Manchester - Es passiert nicht oft, dass Spieler von den gegnerischen Fans gefeiert werden. Im Old Trafford in Manchester wurde Schalkes Top-Torjäger Raul diese Ehre aber zuteil.

Bei seinem 150. Europacup-Einsatz wurde der Spanier mit viel Applaus von den Rängen bedacht. Die Anhänger der "Red Devils" zollten ihm damit Respekt für eine schon jetzt grandiose Karriere.

Im Interview nach dem Spiel analysiert Raul seinen vermeintlich letzten Auftritt in der "Königsklasse", blickt auf die bisherige Saison zurück und wagt schon jetzt einen Ausblick auf 2011/12.

Frage: Herr Raul, was ist im Rückspiel gegen Manchester schief gelaufen?

Raul: Uns war von vorneherein klar: Wenn man in der Champions League mit so einer Bürde aus dem Hinspiel antreten muss, dann wird es eine sehr schwierige Aufgabe. Nichtsdestotrotz haben wir versucht, den Ball zu halten, Druck aufzubauen und Nadelstiche zu setzen. Das ist uns zumindest in den ersten Minuten gut gelungen. Dann haben wir durch einen Fehler in der Vorwärtsbewegung das 0:1 kassiert und fortan haben wir nicht mehr zu unserem Spiel gefunden.

Frage: Schalke wirkte irgendwie gehemmt. Dabei gab es dazu doch eigentlich überhaupt keinen Grund.

Raul: Wir hatten uns vorgenommen, frei aufzuspielen. Schließlich hatten wir nichts zu verlieren. Aber Manchester United war uns, wie schon im Hinspiel, einfach in allen Belangen überlegen.

Frage: Können Sie diesem Abend trotzdem etwas Positives abgewinnen?

Raul: Wir haben uns nicht aufgegeben, sind gelaufen und haben bis zum Ende gekämpft. Und: Schalke stand immerhin zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im Halbfinale der Champions League - zusammen mit dem FC Barcelona, Real Madrid und Manchester United. Darauf können wir stolz sein. Vor allem den jungen Spielern haben diese Partien eine Menge Erfahrung gebracht. Und davon wird der FC Schalke 04 in Zukunft profitieren.

Frage: Das Endspiel war nur noch einen Schritt entfernt. Ist die Enttäuschung da doppelt so groß?

Raul: Mit dem Einzug ins Achtelfinale hatten wir unser Ziel doch eigentlich schon erreicht. Aber natürlich: Im Halbfinale will man dann auch den nächsten Schritt machen. Doch wir haben glaube ich alle gesehen, dass Manchester auf einem höheren Level gespielt hat.

Frage: War es für den Spieler Raul das letzte Spiel in der Champions League?

Raul: Ja, es war mein letztes Spiel in der Champions League - aber nur für diese Saison. Ich habe noch ein Jahr Vertrag und bin sehr zufrieden auf Schalke. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Frage: Bei Ihrer Form zweifelt kaum einer daran, dass Sie noch viele Jahre auf einem Top-Niveau spielen können. Wie machen Sie das?

Raul: Wenn man sich wohl fühlt, der Körper mitspielt und man auch die Einsätze bekommt, dann ist es einfacher, gute Leistungen zu bringen. Aber die Saison war sehr hart, schließlich haben wir wesentlich mehr Partien absolvieren müssen als angenommen.

Frage: Aber es wartet noch ein Endspiel auf den FC Schalke 04.

Raul: Richtig. Wir müssen unseren Kopf fürs Pokalfinale in Berlin frei bekommen. Denn da müssen wir gewinnen. Dann können wir auf eine sehr schöne Saison zurückblicken.

Frage: Und in der kommenden Saison greift Schalke dann wieder ganz oben an?

Raul: Erst einmal ist es wichtig, sich über den Pokal für die Europa League zu qualifizieren. Aber in der kommenden Saison sollte der Fokus ganz klar auf der Bundesliga liegen, denn dann sind gleich vier Plätze für die Champions League zu vergeben.

Aus Manchester berichtet Michael Reis