Es war wie zu den besten Zeiten des FC Bayern. Franck Ribery zaubert auf dem satten Grün in der Allianz Arena, Luca Toni macht die Ohrschraube und im Anschluss ertönen ihre ganz persönlichen Tor-Melodien.

Aber so richtig Glückseligkeit strahlten am Samstag die wenigsten aus.

Die Spieler der Frankfurter Eintracht nach dem 0:4 schon garnicht und die Münchener Bayern auch nicht - weil sie mit dem selben Ergebnis am Mittwoch in Barcelona verloren hatten. Und das bleibt - trotz des zweithöchsten Heimsiegs der Saison - unvergessen.

Klinsmann unbeeindruckt

Vor die Presse treten wollten sie trotz überlegener Vorstellung nicht alle. Kopfschüttelnd gingen sie an den wartenden Journalisten vorbei. Wie bei einer Niederlage. Nur kurz Lukas Podolski, etwas Mark van Bommel, aber richtig lange Jürgen Klinsmann.

Der Bayern-Trainer gibt sich kämpferisch in diesen Tagen. Keine Spur vor Resignation oder Amtsmüdigkeit. Selbst die Unmutsäußerungen der Fans vor und nach dem Spiel gegen Frankfurt nimmt der Schwabe beeindruckend solide hin.

Mitten im Titelkampf

"Ich habe totales Verständnis, wenn sie nach Niederlagen wie in Wolfsburg und Barcelona sauer sind auf ihren Trainer, weil sie Bayern siegen sehen wollen. Wir arbeiten daran, dass wir auch die Fans wieder überzeugen können", so Klinsmann.

Mit dem 4:0 (3:0) gegen Frankfurt bleiben die Bayern ein heißer Aspirant auf den Deutschen Meistertitel. Der angeschlagene Boxer FC Bayern meldet sich eindrucksvoll zurück - auch ein Gruß an die Konkurrenz? "Auf jeden Fall, wir haben 4:0 gewonnen, nichts anbrennen lassen. Wir wollen Deutscher Meister werden", sagt Lukas Podolski.

"Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen fast jedes Spiel gewinnen, aber das werden wir auch", beteuerte Klinsmann. "Wir müssen unsere Spiele gewinnen, der Rest ist egal. Wenn wir alle sieben Spiele gewinnen, sind wir Deutscher Meister", pflichtete Kapitän Mark van Bommel bei.

Wolfsburg weiter voraus

Der Rückstand auf Tabellenführer VfL Wolfsburg beträgt weiter drei Punkte. "Wir werden jetzt jedes einzelne Bundesligaspiel wie ein Endspiel angehen, um noch Deutscher Meister zu werden. Und dass wir das schaffen, glauben wir", sagte Klinsmann.

Gegen Frankfurt überzeugten die Bayern, wenn sie auch nicht glänzten. Franck Ribery (3.), Luca Toni (17.), Lucio (36.) und Bastian Schweinsteiger (48.) trafen vor 69.000 Zuschauern - doch "Frankfurt ist nicht Barcelona", wie van Bommel zurecht anmerkte.

Butt auch gegen Frankfurt im Tor

Gegen die "derzeit beste Mannschaft der Welt" (Klinsmann) steht am Dienstag das Rückspiel an - und Jörg Butt dann wohl wieder im Tor der Bayern. Gegen Frankfurt durfte er wie im Hinspiel für Michael Rensing ran, weil er laut Klinsmann "zu einem Leader geworden ist".

In einer "Phase, in der es in jedem Spiel um alles oder nichts geht", setze er auf die Erfahrung des 34-jährigen Butt. Zudem wollte er Butts Leistung, der am Mittwoch trotz einer schweren Gesichtsverletzung weiterspielte, würdigen. "Er hat im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf für uns hingehalten", betonte Klinsmann.

"Wir wollen Barcelona schlagen"

Dem Coach ist klar, dass der Sieg gegen Frankfurt "nicht alles reparieren kann", was in den vergangenen beiden Spielen gegen Wolfsburg und Barcelona kaputt gegangen ist. Er setzt vielmehr auf den Dienstag.

"Wir wollen Barcelona schlagen, auch wenn wir sie nicht mehr ausschalten können. Wir wollen die Fans mit Leidenschaft, Kampf und Power versöhnen."

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