Während die Konkurrenten aus Bremen, Schalke, Hoffenheim und Hamburg Punkte liegen ließen, lieferte Bayer 04 Leverkusen beim 4:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart wieder einmal eine Galavorstellung ab.

Überragender Mann auf dem Platz war Bayer-Mittelstürmer Stefan Kießling, dem seine Saisontreffer Nummer zehn bis zwölf gelangen. Nach dem Spiel stellte sich der Torjäger bundesliga.de zum exklusiven Interview.

bundesliga.de: Glückwunsch zum 4:0-Sieg. Drei Tore in einem Spiel schießt man auch nicht alle Tage.

Stefan Kießling: Der Tag war für uns alle schön. Ich freue mich natürlich, dass ich mit drei Toren dazu beitragen konnte. Für mich war das eine Premiere. Das war mein erster "Dreierpack" und auch mein erster Elfmeter.

bundesliga.de: Wollten Sie den Elfmeter nicht schießen?

Kießling: Ich war nicht eingeteilt. Eigentlich ist Gonzalo Castro dafür vorgesehen. Der war schon ausgewechselt. Dann hat Tranquilo Barnetta gesagt: 'Nimm den Ball, schieß ihn rein.' Das habe ich dann gemacht.

bundesliga.de: Das war eine sehr gute Leistung gegen Stuttgart. War es eine meisterliche?

Kießling: Meisterlich würde ich nicht sagen. Wir haben die erste Viertelstunde verschlafen, sind nicht so ins Spiel gekommen. Dann haben wir es geschafft, den Hebel umzuschalten. Danach hat man unsere Stärke gesehen. Wir haben eine kompakte Defensive, jeder arbeitet nach hinten mit. Wenn wir den Ball haben, geht es schnell nach vorne. Es läuft super. Wir nehmen das gerne mit.

bundesliga.de: Der Spieltag war wie gemalt für Bayer. Fast alle Konkurrenten patzten, Bayer hat 4:0 gewonnen, die Tabellenspitze zurückerobert und nun wieder drei Punkte Vorsprung.

Kießling: Es war ein sehr wichtiges Spiel für uns, eben weil die anderen gepatzt haben. Wir wollten vorlegen. Das hat super geklappt.

bundesliga.de: Ein Wort zur Leistung von Toni Kroos.

Kießling: Der Toni hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Alleine der Pass zum 2:0 war phänomenal.

bundesliga.de: Sollte er über die Saison hinaus bei Bayer Leverkusen bleiben?

Kießling: Wir hätten es als Mannschaft gerne, wenn er bliebe. Er ist eine Bereicherung für die Mannschaft. Ich hoffe, dass sich die Vereine einigen können. Ich glaube, er möchte auch gerne hierbleiben. Das ist schon einmal ein gutes Zeichen.

bundesliga.de: Das Leverkusen Restprogramm liest sich mit den Spielen in Hannover, Berlin und dem Heimspiel gegen Mönchengladbach machbar. Ist die Herbstmeisterschaft ein Thema für Sie?

Kießling: Wenn man mit drei Punkten Vorsprung führt und nur noch drei Spiele sind, will man die drei Spiele natürlich gewinnen. Das ist in erster Linie unser Ziel. Dann gehört es auch dazu, dass wir oben stehen bleiben möchten. Jeder sagt aber jetzt, die angesprochenen Spiele müssen wir gewinnen. Wir wissen, wir schwer es ist, da jeweils zu spielen. Wir haben zwei Auswärtsspiele in Folge. Wir wollen jedes Spiel gewinnen und nächste Woche damit weitermachen.

bundesliga.de: Nach Bayers Führungstor erlahmte die Gegenwehr des VfB Stuttgart. Danach dominierte Bayer das Spiel total. Das muss richtig Spaß machen, in der Mannschaft zu spielen.

Kießling: Ja, klar. Es ist für uns einfacher, wenn der Gegner kommen muss und wir dann Räume haben. Man hat in der zweiten Halbzeit gesehen, dass viel Platz da war und wir die Konter gut ausgespielt haben.

bundesliga.de: Wird Ihnen die Serie von 14 ungeschlagenen Spielen nicht selbst langsam unheimlich?

Kießling: Nein, aber mich würde interessieren, wann es das das letzte Mal gab.

bundesliga.de: Das hat Bayer Leverkusen in der Saison 2001/02 schon einmal geschafft. 15 Spiele wäre ein neuer Rekord.

Kießling: Wie gesagt, wir nehmen das gerne mit. Man sieht, dass wir gefestigter sind und eine ganz andere Mannschaft sind. Jetzt wollen wir auch das 15. Spiel ungeschlagen bleiben.

bundesliga.de: Wer kann denn Bayer überhaupt noch schlagen?

Kießling: Die Hauptaufgabe ist, von Spiel zu Spiel zu schauen. Wir haben eine Supertruppe, das sieht man. Wir wollen einfach unsere Spiele gewinnen. Wenn einmal ein Unentschieden dabei ist, nehmen wir das auch gerne mit. Es wird sicher ein Rückschlag kommen, aber den werden wir verkraften.

bundesliga.de: Nur ein Rückschlag oder ein Absturz?

Kießling: Wir werden nicht abstürzen. Wir wollen nächstes Jahr international spielen. Das ist unser Ziel, und das werden wir auch erreichen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski