hatte der BVB den zweimaligen UEFA-Cup-Sieger dominiert. Und auch nach dem Platzverweis noch beste Chancen auf einen Treffer, nur fallen wollte er nicht. "Wir haben Sevilla vor allem in der ersten Halbzeit an die Wand gespielt", stellte Sahin zufrieden fest.

Einziges Manko an diesem Abend war die Chancenverwertung. "Manchmal gibt es so Tage, da will das Tor für uns einfach nicht fallen", hat Mats Hummels das aber schon abgehakt. Wichtiger ist den Borussen mit Blick auf den Sonntag, mit welchem Willen und Einsatz sie sich einem großen Gegner präsentiert haben. "Wir haben geil gekämpft und das müssen wir für das nächste Spiel gegen die Bayern mitnehmen", fordert Kevin Großkreutz.

BVB baut auf Unterstützung der Fans

Den Verlust an Kraft, jenes Quäntchen Frische, das gegen Bayern München womöglich fehlen könnte, sollen am Sonntag die Anhänger ausgleichen. Die stärkten ihrer Elf schon nach der Niederlage gegen die Spanier mit frenetischem Applaus den Rücken. "Das war ein klares Zeichen, dass sie unsere Leistung anerkannt haben. Das war Gänsehaut pur und das baut uns auch auf", meinte ein beeindruckter Subotic.

Über 80.000 Zuschauer werden am Sonntag im ausverkauften Signal Iduna Park erwartet. Die werden ebenso heiß sein wie Spieler und Trainer, die Scharte des Vorjahres auszuwetzen. Damals verlor der BVB sein Heimspiel gegen die Bayern mit 1:5.

Klopp warnt vor "internationalen Top-Leuten"

Jetzt sind die Voraussetzungen ungleich besser, doch auf Augenhöhe mit dem Deutschen Meister sieht Jürgen Klopp den BVB noch nicht: "Natürlich bleiben wir Außenseiter. Auch ohne Ribery und Robben besteht Bayern ausschließlich aus internationalen Top-Leuten."

Dem Starensemble von der Isar will der BVB Sonntag vor allem wieder seinen Vollgasfußball Marke Klopp entgegensetzen – ungeachtet aller Unkenrufe über einen möglichen Substanzverlust. Oder um es mit den Worten von Nationalspieler Kevin Großkreutz zu sagen: "Wir haben Kraft ohne Ende, sind heiß und wollen die Bayern wegfegen!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte